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Powerfrauen

Männer sind anders, Frauen auch – wie Unterschiede zu Gemeinsamkeiten werden

Seit über 20 Jahren begleitet Christl Lang Firmen, Teams und deren Mitarbeiter mit offenen Seminaren, Inhousetrainings, Workshops sowie Individualcoachings. Als Weiterbildungspartner & Seglerin sieht sie viele Parallelen zwischen einem Schiff und einem Unternehmen: „Nur wenn Vorgesetzte und Mitarbeiter die gleiche Sprache sprechen, Untiefen rechtzeitig erkennen bzw. umfahren, erreichen alle den sicheren Hafen!“

BON: Frau Lang, was war für Sie der Auslöser sich 1992 als Trainerin selbstständig zu machen?
CL: Viele Skipper investieren viel Geld in ihr Schiff, dessen Ausstattung und den Erhalt des Materials sowie eine fachlich topfitte Mannschaft. An das Training der Crew denken jedoch viele erst, wenn das ganze Schiff bereits in Gefahr ist und Kunden sowie Leistungsträger das Unternehmen verlassen... Dabei ist die Investition in Fort-und Weiterbildung vergleichbar gering mit den Verlusten, die durch fehlende bzw. ungeschickte Kommunikation und Führungskompetenz entstehen. Das wird gerade von kleinen und mittleren Betrieben übrigens meist enorm unterschätzt.

BON: Seit über 20 Jahren begleiten Sie mit Ihrem Weiterbildungsunternehmen On Course & Partner® Mitarbeiter und Führungskräfte beiderlei Geschlechts. Was hat Sie nun dazu bewogen, nun gezielt auch Spezial Seminare nur für Frauen im Businesskontext durchzuführen?
CL: Das ist richtig: jahrzehntelang habe ich ausschließlich in gemischten Gruppen das zwischenmenschliche Handwerkszeug für erfolgreiche Mitarbeiter und Führungskräfte vermittelt: Ziele klar definieren, Entscheidungen treffen, Forderungen deutlich machen, Grenzen setzen, konsequent & menschlich bleiben.
Dabei konnte ich immer wieder feststellen, dass im Hinblick auf Führungsverhalten für Männer andere Regeln gelten, als für Frauen: wenn Männer laut werden, ihre Ziele hartnäckig verfolgen und sich durchsetzen, so spricht man von Durchsetzungsvermögen und Kompetenz.
Greift eine weibliche Führungskraft zu den gleichen Mitteln und wird auch sie mal laut und setzt ihre Anordnungen dominant durch, so erntet sie rasch Verachtung und es wird hinter ihrem Rücken getuschelt sie sei eine „total harte Nuss“, „Emanze“ oder gar „Flintenweib“.
Von einer weiblichen Führungskraft verlangt die Gesellschaft noch immer, dass sie selbst in harten Verhandlungen bei den unsachlichsten Angriffen stets ruhig und gelassen bleibt, souverän reagiert und mit Charme und Lockerheit zur Lösung führt sowie dabei selbstverständlich immer gut aussieht!
In meinen Seminaren erfahren Frauen, wie sie im Businesskontext ihre Forderungen klar und deutlich vortragen, dabei jedoch ihre Stimme und nonverbale Gesten gekonnt so einsetzen, dass sie auch bei hartem Gegenwind und Angriffen noch Akzeptanz erzeugen. Die Teilnehmerinnen sind immer wieder überrascht wenn sie erfahren, wie leicht es sein kann Wertschätzung und Anerkennung in der Männerwelt zu finden und somit ihre Ziele mit wesentlich mehr Lockerheit und Leichtigkeit erreichen können.

