10.05.2011  11:35 Uhr

Innovationsmanagement im Tourismus
Gibt es individuelle Pauschalreisen mit Lifestyle-Qualität?

München. Das Innovationsmanagement spielt auch im Bereich der Reiseveranstalter eine große Rolle. Hierbei geht es vor allem um Dienstleistungsinnovationen. Diese jedoch sind derart vielfältig, so dass sie sich genau genommen in Management-, Logistik-, Prozess- Produkt- und institutionelle Innovationen unterscheiden lassen müssen.

Es kann festgehalten werden, dass die Innovationstätigkeit bzw. die strukturellen Voraussetzungen für Innovationen je nach Größe des Reiseveranstalters sehr unterschiedlich sein können.

Die großen Reiseveranstalter verfügen aufgrund größerer Ressourcen prinzipiell über gute Voraussetzungen für effizientes Innovationsmanagement. Doch wie sieht es in der Praxis aus?

Lassen sich die theoretischen Überlegungen mit Hilfe von Praxisbeispielen belegen? Der Branchenprimus TUI zeigt momentan ein hohes Innovationstempo und ist gleich in mehreren Bereichen unterwegs. Im Rahmen der neuen 5-Jahres Strategie überarbeitet die TUI die eigene Organisationsstruktur und konzentriert die internen Ressourcen auf zwei große Bereiche. So soll im Rahmen eines Geschäftsmodells, der Markt für standardisierte Pauschalreisen, die vor allem preisgetrieben vermarktet werden, bedient werden. Auf der anderen Seite wird in einem separaten Geschäftsmodell, die wachsende Kundengruppe bedient, die auf Individualität und Lifestyle setzt.

Entwicklung zunehmend zielgruppenspezifischer Hotels

Doch nicht nur in der Organisationsform, sondern auch bei den Produkten lässt sich ein hohes Innovationstätigkeit identifizieren. So hat die TUI bekannt gegeben, dass die eigenen Hotelprodukte weiter ausgebaut werden sollen und die Kapazität von zurzeit 41 zielgruppenspezifischen Hotels auf 136 erhöht werden soll. Diese Produkte zu denen u.a. die Konzepte Sensimar, Puravida und TUI Best Family gehören, entsprechen in besonderer Weise den modernen Kundenbedürfnissen. Die höheren Margen im Vergleich zu herkömmlichen Hotelprodukten sind dabei für die TUI von besonderer Bedeutung im hart umkämpften Reisemarkt.

Christian Borowski ist Unternehmensberater bei 4-advice | Change & Innovation Consulting in Bonn., Copyright: Christian Borowski
Christian Borowski ist Unterneh­mens­berater bei 4-advice | Change & Innovation Consulting in Bonn.

Auch die zwei anderen großen Player im Reiseveranstaltergeschäft, Thomas Cook und Rewe Touristik, versuchen das Innovationstempo hoch zu halten, um im Kampf um Marktanteile bestehen zu können. So bietet Thomas Cook mittlerweile 6 so genannte Konzeptprodukte, um gezielt die individuellen Bedürfnisse der Gäste befriedigen zu können. Außerdem bietet Thomas Cook diverse zubuchbare Extraleistungen. So kann ein privater Chauffeur, oder auch ein privater Reiseleiter hinzugebucht werden. Man darf gespannt sein, welche Ideen die großen Reiseveranstalter in Zukunft realisieren werden und wie der Markt diese annehmen wird.

„Chillen“ hat für jeden einen eigenen Charakter

Laut aktuellen theoretischen Überlegungen stehen die mittelgroßen Reiseveranstalter, aufgrund von strukturellen Gegebenheiten, als mögliche Verlierer im Rennen um die profitabelsten Innovationen dar. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Können diese Reiseveranstalter tatsächlich im Bereich Innovationen deutlich weniger bieten? Eine interessante Vorgehensweise lässt sich bei den beiden Veranstaltern Schauinsland Reisen und RUF Jugendreisen beobachten. Diese haben auf der ITB 2011 eine Kooperation öffentlich gemacht. Bei der Buchung einer Mallorca Reise aus dem Schauinsland Angebot können mitreisende Jugendliche ihren Urlaub in einem RUF Jugendreisen Hotel verbringen. Die Anreise findet noch gemeinsam statt, danach aber trennen sich dann die Wege. Die Eltern sind zwar in der Nähe, doch können trotzdem Eltern und jugendliche Kinder ihren ganz individuellen Urlaub vor Ort genießen.

Dieses Beispiel zeigt sicher sehr gut, dass trotz aller theoretischen Überlegungen auch mittelgroße Reiseveranstalter in der Lage sind, interessante Innovationen zu realisieren. Man darf gespannt sein, ob diese Kooperation sich letztlich als Erfolg beweist und welche Innovationen in Zukunft mit Hilfe von Kooperationen zustande kommen.

Die 4-advice | Change & Innovation Consulting in Bonn hat sich unter anderem spezialisiert auf Change Management und Innovation Management.


 

(Christian Borowski)

  • Tags:
  • Innovationen
  • Management
  • Reisenveranstalter
  • REWE
  • Thomas Cook
  • Kooperation
  • Hotelprodukte
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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Barbara Eckholdt / pixelio.de
Bild Nr. 2 © Christian Borowski



 


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1 Kommentar »

11.05.11 09:00 Uhr
Alexandra Romeo
Die Nische hat Zukunft
Vielen Dank für den Artikel, was sich mittlerweile im Tourismus diesbezüglich tut. Die Reiseveranstalter machen es vor, jetzt sind die Fremdenverkehrsämter und die Individual-Hotels an der Reihe. Die Ketten-Hotellerie tut sich mit der Festlegung auf bestimmte Nischen noch etwas schwerer. Umgekehrt liegen hier die besten Chancen für die familiengeführte Hotels beim "Kampf" um den Gast! In meinen Workshops stelle ich jedoch immer wieder fest, daß der "Leidensdruck" enorm hoch sein muß, damit die Betroffenen bereit sind, etwas zu ändern.
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