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Siemens-Tochter

Bei Osram "die Flughöhe hoch halten"

Ein Vierteljahr vor dem Börsengang von Osram haben sich die von Siemens zusammengezwungenen Chefs in ihr Schicksal gefügt. "Es ist spannend und aufregend", sagt der bisherige Siemens-Vorstand Wolfgang Dehen, der im April an die Spitze der Lampentochter abkommandiert und dem langjährigen Chef Martin Goetzeler vor die Nase gesetzt wurde.

"Vielleicht ein bisschen überraschend" sei es schon gewesen, als Siemens-Chef Peter Löscher ihn gefragt habe, ob er sich eine neue Aufgabe vorstellen könne. Nach 28 Jahren bei Autozulieferern und gerade mal drei Jahren als Chef der Siemens-Energiesparte mit 26 Milliarden Euro Umsatz und 88.000 Mitarbeitern soll der 57-Jährige jetzt die verstoßene Tochter Osram mit 4,7 Milliarden Euro Umsatz und 40.000 Mitarbeitern in eine lichte Zukunft führen. Größe sei für ihn heute nicht mehr ausschlaggebend, sondern Gestaltungsraum, sagt er. Er wolle "ein ganz erfolgreiches Unternehmen noch erfolgreicher machen".

Der zum Geschäftsführer für das Tagesgeschäft degradierte bisherige Osram-Chef Goetzeler räumt ein, es sei für ihn "keine leichte Entscheidung gewesen" zu bleiben. Jetzt kümmert er sich um Geschäftsbereiche und die Kunden, während Dehen den Börsengang im Herbst und die große Linie im Blick hat.

Konzernchef in der Rolle des Lehrlings

Als sie am Donnerstag zum ersten Mal gemeinsam vor die Presse treten, lobt Dehen "die profunde Kenntnis von Herrn Goetzeler" und überlässt ihm die Beantwortung vieler Fachfragen. Das wolle er sich nicht anmaßen: "Ich will die Flughöhe hoch halten", erklärt Dehen und räumt ein, er fühle sich "abends oft ein bisschen überladen mit Informationen". Seit seinem Amtsantritt im April habe er eine Unmenge Neues zu lernen: "Die Tage sind lang, die Nächte sind kurz."

Mit Dehen ist auch Klaus Patzak von Siemens als neuer Finanzchef zu Osram versetzt worden. Der 49-jährige Goetzeler, der Osram seit 2005 erfolgreich geleitet hat, sagt: "Die Entscheidungsgeschwindigkeit ist heute wesentlich schneller als vor acht Wochen."

Sorge um den Arbeitsplatz

Auch bei den Mitarbeitern - allein in Deutschland sind es 9.000 - herrscht Unruhe. "Selbstverständlich gibt es Befürchtungen, was geschieht mit meinem Arbeitsplatz", sagt Dehen. Aber Osram sei hervorragend aufgestellt, als weltweit einzige globale Lichtmarke, mit 42 Werken in 16 Ländern. Rund 35 Prozent des Umsatzes werden in Europa, 30 Prozent in Nordamerika und 25 Prozent in Asien erwirtschaftet.

Rund 20 Prozent bringen Leuchtdioden (LED), weitere 70 Prozent Energiesparlampen und andere "grüne, energieeffiziente Produkte". Die Zukunft gehört den auf Halbleitern aufgebauten LEDs und den transparenten Lichtfolien, den OLEDs. Der Großteil der Investitionen geht in die LED-Fabriken in Malaysia, aber auch nach Regensburg, wie Goetzeler sagt.

Ziel DAX

Im Moment sind Philips, Osram und General Electric noch die Marktführer, aber Halbleiterkonzerne und neue Konkurrenten aus Asien drängen mit Macht ins Lichtgeschäft. "Es wird eine neue Marktstruktur geben", sagt Dehen. Weil LED-Leuchten 20 Mal länger halten als Glühlampen, muss Osram vom Lampenverkäufer zum Anbieter von "maßgeschneiderten Lichtmanagement-Systemen" werden, Städten und Wirtschaftskunden Paketlösungen aus einer Hand anbieten und am Service verdienen.

Zugleich wächst der globale Lichtmarkt rasch. Selbstständig könne Osram schneller und flexibler handeln. "Wir haben ein tolles Team", sagt Dehen und steckt ein hohes Ziel: "Früher oder später in den DAX zu kommen."

(dapd/ Roland Losch)


 


 

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