BON: Wenn ich Ihre Worte richtig interpretiere, so möchten Sie die „toughe“ und unnahbar wirkende Frauen dabei begleiten, sich wieder mehr auf Ihre weiblichen Stärken zu konzentrieren, als auf männliche Attribute?
CL: Stimmt, denn die Teams werden immer heterogener: Frauen und Männer unterschiedlicher Herkunft und Nationen wollen motiviert und zu immer höheren Zielen geführt werden. Wer heutzutage noch in männlich oder weiblich denkt, hat rasch das Nachsehen: Vielmehr gilt es Unterschiede in Gemeinsamkeiten zu verwandeln und Synergien zu nutzen!

Eine erfolgreiche männliche Führungskraft benötigt - neben fachlicher Kompetenz - auch immer weibliche Eigenschaften, wie Geduld, Nachsicht, Einfühlungsvermögen und liebevolle Beharrlichkeit. Um als Frau im Berufsleben Akzeptanz und Anerkennung zu finden, sollte sie ihre männlichen Fähigkeiten integrieren: Kraft, Engagement, Zielorientierung, Entschiedenheit.
Um heutzutage wirklich nachhaltig Erfolg haben zu können, sollten sowohl männliche als auch weibliche Mitarbeiter und Führungskräfte die Aspekte der männlichen UND weiblichen Sicht-und Herangehensweisen nutzen.

Ein Mann ohne weibliche Anteile wirkt leicht zu hart, eine Frau ohne männliche Anteile lässt sich zu leicht „die Butter vom Brot“ nehmen. 

BON: Weiterführend darüber nachgedacht ist der Seminarinhalt nicht nur für das Business anwendbar. Auch im Privatleben von erfolgreichen Businessfrauen könnten die Trainingsinhalte doch das eine oder andere Spannungsverhältnis lösen.
CL: Frauen haben meist viele Hüte gleichzeitig auf: als Mitarbeiterin, Vorgesetzte, Partnerin, Freundin, Mutter managen sie neben dem Haushalt oft auch das private Entertainment und Familienleben.

Anstatt Anerkennung für all diese Funktionen zu erhalten, kann eine Frau es heutzutage noch immer wenigen recht machen: Geht sie arbeiten ist sie schnell eine „Rabenmutter“ oder „Karrierefrau“, bleibt sie daheim, ist sie für viele eine „Drückebergerin“ oder „Versagerin“. Egal, wie sehr sie sich anstrengt, es ist selten gut genug und es bleibt ein ständig schlechtes Gewissen…

Verständlicherweise sind sehr viele Frauen einfach überfordert und rutschen in das sog. „Burnout“ oder in die Depression. Der Volksmund sagt: „Wer nicht genießt, wird ungenießbar“. Erst wenn Frauen ihre Grenzen erkennen & respektieren, andere verstärkt einbinden, ihre Ansprüche reduzieren und für sich selbst ebenso gut sorgen, wie für andere, dann bleibt auch wieder Zeit für Entspannung, Nähe und Lockerheit. 

BON: Diese Seminarthemen sind doch sicherlich auch für firmeninterne Seminare geeignet? Wie groß ist der Anteil an Firmenseminaren bei On Course?
CL: Viele Firmen haben einfach erkannt, dass Seminare und Workshops die Abläufe des Tagesgeschäfts enorm vereinfachen, weil es der Erfolgsfaktor Mensch ist, der den wirtschaftlichen Erfolg im Unternehmen ermöglicht oder behindert!

Es wird sehr viel Geld & Effizienz verschwendet durch Missverständnisse, schwelende Konflikte, hervorgerufen durch fehlende oder unzureichendes Kommunikation oder Führungskompetenz.

Fachlich sind sehr viele extrem kompetent, zwischenmenschlich jedoch auf einem deutlich geringeren Niveau: Weder in Schule, Ausbildung noch Studium lernen Menschen sich selbst und ihre fachliche Kompetenz souverän zu präsentieren, in Meetings mit Esprit zu inspirieren oder zu motivieren. Auch lernen wenige ihre Ziele rechtzeitig zu definieren, auf Machbarkeit zu prüfen & ganzheitlich stimmig zu realisieren. Konflikte mit Kunden, Vorgesetzten und Kollegen führen schnell zu Flurfunk, innerer oder tatsächlicher Kündigung, anstatt sie zeitnah und wertschätzend anzusprechen und größeren Schaden zu vermeiden.

