Bavaria Park in Neufahrn - Interview
"Es werden jährlich zwei Millionen Besucher erwartet"
München. business-on.de sprach mit Dipl.-Ing. (TU) Thomas Neff, Geschäftsführer von Bavaria World GmbH über den Freizeitpark "Bavaria Park", der in Neufahrn bei München entstehen soll.
business-on.de: Warum braucht Bayern einen weiteren Freizeitpark?
Thomas Neff: „Bavaria Park“ ist kein „weiterer Freizeitpark“ im herkömmlichen Sinn.
business-on.de: Sondern?
Thomas Neff: „Bavaria World “ will alle Freizeit- und Kulturangebote in Bayern weltweit vernetzen – virtuell über sein Internet-Portal und real im „Bavaria Park“. In beiden Fällen können sich alle bayerischen Kultur- und Freizeitangebote – wenn sie wollen – präsentieren, im Internet voraussichtlich bereits ab 2013. „Bavaria Park“ bietet zu gleichen Teilen „Kultur + Science“ und Freizeitvergnügen und den Spannungsbogen zwischen „historischem Original“ und „aktueller Hightech“ – so wie eben Bayern auch. „Bavaria Park“ ist ein Freizeit- und Kultur-Objekt, das sich dem Thema Bayern unter Einbindung von ausgewiesenen Fachleuten (Historiker, Heimat-Pfleger etc.), Institutionen und Vereinen nachhaltig und langfristig widmen will. „Bavaria Park“ ist wetterunabhängig und ganzjährig geöffnet und verlangt keinen Eintritt – bezahlt werden tatsächliche Nutzungen, wie man es bei Shopping Centern oder Volksfests kennt.
business-on.de: Welche Attraktionen sind geplant?
Thomas Neff: Grundsätzlich soll es folgende Haupt-Komponenten im „Bavaria Park“ geben: Themenhäuser, „Bavaria Aktiv“ (Sport- und Bewegungsangebote), „Bavaria Lern-Welt“ (ein außerschulischer Lernort mit Unternehmen aus Bayern), „Bavaria Tradition“ (traditionelles Handwerk vor Ort), Kultur-Bereich mit interaktiver Zeitreise, Kongress-Halle (Musik- und Theater-Aufführungen, eigenes Musical), Kultur-Stadl (Kleinkunstbühne, Volkstanz, Schulungen etc.), Temporäre Themenwelt (Ausstellungen), Bayerische Gastronomie, ein Freizeit-Bereich, In- und Outdoor-Kinder-Welt, Modell-Welt (Alpeneisenbahn, Modell vom Oktoberfest u.a.) und vier Fahrgeschäfte.
business-on.de: Warum haben Sie Neufahrn als Standort gewählt?
Thomas Neff: Grundsätzlich lässt das bayerische Landesentwicklungsprogramm und der Regionalplan München nur sehr wenige Standorte für ein Freizeit-Großprojekt zu. Die Standortwahl hat zunächst nichts mit der Gemeinde Neufahrn selbst zu tun, sondern damit, dass die Autobahnausfahrt Freising-Süd in der Nähe ist. Die Zufahrt über die Autobahn führt an keinem einzigen Wohngebäude vorbei, die nächste Wohnbebauung ist vom ersten Gebäude des „Bavaria Parks“ etwa 550 Meter entfernt. Im Logistik-Gewerbegebiet mit einem Multiplex-Kino ist ein S-Bahn-Haltepunkt fest geplant, womit ein großer Teil der Besucher aus München ohne Auto käme.
business-on.de: Welche Vorteile bietet der neue Freizeitpark für die Region?
Thomas Neff: Die Region wird touristisch erheblich bekannter und steht für die Vernetzung von Kultur und Freizeit sowie für innovative Unternehmen. Der „Bavaria Park“ wird etwa 1.000 Arbeitsplätze auch im Bereich Nicht- und Gering-Qualifizierter schaffen, die im „Bavaria Park“ geschult werden, aber auch weit mehr als 100 Arbeitsplätze für sehr gut ausgebildete Mitarbeiter werden geschaffen. Gerade weil in Neufahrn sehr viele Arbeitsplätze verloren gegangen sind, und die Beschäftigten z.T. bis München oder zum Flughafen pendeln müssen, ist dies eine Chance vor Ort.
business-on.de: Wie viele Gäste erwarten Sie jährlich?
