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Passivhaus-Standard

Energiebedarf fast wie ein Passivhaus

Die Zahl der im Passivhausstandard errichteten Neubauten in Deutschland steigt. Auch bei der energetischen Modernisierung von Altbauten rückt die besonders energiesparende Bauweise immer mehr in das Blickfeld.

Zukunftsbewusste Hausbesitzer sollten deshalb die Verwendung von Passivhaus-Komponenten bei Sanierungen prüfen lassen, sagt Claudia Rist vom Landesprogramm Zukunft Altbau des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Baden-Württemberg. Bei einer Komplettsanierung könne dies eine Reduzierung des Primärenergiebedarfs um den Faktor zehn bedeuten. Der Heizbedarf
sinke dann in die Nähe von Passivhäusern. Jetzt noch Sanierungsmaßnahmen entsprechend den gesetzlichen Minimalforderungen durchzuführen, sei in wenigen Jahren nicht mehr wirtschaftlich.

In der Tat: Steigende Energiepreise und Klimaschutzbestimmungen drängen dazu, vorausschauend zu handeln. Eine energetische Haussanierung bestimmt den Energiebedarf für die nächsten zwei bis drei Jahrzehnte.

Passivhäuser sind Energiesparbauten, die keine herkömmliche Heizanlage mehr benötigen. In Frankfurt am Main und in Nürnberg ist das Passivhaus bereits Standard für städtische Neubauten. Auch bei der Modernisierung von Altbauten gewinnen Komponenten aus der Passivhausplanung an Bedeutung. Die Stadt Freiburg empfiehlt, Sanierungen in die Richtung des Passivhaus-Energiestandards durchzuführen. Zu den Komponenten zählen eine besonders gute Wärmedämmung, die Reduzierung von Wärmebrücken, eine luftdichte Gebäudehülle, Passivhausfenster, eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung und innovative Haustechnik.

„Was in neuen Häusern richtig ist, kann im Altbau nicht falsch sein“, sagt auch Meinhard Hansen, Passivhausarchitekt und Vorsitzender der Architektenkammer Freiburg. „Grundlage für den erfolgreichen Einsatz von Passivhaus-Komponenten ist aber eine gute Planung. Sind alle Details im Vorfeld geplant, können Passivhaus-Komponenten bedenkenlos eingesetzt werden.“

Beispiel Wärmedämmung: Eine hochwertige Wärmedämmung von Fassade, Dach und Kellerdecke ist das charakteristische Element von Passivhäusern. Im Vergleich zu den Standardanforderungen der Energieeinsparverordnung EnEV 2009 für Sanierungen werden Außenwand und Dach rund zehn Zentimeter stärker gedämmt. Die Energieverluste durch die Gebäudehülle werden somit weiter reduziert. „Wichtig ist, dass die Dämmung nicht durch Wärmebrücken wie auskragende Balkonplatten oder ungedämmte Fensterleibungen unterbrochen wird“, so Hansen.

Ein zusätzlicher Baustein sind gut gedämmte Fenster. Passivhausfenster bestehen aus einer Dreischeiben-Wärmeschutzverglasung und einem speziell gedämmten  Fensterrahmen. Sie verringern die Wärmeverluste gegenüber üblichen neuen Fenstern um mehr als 50 Prozent. Mit dem Einbau neuer
Fenster nimmt aber auch die Luftdichtigkeit zu. Daher empfehlen Planer
gleichzeitig den Einbau einer automatischen Lüftungsanlage. „Die Wärme bleibt beim automatischen Lüften mit Wärmerückgewinnung im Haus“, erklärt Hansen. „In der heizungsfreien Zeit wird die Lüftung abgeschaltet und wieder über die Fenster gelüftet.“

Wird in einem weiteren Schritt die alte, nun viel zu groß dimensionierte Heizanlage durch eine neue, mit erneuerbaren Energien betriebene kompaktere Heizanlage ersetzt, sinkt der Primärenergiebedarf des Gebäudes um Faktor zehn. Damit nähert sich der sanierte Altbau an den Passivhausstandard für Neubauten an. Zum Vergleich: Passivhausneubauten benötigen 15 Kilowattstunden Heizwärme pro Jahr und Quadratmeter. Sanierte Altbauten mit Passivhaus-Komponenten können rund 30 bis 45 Kilowattstunden erreichen. Das ist rund doppelt so gut wie bei Neubauten vorgeschrieben. Um das zu erreichen, sollten sanierungswillige Hausbesitzer aber überlegt vorgehen und einen erfahrenen Planer aufsuchen, betont Claudia Rist von Zukunft Altbau.

Der finanzielle Mehraufwand für Passivhaus-Komponenten ist vergleichsweise gering, die Förderung des Staates steigt. Ein Passivhausneubau kostet rund zehn Prozent mehr als ein konventionell errichtetes Haus. Bei Sanierungen von Altbauten summieren sich die Mehrkosten auf schätzungsweise 15 Prozent. Die Ausgaben für die Lüftungsanlage im Einfamilienhaus liegen je nach Ausstattung bei 6.000 bis 10.000 Euro. Betrachtet man die sinkenden Heizkosten, ist die Investition insgesamt ein finanzieller Gewinn. Und nicht nur das: Auch das Wohngefühl steigt. Kalte Wände und schlechte Luft gehören der Vergangenheit an. „Das Motto für sanierungswillige Hausbesitzer sollte deshalb lauten: Wenn schon, denn schon“, bilanziert Rist.

Auskunft über Sanierungsfragen geben Gebäudeenergieberater aus der Region und Experten am kostenfreien Beratungstelefon von Zukunft Altbau: 08000 12 33 33.

(Zukunft Altbau)


 


 

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