18.05.2011  12:58 Uhr

Versicherungen
Change Management im Lichte von Solvency II

München. Das voraussichtlich 2013 in Kraft tretende EU-Regelwerk „Solvency II“ wird die Rahmenbedingungen der Versicherungswirtschaft entscheidend verändern. Auch wenn die Ausführungsbestimmungen derzeit noch diskutiert werden, müssen die betroffenen IT-Systeme in relativ kurzer Zeit auf die neuen komplexen Berechnungsverfahren sowie der umfangreichen Berichtsanforderungen seitens der Finanzaufsicht vorbereitet werden.

„Es ist besser Deiche zu bauen, als darauf zu hoffen, dass die Flut allmählich Vernunft annimmt“ (Hans Kasper). Assekuranzen haben es sich zur Aufgabe gemacht, Risiken zu übernehmen und abzusichern. Der 3-Säulen-Ansatz von Solvency II – analog zu Basel II für Banken – gibt Richtlinien für die Mindestkapitalanforderungen vor, verlangt von den Assekuranzen ein generelles Risikomanagementsystem und regelt die Berichtsanforderungen der Aufseher.

Ziel von Solvency II ist es, die Risiken im Versicherungsgeschäft möglichst minuziös abzubilden, um einer angemessenen Insolvenz-Prävention Rechnung zu tragen sowie dem Kunden die größtmögliche Sicherheit hinsichtlich seiner zugesicherten Versicherungsleistung zu gewähren.

Die Rahmenbedingungen von Solvency II bringen erhöhte Anforderungen an die IT der Assekuranzen mit sich und setzen deren Reporting- und Datenhaltungssysteme unter gewaltigen Veränderungsdruck. Für Analysezwecke und zur Modellierung von Schäden und Prämien sind zukünftig vielfältigere Daten notwendig, deren systemseitige Umsetzung eine der größten Problemstellungen darstellt. Aktuell zeigt die Systemlandschaft von vielen Versicherungsunternehmen eher ein heterogenes Bild. Unterschiedliche IT-Systeme und Datenbanken bilden verschiedene Sparten und Versicherungsprodukte ab.

Bereits heute schon Strategien und Ansätze entwickeln

Auch wenn die Ausführungsbestimmungen noch Gegenstand aktueller Diskussionen sind und der abschließende gesetzliche Rahmen noch nicht verabschiedet wurde, müssen die betroffenen IT-Systeme in relativ kurzer Zeit auf die neuen komplexen Berechnungsverfahren sowie der umfangreichen Berichtsanforderungen seitens der Finanzaufsicht vorbereitet werden. Folgerichtig müssen die Versicherer bereits heute Strategien und Ansätze entwickeln, wie sich stückweise ein Solvency-II-konformes Berichtswesen aufbauen lässt, da die derzeitigen Methoden nicht den zukünftigen Ansprüchen entsprechen.

Viele Versicherer an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit

Sven Stachon ist Unternehmensberater bei 4-advice | Change & Innovation Consulting in Bonn., Copyright: Sven Stachon
Sven Stachon ist Unterneh­mens­berater bei 4-advice | Change & Innovation Consulting in Bonn.

Durch fünf quantitative Auswirkungsstudien wurden die Bedingungen für Solvency II von der EU-Kommission immer weiter geschärft. Jedoch stiegen mit jeder Feldstudie die Forderungen der Aufseher und das gesamte Regelwerk ist insgesamt nicht mehr in sich stimmig, respektive einige Regeln überfordern gar die Assekuranzen und treiben sie an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Zum Beispiel wird die Unfallversicherung der Krankenversicherung zugerechnet. Demzufolge müsste ein reiner Unfallversicherer mit Anforderungen aus einem völlig anderen Bereich zurechtkommen. Schon ein gewöhnlicher Sachversicherer müsste die volle Bandbreite aller Systeme abbilden. Für ein kleines Unternehmen sind die Anforderungen unverhältnismäßig überspannt. Besser wäre es, wenn die individuelle Leistungsfähigkeit und die spezifischen Risiken eines Versicherers ausschlaggebend wären. In der Versicherungsbranche gilt Solvency II daher als nicht sehr praxisorientiert.

Akzeptanz der Mitarbeiter ist eine der größten Herausforderungen

Regulatorische Änderungen – wie Solvency II – gehen immer mit Change Management-Prozessen in den betreffenden Unternehmen einher. In einem solch umfassenden Veränderungsprojekt steht auch immer der Mensch im Mittelpunkt. Im Lichte der Komplexität von Solvency II sehen sich die Versicherer nun der riesigen Herausforderung gegenüber, bei ihrer Belegschaft Akzeptanz zu schaffen. Denn ohne Akzeptanz und Unterstützung durch die Mitarbeiter wird Solvency II scheitern, nicht andauern, oder zumindest seinen vollen Nutzen nicht entfalten können.
Es bleibt festzuhalten, neben den Bedingungen die mit Solvency II an die IT geknüpft sind, liegen in der Kommunikation und der Bewusstseinsschaffung innerhalb des Personals die größten Herausforderungen für die Assekuranzen.

Die 4-advice | Change & Innovation Consulting in Bonn hat sich unter anderem spezialisiert auf Change Management und Innovation Management.


 

(Andreas Szinovatz/Sven Stachon)

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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Benjamin Klack / pixelio.de
Bild Nr. 2 © Sven Stachon



 


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