16.11.2009  08:31 Uhr

Wochenrückblick 46. Woche 09 in München
Peters Querblick

München. Nachrichten aus München verpasst? In Peters Querblick fassen wir für Sie noch einmal die wichtigsten Themen und Ereignisse der letzten Woche zusammen.

„Kein Schwein lässt sich gegen Schweinegrippe impfen“, so lautete die ernüchternde Erkenntnis einer Boulevardzeitung, als der angeblich sehnlichst erwartete Impfstoff gegen die befürchtete Pandemie endlich offiziell ausgeliefert worden war. Selbst die generelle Impfempfehlung der Robert-Koch-Instituts änderte zunächst daran nichts. Die Menschen brauchten dann noch eine weitere Woche sowie einige Sensationsberichte über Todesopfer, die die Schweinegrippe gefordert hat, bis der Run auf die Arztpraxen einsetzte. Spätestens bei der telefonischen Anfrage nach einem Impftermin kam allerdings die große Ernüchterung: Die angeblich vom Gesundheitsministerium georderten 50 Millionen Dosen Serum gibt es noch gar nicht. Hersteller Glaxo-Smith-Kline liefert Pandemerix nach und nach in kleinen Mengen über die nächsten Monate aus, bis etwa Ende März 2010, so schätzt man, auch der letzte Landarzt ein paar Ampullen für seine Patienten bekommt. Hoffentlich hält die Grippewelle überhaupt so lange an...

Was macht der impfwillige Oberbayer, der trotz dieser offensichtlich unerwarteten Logistikprobleme nicht Opfer des hinterlistigen Virus werden möchte? Er richtet den Blick nach Süden! Wenn kein Stau am Brunntaldreieck oder Irschenberg ist, braucht man weniger als eine Stunde von München nach Salzburg oder Kufstein. Dort gibt es schließlich auch Ärzte, in deren Praxen das Schweinegrippe-Serum angeblich sofort verfügbar ist. Und außerdem ist dort Celvapan in der Spritze – jener „bessere“ Impfstoff, der hierzulande nur Regierungsmitgliedern, Beamten und Soldaten vorbehalten ist. Kein Wunder, dass sich mittlerweile ein regelrechter Impftourismus in die Alpenrepublik entwickelt hat. Ähnliches kennt man ja schon von bayerischen Autofahrern, die in Österreich Ökosteuerfreies Benzin tanken oder deutschen Studenten, die in der Alpenrepublik studieren, ohne Studiengebühren zu zahlen. Ja, hier zeigt es sich wieder einmal: Österreich ist einfach die bessere Bundesrepublik!

Um auf das Stichwort „Studenten“ zurückzukommen: In München haben streikende Studenten das Audimax der LMU besetzt. Unter anderem fordern die jungen Leute „SOS“, d. h. „Studieren ohne Studiengebühren“. Noch wichtiger ist ihnen allerdings mit ihrem Streik zu manifestieren, dass die vor erst von wenigen Jahren von EU-Politikern am Grünen Tisch in Bologna beschlossenen Reformen dringend reformbedürftig sind. Die Studenten befürchten, dass ihre Bachelor- und Master-Abschlüsse bei zukünftigen Arbeitgebern nicht so recht akzeptiert werden, weil sie im Vergleich zum traditionellen Diplom offensichtlich schlechter abschneiden. Möglicherweise können die Studenten sich Hoffnungen darauf machen, dass ihre Forderungen Gehör finden.

Die Politik ist ja gerade dabei, jüngst durchgeführte Reformen zu reformieren, z. B. die Rente mit 67. Nur die im Koalitionsvertrag von der FDP festgeschriebene große Steuerreform wird wohl nicht so schnell reformiert werden müssen. Folgt man den aktuellen Diskussionen, kommen immer mehr Zweifel auf, ob sie überhaupt durchgeführt wird.

Diskussionen gibt’s auch beim Rekordmeister FC Bayern München, und zwar heftige. Als Außenstehender hat man inzwischen den Eindruck, Spieler, Trainer und Vereinsmanager konzentrieren mittlerweile ihre gesamte Energie darauf, sich gegenseitig fertig zu machen, anstatt diese zu nutzen, um gegnerische Mannschaften zu besiegen. Jedenfalls bezeichnet die Presse die Vereinszentrale der Bayern inzwischen als „Tollhaus“. Dass Luca Toni ein paar zehntausend Euro Strafe zahlen muss, weil er nach der Auswechslung noch während des Spiels einfach nach Hause gefahren ist, kann man noch irgendwie nachvollziehen. Trifft ja auch keinen Armen. Aber dass Philipp Lahm, der in der Süddeutschen Zeitung durchaus berechtigte Kritik geäußert hatte, vom Vorstand „Tabu-Bruch“ vorgeworfen wurde, lässt vermuten, dass man in der Säbener Straße versucht, die wirklichen Probleme zu verschleiern, anstatt sie zu lösen. Jedenfalls gibt es bis jetzt keinerlei positive Anzeichen dafür, dass der Verein den derzeitigen Abwärtstrend aufhalten kann. Mal sehen, wie tief der Fall noch geht...


 

(Peter von Bechen)

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