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Festanstellung

Zahl der Verträge mit "Verfallsdatum" nimmt zu

Fast 90 Prozent der geringfügig Beschäftigten arbeiten zu Niedriglöhnen. Jeder Elfte in Deutschland hat einen befristeten Vertrag. So weist es eine Übersicht des Statistischen Bundesamtes aus. Auch im Öffentlichen Dienst macht das Modell die Runde. Was aber genau ist ein prekäres Arbeitsverhältnis und wer ist am meisten betroffen?

Was einmal gedacht war, Hausfrauen einen unkomplizierten Nebenjob zu ermöglichen, ist zur Personalkostenschraube auf dem Arbeitsmarkt geworden. 'Prekäre Beschäftigung' heißt das Stichwort, unter dem man diese Beschäftigungen fassen kann. Jetzt legt die Hans-Böckler-Stiftung das Ergebnis drei neuer Studien vor, die zeigen, dass Minijobs nur selten eine Brücke in die stabile Beschäftigung bieten. Neben Minijobs sind Zeitarbeit und andere Formen der atypischen Beschäftigung in Deutschland die Arbeitsform, die eine zweite Wirklichkeit auf dem Arbeitsmarkt bildet.

Jeder Zweite unter 25 hat ein „prekäres Arbeitsverhältnis“

Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen unter 25 Jahren arbeitet in solch 'prekären Arbeitsverhältnissen'. Was aber ist das genau? Unter einem normalen Arbeitsverhältnis kann sich jeder etwas vorstellen: Eine Vollzeitbeschäftigung, durch die man seine Existenz absichern kann, die unbefristet und auf Dauer angelegt ist und die - nicht zu vergessen - auch voll in das soziale Sicherungssystem integriert ist. Im Rückschluss ist prekäre Beschäftigung alles das, was eben nicht darunter fällt: Minijobs, Zeitarbeit, befristete Arbeit, Geringverdiener, keine Sozialversicherung, Teilzeitbeschäftigung unter 20 Stunden. "Charakteristisch ist für eine prekäre Beschäftigung, dass sie nicht dazu geeignet ist, auf Dauer den Lebensunterhalt sicher zu stellen", bringt es der Vorsitzende der dbb jugend nrw, Markus Schallenberg, auf den Punkt.

Auch die öffentlichen Dienste ziehen hier mit

In vielen Branchen sind solche Arbeitsverhältnisse Normalität und auch der Öffentliche Dienst ist davon betroffen. "Hart kämpfen wir gegen das Vorurteil, dass der Öffentliche Dienst eine Oase der Ruhe und Gemütlichkeit sei, geprägt durch unkündbare und sichere Arbeitsverhältnisse", erklärt Schallenberg. Das nämlich ist ein Irrtum. Schon seit langem weist der gewerkschaftliche Jugenddachverband darauf hin, dass in vielen Bereichen des Öffentlichen Dienstes junge Leute unter hoher psychischer Anspannung arbeiten, weil sie nach ihrer Ausbildung lediglich ein befristetes Arbeitsverhältnis angeboten bekommen haben. Arbeit auf Zeit lässt keine Planungen zu.

Seit Jahren trifft es verschiedene Bereiche des Öffentlichen Dienstes besonders hart. Dazu zählt zum Beispiel der Justizbereich. Justizfachangestellte werden nach ihrer Ausbildung nach wie vor nur befristet eingestellt. "Innerhalb des Öffentlichen Dienstes gibt es eine Reihe von Dienststellen, in denen 30 bis 40 Prozent der Beschäftigten nur einen befristeten Vertrag haben", erläutert Schallenberg die Situation.

Ursprünglich war das alles so nicht gedacht: Atypischen Beschäftigungsverhältnisse sind einmal als eine Brücke in den Arbeitsmarkt installiert worden. Diese Argumentation spielte zum Beispiel in der Hartz-Kommission vor zehn Jahren eine große Rolle. Die Idee war, solche atypischen Beschäftigungen auszuweiten, in der Hoffnung darauf, dass sich daraus dann verbesserte Chancen des Übergangs in reguläre Beschäftigungen fänden. Heute hat im Schnitt jeder achte Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst einen befristeten Vertrag. "Von einem Sprungbrett mit Aussicht auf eine Dauerbeschäftigung kann da nicht die Rede sein", betont Schallenberg. Zu befürchten bleibt, dass die atypischen, prekären Beschäftigungsverhältnisse normaler werden als das 'Normalarbeitsverhältnis'.

Quelle: Deutsche Beamtenbund-Jugend NRW

(Redaktion)


 


 

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