Thomas Neff: Es werden zwei Millionen Besucher im Freizeit- und Kulturbereich sowie in den Themenhäusern erwartet, davon eine Million Touristen und eine Million aus dem Einwohnermarkt mit bis zu zwei Stunden Anfahrtszeit. Diese Zahlen sind nach anerkannten Methoden hergeleitet. Geht man davon aus, dass Touristen und überregionale Einwohner, d.h. solche mit mehr als 30 Minuten Anfahrtszeit wegen des Freizeit- und Kulturangebots in kommen, bedeutet dies einen Kaufkraftzuwachs im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Es kann davon ausgegangen werden, dass durch die Möglichkeit zur Vernetzung und Präsentation aller bayerischen, aber insbesondere der regionalen Freizeit- und Kulturangebote, ein erheblicher touristischer Effekt für die regionale Wirtschaft entsteht, insbesondere für die Gastronomie, die Hotellerie und den Einzelhandel.
business-on.de: Was sagen Sie Gegnern des neuen Freizeitparks?
Thomas Neff: Sie sollen nicht nur an sich, sondern auch an die denken, die davon profitieren, die z.B. Arbeitsplätze vor Ort und nicht in München und am Flughafen finden, durch höhere Steuereinnahmen soziale Angebote erhalten, die sich die Gemeinde Neufahrn sonst nicht leisten kann, die Wert auf ein Kultur- und Freizeitangebote legen. Und sie sollen in einen Dialog mit uns treten. Eine Antwort auf unseren „Offenen Brief“ vom 26.07.2011 wird von den Gegnern standhaft verweigert.
business-on.de: Befürchten Sie Proteste wie bei Stuttgart 21?
Thomas Neff: Nein. Wir denken, dass – wenn erst einmal pro oder contra „Bavaria Park“ entschieden ist – wieder Vernunft und Denken anstelle übertriebener Emotionen einsetzt. Zumindest werden uns die Neufahrner und Mintrachinger bisher so dargestellt: leidenschaftlich, aber als Gemeinschaft, die an einem Strang zieht.
business-on.de: Im „Bavaria Park“ sollen nur Produkte aus Bayern verkauft werden, wollen Sie auch damit die regionale Wirtschaft fördern?
Thomas Neff: Der „Bavaria Park“ wird ausschließlich Produkte mit dem Zertifikat „Original aus dem Herkunftsland Bayern“ verkaufen. Der Marken-Kern bei uns lautet: „Die bayerische Lebensfreude erlebbar machen“ – dazu gehören die bayerischen Produkte. Der Besucher will etwas erwerben, um das im „Bavaria Park“ Erlebte mit nach Hause zu nehmen. Damit fördern wir selbstverständlich vor allem mittelständische Betriebe und Selbständige in ganz Bayern, weil nicht nur die Produkte bekannter werden und eine bedeutende Vertriebsschiene erhalten, sondern weil sie in der Regel auch hochpreisiger sind. Sie werden durch den „Bavaria Park“ emotional aufgeladen und mit Kunden zusammengebracht, die bereit sind, erheblich mehr auszugeben z.B. für Souvenirs. Der „Bavaria Park“ will dem örtlichen Einzelhandel keine Konkurrenz machen, sondern ihm Kaufkraft über die zahlreichen Besucher zuführen, die ohne das Freizeit- und Kulturangebot gar nicht vor Ort wären. Deshalb sollen sie alles, was sie nicht im „Bavaria Park“ kaufen können, bei den schon bestehenden Geschäften erwerben. Über einen Großhandel können sich Einzelhändler ebenfalls mit bayerischen Produkten versorgen und damit Marktnischen nutzen. Merchandise-Produkte von Bavaria World werden nur im „Bavaria Park“, bei den Einzelhändlern vor Ort und über das Internet verkauft. Auch das ist eine Chance für die Einzelhändler und für Partner-Unternehmen, die die Abwicklung übernehmen.
business-on.de: Wann soll der „Bavaria Park“ seinen Betrieb aufnehmen?
Thomas Neff: Geplant ist die Eröffnung im Jahr 2015, falls Ablauf und Genehmigungsverfahren relativ reibungslos über die Bühne gehen. Eine Abstimmung mit der Regierung von Oberbayern und dem Wirtschaftsministerium ist bereits 2009 und 2010 erfolgt.
(Kathrin Hollmer)
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