Sie sind hier: Startseite München Lokale Wirtschaft
Weitere Artikel
Grau-Grüne Märkte

Solar-Millennium-Pleite zeigt Tücken von Anlagen mit gutem Gewissen

Es ist die größte Pleite für Privatanleger seit zwei Jahren: 16.000 Menschen haben dem Sonnenkraftwerkshersteller Solar Millennium Geld für den Traum von der sauberen Energie geliehen. Sie teilen sich nun Forderungen in Höhe von knapp 227 Millionen Euro, wie der vorläufige Insolvenzverwalter Volker Böhm am Donnerstag mitteilte.

Das Meiste dürfte nach Ansicht von Verbraucherschützern futsch sein, denn die Firma habe die Regulierungslücken des sogenannten Grauen Markts genutzt. Dort werben Firmen, die von Banken und Investoren kein Geld bekommen oder nur zu schlechteren Bedingungen bekämen, um die Gunst von Privatinvestoren. Immer häufiger wird dabei an zwei in Deutschland geschätzte Tugenden appelliert: Ingenieurskunst und Umweltschutz. Deshalb wird dieses Segmente immer häufiger auch als "Grau-Grüner Markt" bezeichnet.

Struktur komplex bis kompliziert

Nach einem Blick in die Bücher der Erlanger Firma stellte der Insolvenzverwalter zunächst fest, wie kompliziert die Struktur von Solar Millennium ist. "Solar Millennium unterhält insgesamt rund 60 Projektgesellschaften und Beteiligungen an Unternehmen in zahlreichen Ländern weltweit, vor allem in Deutschland, den USA und Spanien, aber auch in Ländern wie Israel, Marokko, Türkei und Ägypten", sagte Böhm. Das sei eine "besondere Herausforderung", weil die zugrunde liegenden Verträge überwiegend nach jeweils nationalem Recht geschlossen worden seien.

Solarkraftwerk in der Mojave-Wüste in den USA geplant

Viele Projekte seien vor der Zahlungsunfähigkeit noch in einer frühen Phase gewesen, was ihren Wert schmälert. Das Unternehmen hatte kurz vor Weihnachten Insolvenz beantragt. Die Träume von Solar Millennium waren groß: Die Erlanger Firma wollte das weltgrößte Sonnenkraftwerk in der Mojave-Wüste in den USA bauen. Sonnenkraft sollte schon heute so viel Energie produzieren wie die Atomspaltung. Im Juni wurde der Startschuss gegeben, doch dann ging das Geld aus, und Solar Millennium als Zentrum des Firmengeflechts ging pleite.

Insolvenzverwalter Böhm ist jedoch mit einer anderen deutschen Solarfirma, Solarhybrid, in Verhandlungen. Beide Firmen hatten schon vor der Pleite über den Verkauf von Solarparks im Südwesten der USA verhandelt.

Solarhybrid aus dem nordrhein-westfälischen Brilon hatte Solar Millennium kurz vor der Pleite rund 7,6 Millionen Euro geliehen. Das Geld war als Darlehen gedacht, das auch als Vorschuss für das zum Verkauf stehenden US-Geschäft hätte gelten können. Solarhybrid hatte auf dapd-Anfrage bestätigt, weiter Interesse an dem Projekt in den USA zu haben.

(dapd-bay)


 


 

Pleite
Investitionene
Anleger
Umweltschutz
Solar Millennium
Geld
Solarhybrid
Insolvenzverwalter

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Insolvenz" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: