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Verbraucherverhalten in 2011

Ausgaben der Privathaushalte nimmt zu

Einen Rückblick auf den privaten Konsum im Jahr 2010 und eine Prognose für 2011 stellte die GfK heute im Rahmen einer Pressekonferenz in Nürnberg vor.

Wie von der GfK prognostiziert, stieg der private Konsum im vergangenen Jahr um 0,5 Prozent an. Für 2011 erwarten die Marktforscher bei den Ausgaben der Privathaushalte eine deutliche Steigerung um 1,5 Prozent und somit einen soliden Beitrag zum Aufschwung. Im europäischen Vergleich sind die Deutschen mittlerweile die mit Abstand größten Konsum-Optimisten.

Deutschland hat die Finanz- und Wirtschaftskrise mit beindruckender Dynamik hinter sich gelassen. Während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Krisenjahr 2009 noch um 4,7 Prozent schrumpfte und das Land die schwerste Rezession der Nachkriegszeit durchlebte, schnellte das BIP im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent nach oben − so stark wie seit der deutschen Wiedervereinigung nicht mehr. Im gleichen Maße wie Wirtschaftsforscher ihre Prognosen nach oben revidierten, stiegen laut Erhebungen des GfK-Konsumklimas auch die Konjunkturerwartungen der Verbraucher ab Sommer 2010 steil an. Der Aufschwung wirkte sich sehr positiv auf den Arbeitsmarkt aus. Laut Bundesagentur für Arbeit lag die Zahl der Erwerbslosen im Jahresdurchschnitt bei 3,244 Millionen und sank damit um 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit dem Unterschreiten der psychologisch wichtigen Drei-Millionen-Marke im Herbst 2010 lieferte die Arbeitsmarktentwicklung einen entscheidenden Schub für das Vertrauen der Verbraucher in die eigene wirtschaftliche und berufliche Zukunft.

Auch die Einkommenserwartung legte im Jahresverlauf deutlich zu. Gestartet bei 12 Indikatorpunkten im Januar stieg der Wert auf 40 Punkte im Dezember an und erreichte damit fast das Hoch der Jahre 2000 und 2001. Die deutschen Verbraucher erhofften sich vom Aufschwung einen deutlich positiven Effekt bei den Löhnen und die letzten Tarifabschlüsse bestätigen diese Erwartungshaltung. Die positiven Rahmenbedingungen und die steigende Planungssicherheit der Verbraucher zeigten auch bei der Anschaffungsneigung ihre Wirkung, die sich von einem ohnehin hohen Niveau stabil nach oben entwickelte. Im Jahresdurchschnitt 2010 erreichte der Indikator einen Wert von 27 Punkten und stieg damit gegenüber dem bereits sehr erfreulichen Wert des Vorjahres erneut um sechs Zähler. Auch der GfK-Konsumklimaindex zeigte entsprechend einen kontinuierlichen Aufwärtstrend und erreichte zum Jahreswechsel 2010/2011 ein Drei-Jahres-Hoch.

Handel wieder im Plus

Laut GfK-Berechnung legten der deutsche Lebensmittelhandel und die Drogeriemärkte im letzten Jahr beim Umsatz zu. Mit einem Plus von 1,2 Prozent erreichten sie ein Volumen von 154 Milliarden Euro und damit einen neuen Bestwert. Auch der so genannte Non-Food-Handel, Bereiche wie Elektroartikel, Textilien, Möbel oder Heimwerkerbedarf konnten deutliche Umsatzgewinne verbuchen. Mit einer Steigerungsrate von geschätzten 2,6 Prozent und einem Gesamtumsatz von knapp 148 Milliarden Euro erzielte das Non-Food-Segment das beste Umsatzergebnis seit dem Jahr 2002. Besonders wachstumsstark zeigten sich hier die technischen Gebrauchsgüter, zu den unter anderem die Unterhaltungselektronik, Informationstechnologie (IT), Telekommunikationsprodukte, das Fotosegment sowie Haushaltsgeräte zählen. Ihr Umsatz steigerte sich um gut 8 Prozent auf 47 Milliarden Euro.

Bei den Verbrauchern ist ein anhaltender Trend hin zu Qualität und weg von der reinen Fokussierung auf den günstigsten Preis festzustellen. Ein Beispiel ist der Textilhandel. Die Branche erzielte im vergangenen Jahr ein Umsatzvolumen von rund 40 Milliarden Euro wobei der Wertzuwachs 2,4 Prozent betrug und die verkaufte Menge gleichzeitig leicht zurückging. Die Verbraucher gaben im Schnitt mehr pro gekauften Artikel aus und griffen eher zu höheren Qualitäten.

Vielversprechende Konsumaussichten für das Jahr 2011

Zum Jahresbeginn 2011 verstärkt sich der Konsumoptimismus der Deutschen weiter. Die Anschaffungsneigung steigt im Januar auf einen Wert von 41,8 Zählern − den höchsten Stand seit Dezember 2006 − und das trotz der zuletzt angestiegenen Preiserwartung. Die positiven Aussichten am Arbeitsmarkt befeuern weiterhin die Konsumstimmung.

"Die GfK erwartet, dass der private Konsum im Jahr 2011 mit einem Plus von 1,5 Prozent deutlich zulegt und seine Wachstumsrate gegenüber dem Vorjahr verdreifacht. Die neue Konsumfreude der Deutschen beflügelt nicht nur den Aufschwung, sie entwickelt sich zu einer nachhaltigen und verlässlichen Stütze der Binnenkonjunktur", kommentierte Professor Dr. Klaus L. Wübbenhorst, Vorstandsvorsitzender der GfK Gruppe.

Für den Lebensmittelhandel und die Drogeriemärkte prognostiziert die GfK für 2011 eine Umsatzsteigerung von circa 1,7 Prozent. Auch im Non-Food-Handel erwarten die Experten mit geschätzten 1,7 Prozent Zuwachs einen weiteren Umsatzschub, allerdings wird dieser nicht mehr ganz so stark wie im letzten Jahr ausfallen. 

Deutsches Jobwunder

Die Konsumfreude der deutschen Verbraucher ist im Vergleich zu den europäischen Nachbarn mehr als bemerkenswert. Im Verlauf des letzten Jahres koppelte sich Deutschland deutlich von den großen europäischen Volkswirtschaften ab und setzte entgegen aller Prognosen zu einem wirtschaftlichen Höhenflug an. Während das Bruttoinlandsprodukt hierzulande um 3,6 Prozent zulegte, konnten Frankreich (+1,6%), Großbritannien (+1,8%) und Italien (+1,1%) bei diesem Wachstumsschub nicht mithalten. In Spanien entwickelte sich das BIP mit einem Rückgang um 0,2 Prozent sogar leicht negativ. Unter den bevölkerungsstarken EU-Ländern verzeichnete nur Polen (+3,5%) eine ähnlich positive Wirtschaftsentwicklung wie Deutschland.

Noch deutlicher zeigt sich die Sonderrolle Deutschlands bei einem Vergleich der Arbeitslosenzahlen. Gegenüber dem Niveau vor der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2007 reduzierte sich europaweit nur hierzulande die Zahl der Arbeitslosen. Mit einem Rückgang von 17 Prozent hebt sich Deutschland hier klar von seinen Nachbarn ab. Negative Spitzenreiter sind die baltischen Staaten in denen sich die Arbeitslosigkeit mehr als verdreifachte. Auch Irland und Spanien legten bei den Arbeitslosenzahlen deutlich zu, ein Zeichen der dort stark wirkenden Immobilien- und Finanzkrise.

Die Gründe für die positive Entwicklung in Deutschland sind vielfältig. Die mit der Agenda 2010 eingeleiteten Strukturreformen haben das Land im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig gemacht. Im Krisenjahr 2009 wirkten sich die Flexibilisierung der Arbeitszeit, die erweiterten Möglichkeiten zur Kurzarbeit und staatliche Konjunkturprogramme stützend auf den Arbeitsmarkt aus, so dass es kaum zu konjunkturell bedingten Entlassungen kam. Hierdurch konnte die deutsche Wirtschaft im letzten Jahr sofort reagieren, als die weltweite Nachfrage wieder anzog.

Franzosen befürchten Rückgang ihres Lebensstandards

Die positiven Nachrichten aus den Unternehmen steigerten die Konjunkturerwartungen der deutschen Verbraucher im Jahr 2010 auf einen Durchschnitt von +29 Indikatorpunkten. In Frankreich beurteilten die Menschen die ökonomischen Aussichten ihres Landes deutlich negativer. Für das Jahr 2010 erreichte die Konjunkturerwartung einen Wert von nur -11 Punkten. Im Vergleich zum Nachbarn Deutschland belasten höhere Sozialabgaben und geringere Arbeitszeiten durch die gesetzlich vorgegebene 35 Stunden-Woche die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft.

Die französischen Verbraucher befürchten derzeit massiv eine Abnahme ihres Lebensstandards, wie die im Jahresschnitt 2010 mit -27 Punkten deutlich negativ beurteilte Einkommenserwartung deutlich belegt. In Deutschland lag der Wert hingegen bei +28 Zählern. Auch bei der Anschaffungsneigung entwickelten sich die beiden bevölkerungsstärksten Länder Europas konträr. Im Jahresschnitt erreichte der Indikator in Deutschland einen Wert von +27 Punkten, in Frankreich hingegen -32 Zähler.

Sparkurs der Regierung belastet Konsum in Großbritannien

In Großbritannien zeigten das Ende des langjährigen Immobilienbooms und die Maßnahmen der Regierung zur Haushaltskonsolidierung deutliche Wirkung. Die Anschaffungsneigung erreichte im letzen Jahr ein Niveau von nur -29 Zählern. Auch die Einkommenserwartung wurde im Jahresschnitt mit -5 Punkten negativ beurteilt. Der öffentliche Sektor ist in Großbritannien der größte Arbeitgeber, entsprechend groß sind hier die Auswirkungen des harten Sparkurses der Regierung. Zudem belasteten Nullrunden bei den Gehältern und eine im Vergleich zu Deutschland hohe Inflationsrate den Lebensstandard der Britten. 

Italiener schränken Konsum ein

Die italienischen Verbraucher schätzten die Konjunkturaussichten ihres Landes im letzten Jahr ebenfalls pessimistisch ein. Eine Konjunkturerwartung von -15 Punkten und eine Einkommenserwartung von -19 Zählern spiegeln die Zukunftsängste der Bevölkerung deutlich wider. Das Wirtschaftswachstum war bereits vor der Finanzkrise sehr gering, das Staatsdefizit enorm und die Arbeitslosigkeit erreichte im vergangenen Jahr einen Höchstand seit 2001. Die Situation am Arbeitsmarkt wird durch eine deutliche Zunahme von befristeten Arbeitsverträgen und Stellen im Niedriglohnsegment zusätzlich belastet. Die Mittelschicht des Landes schrumpft und die italienischen Verbraucher reagieren mit Zurückhaltung beim Konsum und starker Preissensibilität. Die Anschaffungsneigung konnte im Jahresschnitt nur einen Wert von -19 Zählern erreichen.

Immobilienkrise beeinträchtigt Spanien

Spanien ist von seiner Immobilienkrise stark getroffen. Aufgrund der enormen wirtschaftlichen Bedeutung des Immobiliensektors stieg die Arbeitslosenrate zwischen 2007 und 2010 um mehr als das Doppelte. Im Unterschied zu fast allen europäischen Ländern sank das Bruttoinlandsprodukt in Spanien im vergangenen Jahr sogar leicht. Entsprechend negativ fielen im Jahresschnitt auch die Konjunkturerwartungen der Verbraucher mit einem Punktwert von -18 aus. Noch düsterer bewerteten die Spanier ihre persönlichen Einkommensaussichten mit -22 Zählern. Das hohe Staatsdefizit versucht die Regierung durch Einschnitte bei Sozialleistungen, Gehaltskürzungen bei öffentlichen Bediensteten sowie mit höheren Steuern, beispielsweise der Anhebung des Mehrwertsteuersatzes von 16 auf 18 Prozent, auszugleichen. Mit einer Anschaffungsneigung von -8 Zählern im Jahresdurchschnitt 2010 reagierten die spanischen Verbraucher im Vergleich zu ihren Nachbarn in Frankreich und Italien aber noch sehr moderat auf die wirtschaftliche Lage.

Polen glänzt beim Wirtschaftswachstum

Das Bruttoinlandsprodukt in Polen legte im Jahr 2010 um 3,5 Prozent zu und erreichte damit fast die deutsche Wachstumsrate. Auch in punkto Arbeitslosigkeit kann der östliche Nachbar glänzen. Gegenüber 2007 blieb die Zahl der Arbeitslosen unverändert. Die positive wirtschaftliche Entwicklung des letzten Jahres wurde von den polnischen Verbrauchern jedoch nur bedingt wahrgenommen, wie die im Vergleich zu Deutschland geringe Konjunkturerwartung von +5 Zählern im Jahresdurchschnitt belegt. Die medial geschürte Angst vor den potenziellen Folgen der Finanzkrise beeinflussten die polnischen Verbraucher in ihren Einschätzungen stärker als die sichtbare wirtschaftliche Entwicklung. Dies zeigt auch die Einkommenserwartung mit einem Jahreswert von -1 Zählern. Die Anschaffungsneigung hingegen erreichte einen im europäischen Vergleich sehr positiven Wert von +6 Punkten.

Griechen und Rumänen am stärksten getroffen

Die Verbraucher in Rumänien und Griechenland spürten die Folgen der Finanzkrise und der hohen Verschuldung ihrer Staaten im letzten Jahr sehr deutlich. In Griechenland ging das Bruttoninlandsprodukt um 4,2 Prozent zurück, in Rumänien um 1,9 Prozent. Entsprechend negativ entwickelte sich auch die Konjunkturerwartung der Verbraucher. Mit einem Jahresdurchschnitt von -50 Zählern bildeten die Rumänen hier das traurige Schlusslicht Europas, gefolgt von den Griechen mit -39 Punkten. In beiden Ländern stehen die Regierungen unter starkem internationalem Druck, ihre Staatsdefizite abzubauen, da sie Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds, der europäischen Zentralbank und der EU erhielten. Harte Einschnitte in Sozialleistungen sowie die Anhebung von Steuern und Abgaben sind die Folgen. Die Einkommenserwartung der Verbraucher fiel in Rumänien im Jahr 2010 mit -47 und in Griechenland mit -43 Zählern entsprechend deutlich negativ aus. Auch die Anschaffungsneigung war geprägt von den Zukunftsängsten der Verbraucher. Mit einem Jahresschnitt von -38 Zählern in Griechenland und -33 in Rumänien bildeten die Länder − zusammen mit Portugal, wo der Wert sogar auf -47 Zählern sank − den negativen Schlusspunkt in Europa. 

Vom "Konsum-Muffel" zum "Konsum-Optimisten"

Der europäische Vergleich zeigt deutlich, dass Deutschland derzeit eine Sonderstellung einnimmt. Der Aufschwung beflügelt nicht nur die Unternehmen, auch die Stimmung der Verbraucher hat sich nachhaltig gebessert. Galten die Deutschen früher als Angstsparer und äußerst preissensible Konsumenten, so achten sie heute immer stärker auf Qualität und geben ihr Geld gerne aus. "Die deutschen Verbraucher haben sich verändert. Bereits im Krisenjahr 2009 trotzen sie mit ihrem Konsumverhalten den negativen Schlagzeilen und seit letztem Jahr sind sie sogar die Konsum-Optimisten Europas. Der private Konsum ist mittlerweile eine stabile Säule für einen anhaltenden Aufschwung", so das Fazit von Professor Dr. Klaus L. Wübbenhorst, Vorstandsvorsitzender der GfK Gruppe.

(gfk)


 


 

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