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Zahlenreihen im Kopf

Simon Reinhard aus München zählt zu den besten Gedächtnissportlern der Welt

Wenn Simon Reinhard asiatisch essen möchte, fällt ihm eine traurige Yogalehrerin ein. Der 32-jährige Münchner ist Gedächtnissportler. Er kann sich 240 Ziffern in 240 Sekunden merken oder die Reihenfolge eines gemischten 52-teiligen Kartenspiels in knapp 22 Sekunden.

Zahlenreihen merkt er sich, indem er sie in Wörter und Geschichten übersetzt. So kommt es zur traurigen Yogalehrerin, die bei ihm für die Telefonnummer eines asiatischen Lieferdienstes steht.

Mit Talent, Fleiß und Kreativität hat es Reinhard, der mit seinem durchtrainierten Äußeren nicht dem Klischee eines Nerds entspricht, auf den vierten Platz der Gedächtnissportler-Weltrangliste geschafft. Er ist Deutscher Meister, dreifacher Süddeutscher Meister und gewann in der Gesamtwertung der Weltmeisterschaft zweimal Bronze. Für die nächsten Meisterschaften im Juli in England, im September in Deutschland und im Dezember China übt er bereits.

100.000 Dollar Preisgeld

Deutschlandweit trainierten mehr als 100 Gedächtnissportler für Meisterschaften, sagt Gunther Karsten, Trainer und Mitbegründer des deutschen Gedächtnissport-Vereins "MemoryXL". Weil der Sport zunehmend populärer werde, engagierten sich mehr Menschen darin. Dennoch stagniere die Zahl "der ganz Aktiven auf Weltklasseniveau". Knapp zehn deutsche Gedächtnissportler sind zur Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr nach China gereist, bei der es ein Preisgeld von 100.000 Dollar zu gewinnen gab.

Generell betreiben mehr Männer als Frauen Gedächtnissport, wie Karsten sagt. Das liege vermutlich am starken Ehrgeiz, der nötig sei, um gut zu werden. "Dabei werden Frauen schneller besser als Männer, wenn sie trainieren." Sie hätten ein Faible für Fantasie, Kreativität und Vorstellungsvermögen.

Simon Reinhard engagiert sich seit mehr als sechs Jahren im Gedächtnissport. Weil er effizienter für das erste juristische Staatsexamen lernen wollte, suchte er im Internet nach Gedächtnistrainingsspielen und fand sein neues Hobby.

Aus Zahlen werden Buchstaben und Wörter

Für den Münchner sind Zahlen ohnehin nicht einfach nur mathematische Objekte, die Mengen darstellen, sondern Buchstaben. Die 3 sei ein M, denn wenn man die Zahl umkippe, dann ähnele sie dem Buchstaben, sagt Reinhard. Die 5 sei ein "S" und die 7 ein "L". Wenn er sich also die Zahl 57 merken muss, denkt er an die Buchstabenkombination "SL", unter der sich der Gedächtnissportler das Wort Salz abgespeichert hat. "Das ist so, als ob man eine Sprache lernt", sagt Reinhard.

Als Anwalt, als der er sein Geld verdient, kann Reinhard seine Fähigkeiten gut gebrauchen. Wenn er sich neue Rechtsprechungen merken muss, reduziert er sie auf drei bis vier Hauptaussagen und speichert sie als fiktive Erinnerung an bestimmten Orten ab, das kann eine Küche oder ein Wohnzimmer sein, aber auch der Friedensengel in München. Um sich zu erinnern, besucht er in Gedanken die Orte. Einen völligen Blackout hatte Reinhard so noch nie. Das sei durch die Bilder komplett ausgeschlossen.

Es sei schwer zu beurteilen, warum manche Gedächtnissportler besser seien als andere, sagt Reinhard. Doch sicher spiele es eine Rolle, wie oft sie trainierten und wie kreativ sie sich etwas einprägten. Bestes Beispiel dafür ist die Nummer des asiatischen Lieferdienstes: 9544 heißt für Reinhard Yoga und 9933 bedeutet Kummer. Meistens speichert aber auch er Telefonnummern einfach in sein Handy.

(dapd-bay)


 


 

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