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Quelle-Insovenz

Quelle muss weiter auf dringend nötige Gelder warten

Zwar gibt sich der Stammsitz des Traditionsunternehmens Quelle in Fürth mit seinen wuchtigen Ecktürmen äußerlich fast wie eine Festung, doch bei den Mitarbeitern liegen allmählich die Nerven blank. "Die Gefühlslage ist schlimmer denn je", klagt eine langjährige Angestellte ob des ständigen Hin und Her um die Bewilligung des dringend benötigten Massekredits. Und eine Kollegin ergänzt: "Es ist mir unbegreiflich, was so lange daran dauern soll, den Kredit freizugeben."

Was den Zorn der Mitarbeiter erregt, ist die erneute Verschiebung der Auszahlung des Geldes, die auch am Mittwoch und Donnerstag trotz gegenteiliger Aussagen etwa des bayerischen Finanzministers Georg Fahrenschon (CSU) auf sich warten ließ. Grund: Eine der beteiligten Banken fordert laut einem Bericht des "Handelsblatts" Sicherheiten in bar. Demnach sollten diese bis zum Wochenende vorgelegt werden. Auf einen konkreten Tag, wann Quelle wieder über eigene Mittel verfügt, will sich aber niemand mehr festlegen.

In dem Klinkerbau mit dem schmucken Messingschild "Gustav und Grete Schickedanz KG" ist die Stimmung folglich wie an allen Quelle-Standorten nach Angaben des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Ernst Sindel "mehr als gedrückt". Alle warteten "in unsäglicher Anspannung" auf die Auszahlung des Notkredites, damit endlich die Geschäftsprozesse wieder stabilisiert werden und das Einkaufen und Verkaufen wieder die Hauptarbeit der Angestellten werde. "Jeder Tag, an dem dies nicht ermöglicht wird, ist ein verlorener Tag", bekräftigt er.

Zumal die Treue der Kunden zu bröckeln scheint. Wie Quelle-Sprecher Manfred Gawlas bestätigt, brachen die Bestellungen in den letzten Tagen um 50 Prozent ein. Und viele, die eventuell bestellen wollen, haben den neuen Herbst/Winter-Katalog noch gar nicht, weil aufgrund der noch nicht bezahlten Rechnungen die Druckereien Produktion und Auslieferung gestoppt haben.

Dennoch gibt sich Gawlas optimistisch: "Wir liegen zwar beim Umsatz deutlich unter dem Vorjahr, aber ich habe befürchtet, es wird noch viel schlimmer." Er sehe durchaus Chancen, "eine richtig gute" Herbst/Winter-Saison zu bekommen. Zunächst müsse aber das Geschäft stabilisiert werden.

Dass an Personalabbau kein Weg vorbei führen wird, um Quelle langfristig zukunftsfähig zu machen, ist auch dem Firmensprecher klar. "Kein Unternehmen kommt aus der Insolvenz, wie es reingegangen ist", sagt er. Konkrete Schätzungen sind weder ihm noch dem vorläufigen Insolvenzverwalter zu entlocken. Dazu sei es noch zu früh, konkrete Eckpunkte werde es Ende Juli geben.

Der Umbau, vor dem Quelle steht, macht sich rund um das Verwaltungsgebäude schon jetzt bemerkbar, dort sind Straßen aufgerissen und Gehwege werden neu gepflastert. Dabei hat das Versandhaus nach Einschätzung von Gawlas einen Teil der Umstrukturierung schon hinter sich. So sei 2006 der Service-Bereich
neu organisiert worden, was mit dem Abbau von 4500 Stellen einherging. Gleichzeitig habe man mit Erfolg den Bereich Internet-Handel und E-Commerce ausgebaut. "Wir sind in dem Punkt ganz klar die Nummer Eins bei deutschen Traditionsunternehmen", bekräftigt der Sprecher.

Bei all dem Warten auf den ersehnten Massekredit gibt es immerhin eine positive Nachricht für die Mitarbeiter. Nach Angaben von Thomas Schulz, Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters der Arcandor-Töchter Karstadt und Quelle, ist es "mit einem Kraftakt" gelungen, allen 37 000 Mitarbeitern des Konzerns bereits am
vergangenen Montag das Insolvenzausfallgeld zu überweisen. Dies gelte aber nicht für freie Mitarbeiter wie Grafiker und Fotografen, die das Versandhaus speziell für die Katalogproduktion beschäftigt. "Wenn sie in den letzten drei Wochen Leistungen erbracht haben, gehören sie zu denjenigen, für die es jetzt unerträglich wird", kommentiert Schulz.

(Redaktion)


 


 

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