Ich begleite in den Inhousetrainings regelmäßig die Mitarbeiter, Führungskräfte und Teams. Die Teilnehmer erfahren, wie sie wertschätzender und konstruktiver kommunizieren, Kunden und Mitarbeiter an das Unternehmen binden und somit ihren Alltag wirkungsvoll mitgestalten und den Arbeitsplatz langfristig sichern können.
Viele Firmen investieren regelmäßig und kontinuierlich in ihre Mitarbeiter, weil sie wissen, dass somit ein „Return of Invest“ am sichersten gewährleistet wird. Einige davon begleite ich seit Jahren in regelmäßigen Abständen und die gesteigerte Kundenorientierung, Bindung der Mitarbeiter, Steigerung des Engagements sowie der Leistung sind signifikant!

BON: Sie führen auch Individualcoachings durch. Wie darf man sich das vorstellen?
CL: Coaching bietet oftmals in wenigen Stunden Lösungsansätze und Ideen für private oder berufliche Herausforderungen.
Sehr viele Mitarbeiter und Führungskräfte befinden sich in einem „luftleeren Raum“: Das Umfeld ahnt oftmals nichts von der jahrelangen Überforderung, Verzweiflung und Einsamkeit. Meist fehlen kompetente Ratgeber oder Freunde oder sollen nicht belästigt werden.
Hier begleite ich bei Fragen der Zieldefinition, Planung und Umsetzung der Lösungen: diskret unter vier Augen, über Telefon oder Internet. 

BON: Wenn Sie ihre Wunschkunden/innen beschreiben könnten, wie sähe deren Profil aus?
CL:
Das sind Menschen, welche Konventionen hinterfragen, ihr Leben (wieder) bewusst in die eigene Hand nehmen und aktiv gestalten möchten. Menschen, die ihre Fähigkeiten entfalten und nutzen möchten als Selbständiger, Mitarbeiter, Führungskraft oder im Privatleben.

BON: Was macht Christl Lag in ihrer Freizeit?
CL: Nach 30 Jahren bin ich der Liebe wegen Mitte 2012 aus München in die schöne Zentralschweiz gezogen. Da ich beruflich viel in D-A-CH unterwegs bin, erhole ich mich privat am liebsten in den Bergen, auf bzw. unter Wasser, beim Kochen oder hole mir Inspiration beim Lesen und Reisen.

BON: Dieses ist natürlich ein sehr positiver Aspekt für die Wohnsitzverlegung in die dazu noch sehr reizvolle Landschaft der Schweiz.

Zusammenfassend in die Seminarthemen und die Inspiration von Christl Lang geblickt finde ich als Mann darin ein sehr großes Potential um ebenfalls daran zu wachsen. Die gemischten Kurse profitieren dabei von den Erfahrungen der Trainerin in den reinen Frauenkursen. In meiner Betrachtung entkräftet das Coaching die starren Verhaltensmuster innerhalb aufgebauschter „Machtkämpfe“ zwischen den Geschlechtern: Frau lernt das ein Erscheinungsbild „des harten Flintenweibes“ Konflikte eher verstärkt, wir Männer das es besser ist Unterschiede der Frauen eventuell sogar zu adaptieren.

„Männer sind anders, Frauen auch – und daher sollten Unterschiede zu Gemeinsamkeiten erarbeitet werden.“ 

Sehr interessant zu lesen waren für mich auch die Teilnehmerfeedbacks auf Ihrer Homepage.
Vielen Dank für das sehr interessante Interview und Ihnen zukünftig immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

(Bernhard Eckert)


 


 

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