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Unterwasser-Technologie

Forschen, Retten und Bergen übernimmt jetzt ein neuartiger Roboter

Begleitet von Tauchern wird der knallgelbe Roboter vorsichtig im grün schimmernden Bodensee zu Wasser gelassen. Auf einem Begleitboot daneben steht ein Wasserschutzpolizist mit einer Fernsteuerung und lässt das Gerät langsam abtauchen. Mit seiner Hilfe wird ein ganzer Landstrich neu erkundet.

Auf dem Grund des Sees, wo aufgewirbelter Schlamm immer wieder die Sicht behindert, werden dank des neuartigen Geräts plötzlich Granaten sichtbar. Vorsichtig nähert sich das Unterwasserfahrzeug, fährt den Greifarm aus und befördert den geborgenen Sprengsatz sicher zum Begleitboot. Auch wenn der erste Einsatz des Roboters am Dienstag nur simuliert ist, sind die Verantwortlichen begeistert.

Gerade einmal so groß wie zwei Bierkisten ist der 370 000 Euro teure und mit acht Motoren und Hochleistungskameras ausgestattete Unterwasserroboter mit dem Namen ROV (Remotely Operating Vehicle). Er soll sowohl bei der Kampfmittelbeseitigung am Bodensee als auch bei der Bergung von verunglückten Schwimmern und Tauchern helfen. Aber auch für Forschungseinsätze ist der Roboter geeignet.

Tausende von Sprenggranaten Im Bodensee vermutet

Tausende von Sprenggranaten werden auf dem Grund des Bodensees
vermutet, zum Teil in über 200 Meter Tiefe. «In der Tiefe lassen wir
sie liegen, da tun sie niemandem weh», erklärt der Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl. «Aber dort, wo Taucher hinkommen, wo Schwimmer hinkommen, da gibt es nur eins: absolute Sicherheit für Menschen, die sich hier am See erholen.» Deshalb müssen die Granaten und Bomben aus den beiden Weltkriegen geborgen werden. In heißen Sommern, wie in diesem Jahr oder auch 2003, ist der Wasserstand des Sees sehr niedrig, so dass immer noch größere Strecken des Uferbereichs abgesucht werden müssen. Zukünftig kann das ROV diesen Job erledigen, ohne dass dabei das Leben von Tauchern gefährdet wird.

Wo Menschen keinen Zutritt mehr haben

Anders als die Taucher, die nur 40 Meter tief kommen, kann der Roboter viel weiter abtauchen. Dadurch sei das Gerät für die Wasserschutzpolizei eine immense Hilfe, betont der Friedrichshafener Polizeichef Karl-Heinz Wolfsturm, in dessen Zuständigkeitsbereich auch die Wasserschutzpolizei Überlingen liegt, bei der der Roboter stationiert ist. «Wir gefährden die Polizeitaucher bei weitem nicht mehr so im Falle von Kampfmittelbergungen», erklärt er. Auch verunglückte Taucher könnten mittels des Greifarmes am ROV geborgen werden.

Bayerisch-Baden-Württembergische Nachbarschaftshilfe

Auch wenn der Spezialroboter von baden-württembergischen Behörden
finanziert wurde und nur ein kleiner Teil des Bodensees um die Insel
Lindau herum bayerisch ist, kommt das neue Gerät auch den Beamten im Freistaat zugute: Selbstverständlich stelle man den Spezialroboter
auch den «Kollegen in Bayern gerne zur Verfügung», sagt Regierungspräsident Schmalzl.

Giftanschläge besser nachvollziehen

Auch im Fall von Giftanschlägen auf die Trinkwasserversorgung
erhoffen sich die Polizisten von ROV schnellere Erkenntnisse. In den
vergangenen Jahren kippte ein Unbekannter mehrfach Pflanzenschutzmittel in der Nähe der Wasserentnahmestelle Sipplingen, die unter anderem den Großraum Stuttgart mit Wasser versorgt, in den Bodensee. Bis heute ist die Person, die die Giftanschläge verübt hat, nicht gefunden. Das passiere zum Glück äußerst selten, sagt Polizeichef Wolfsturm. Aber mit dem Einsatz des Roboters hätte sich die Polizei über die moderne Videokamera «schnell ein Bild über die Lage unter Wasser verschaffen» und auch die Bergung vornehmen können.

Unterwasserkrater und Riesenschwärme Schwebgarnelen

Auch Herbert Loeffler, der stellvertretende Leiter des Seenforschungsinstituts Langenargen, ist begeistert von dem Roboter. Sein Institut kann ihn ebenfalls nutzen, wenn keine Bergungen und keine Kampfmittelbeseitigung anliegen. «Der Bodensee birgt so viele
Geheimnisse, da reichen mehrere Menschenleben nicht aus, um all diese Geheimnisse zu entschlüsseln», schwärmt er vom größten Binnensee der Republik. Er erzählt von unterirdischen Rinnen am Seegrund, ein paar Hundert Meter entfernt dann wieder ein kleiner Krater neben dem anderen. Diese Seebodenstrukturen seien längst nicht hinreichend erforscht, ebenso die beeindruckenden Riesenschwärme einer Schweb-Garnele.

(ddp-bay, Klaus Wittmann)


 


 

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