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Olympiabewerbung gescheitert

Hoffnung auf Olympia 2022

Als die Tränen getrocknet waren, träumte Katarina Witt schon von einem olympischen Wintermärchen 2022 in München.

"Es war eine sehr schöne Zeit, wir waren ein Superteam. Allein dafür müssten wir weiterkämpfen", sagte die Frontfrau der gescheiterten Olympiabewerbung für 2018. Passend dazu wurde wenig später im Moyo-Restaurant von Durban der Song "Gimme Hope Jo'anna" von Eddy Grant gespielt - und die Trauergesellschaft im deutschen Haus schöpfte beim Tanzen wieder neue Hoffnung.

Wilder Twist von Thomas Bach

Thomas Bach legte einen wilden Twist mit seiner Ehefrau in der Kneipe am Ufer des Indischen Ozeans hin. Das Lächeln kehrte für ein paar Minuten auf die Lippen des IOC-Vizepräsidenten zurück, der auch persönlich eine der vernichtendsten Niederlagen seines erfolgreichen Lebens verarbeiten musste. Er erklärte vorsichtig, dass man die Entscheidung über eine erneuten Anlauf für Olympia "nicht übers Knie brechen" werde.

In der nächsten Woche sollen laut Bach schon die ersten Gespräche stattfinden, angeblich soll auch der Begriff München 2022 schon vorsorglich geschützt worden sein. Von Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gab es Ermunterung. "München hatte eine exzellente Bewerbung. Viele Anwärter werden erst beim zweiten Anlauf gewählt", sagte Fürst Albert von Monaco.

Erst 2015 werden Winterspiele 2022 vergeben

Es bleibt genügend Zeit sich erst zu entscheiden, denn erst in zwei Jahren beginnt die offizielle Bewerbungsphase. 2013 könnte Deutschlands Olympia-Frontmann Thomas Bach zum IOC-Präsidenten gewählt werden ("Die Kollegen wissen zu unterscheiden zwischen einer Abstimmung über Bewerberstädte und Personen"), was die Chancen sicher nicht verschlechtert. Erst 2015 werden dann die Winterspiele 2022 vergeben.

Ein erneuter Münchner Anlauf würde nach Ansicht aller Beteiligten aber nur Sinn machen, wenn größtenteils die gleichen Personen an der Spitze stehen und von Beginn an alle an einem Strang ziehen. "Wir werden sehr sorgfältig prüfen, ob nach 25 Stimmen eine erneute Bewerbung Sinn macht. Die deutsche Wirtschaft müsste es mittragen", sagte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude der Nachrichtenagentur dapd und tanzte seinen Frust weg: "Da ist ein sehr ausführlicher Klärungsprozess notwendig. Wir haben überhaupt keinen Zeitdruck."

Seehofer informiert die Bundeskanzlerin

Trotzdem wurde schon am Abend, an dem ein kühler Wind ins deutsche Haus wehte, über die Gründe der deftigen Niederlage gegen das südkoreanische Pyeongchang diskutiert. Bundespräsident Christian Wulff sagte, dass die "Entscheidung gezeigt hat, dass die Welt eine größere geworden ist". Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer debattierten sogar auf der Toilette miteinander. Dann machte sich Seehofer auf den Rückflug nach Deutschland, wo er Bundeskanzlerin Angela Merkel Bericht erstatten wollte: "Ich werde ihr erzählen, wie es war: Man kann auch mal ein Spiel verlieren, obwohl man eine optimale Leistung bringt."

Das war in den Finalmonaten zweifellos der Fall, doch auf dem Weg dahin hatte sich die deutsche Olympiabewerbung zu viele Fehler erlaubt. Zu spät wurde der Versuch gestartet, die Bewerbung von München zu einer deutschen zu machen. Zu spät wurde der glücklose Bewerbungschef Willy Bogner durch Weltstar Katarina Witt ersetzt. Zu spät nahm man auch die Bedenken der Grundstücksbesitzer und Bürger in Garmisch-Partenkirchen ernst, die die Kandidatur fast vorzeitig zu Fall gebracht hätten.

"Sehr viel Positives erarbeitet"

All das könnte man bei einem zweiten Anlauf besser machen, findet der Bürgermeister der Zugspitz-Gemeinde. "Wir haben uns sehr viel Positives erarbeitet, wir haben jetzt eine gescheite Planung und ein gutes Team zusammen", sagte Thomas Schmid der Nachrichtenagentur dapd: "Vor einer erneuten Bewerbung könnte man gleich eine Abstimmung im Ort machen. Außerdem ist ein Olympiagesetz da, das schafft Rechtssicherheit. Und eins steht fest: Wir haben nicht wegen den Grundstücken verloren."

Vielmehr meinten fast alle Experten, dass man selbst bei einer perfekten Performance keine Chance gegen Pyeongchang gehabt hätte. Zweimal - für 2010 (Ausrichter Vancouver) und 2014 (Ausrichter Sotschi) - hatten sich die Südkoreaner erfolglos beworben, ehe ihr olympischer Traum wahr wurde. "Wir haben bei Null begonnen. Da war einfach nichts zu bewegen", sagte IOC-Ehrenmitglied Walther Tröger zur dapd: "Man sieht uns Deutsche immer als die, die alles können. Aber die werden nicht immer gemocht."

Vielleicht hilft ja das 2022 ein schönes Jubiläum ansteht - es wird dann 50 Jahre her sein, dass Deutschland letztmals Olympische Spiele in München ausgerichtet hat.

(dapd-bay)


 


 

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