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  • 11.04.2013, 08:33 Uhr
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Soziale Netze

SchülerVZ kommt nicht gegen Facebook an und schließt Ende April

SchülerVZ steht vor dem Aus. Zum Monatsende wird das soziale Netzwerk abgeschaltet. Für die Nutzer ist das nicht gleich ersichtlich, denn die Ankündigung ist auf der Webseite im Hilfe-Bereich versteckt.

Und damit unterscheidet sich diese Nachricht schon im ersten Punkt von den unübersehbaren Kettenbriefen, die das Ende schon von Beginn an ankündigten – es sei denn, man leite die Nachricht an alle „Freunde“ weiter. Der zweite Unterschied ist: Die Ankündigung ist wahr. Gut sechs Monate nachdem die Investmentgesellschaft Vert Capital die Plattform übernommen hat, ist Schluss.

Zur Historie

Als Teil der 2005 in einer WG gegründeten Firma StudiVZ wird die Plattform SchülerVZ 2007 eröffnet. Zu Beginn geht es steil aufwärts. 2006 investiert der Holtzbrinck-Konzern zwei Millionen € in das Unternehmen und übernimmt es im Januar 2007 vollständig. Vom Kaufpreis in Höhe von 85 Millionen € ist die Rede. Nachdem StudiVZ vor allem Studenten anspricht, wird der Ableger für Schüler im Februar 2007 ins Leben gerufen. MeinVZ, das dritte Netzwerk, das sich an alle Nicht-Schüler und -Studenten richtet, gibt es seit 2008. 2011 wird es in FreundeVZ umbenannt. Da entdeckt Facebook den deutschen Markt und die Deutschen Facebook.

Im zweiten Halbjahr 2010 schreiben die drei Netzwerke erstmals schwarze Zahlen. Da hat der Abstieg bereits begonnen. Die Nutzer wandern ab. Facebook hat Ende 2010 knapp 14 Millionen Nutzer in Deutschland, die Holtzbrinck-Plattformen 12 Millionen. Heute sind 25 Millionen Deutsche auf Facebook unterwegs, die VZs werden Ende 2012 nur noch von 1,6 Millionen Menschen besucht. Von dem Ende von SchülerVZ sollen etwa 200.000 Nutzer betroffen sein. Die Betreiber betonen, dass mit der Schließung alle „Inhalte und gespeicherten Daten vollständig und unwiederbringlich gelöscht“ werden. StudiVZ und FreundeVZ bleiben den Nutzern zunächst erhalten.

Abschaltung wird kaum diskutiert

Im Gegensatz zu anderen Netzwerken konnte sich bei SchülerVZ nur anmelden, wer von einem Mitglied eine Einladung bekam. „Ein gesicherter Raum für Schüler im Internet ist eine gute Sache“, sagt Internet-Unternehmer Marco Ripanti. „Es ist tragisch, dass jetzt die sinnvollste Plattform der VZGruppe zuerst geschlossen wird. Da ist auch eine große Chance vertan worden.“ Tobias Arns, Social-Media- Experte beim IT-Branchenverband Bitkom, sieht vor allem ein Manko gegenüber Facebook: „An den VZ-Netzwerken arbeiteten zuletzt einige Dutzend Entwickler, bei Facebook sind es Tausende, die Besten der Besten. Da ist klar, wer das Innovationsrennen gewinnt.“ Ein weiterer Faktor unter vielen, die er nennt, sei die Trennung der Netzwerke. Bei jedem Übergang seien die Nutzer an einem Punkt, an dem sie auch zu einem anderen Anbieter wechseln können.

Wie wenig dem Netzwerk hinterhergetrauert wird, sieht man daran, dass selbst in den SchülerVZ-Gruppen auf Facebook die Abschaltung nicht diskutiert wird.

SchülerVZ und der Datenschutz

Schüler-, Studi- und FreundeVZ sind Social-Media- Plattformen wie Facebook oder „Wer Kennt Wen“ auch. Freunde, Bekannte oder Kollegen können sich darüber online verbinden, unterhalten oder Fotos austauschen. Von anderen Anbietern heben sich die drei Netzwerke vor allem dadurch ab, dass sie ihre Zielgruppen über das Alter definieren. So bleiben die Nutzer unter sich. StudiVZ und FreundeVZ sind verknüpft, SchülerVZ eigenständig. Das soll die Nutzer schützen. Trotzdem machten die Netzwerke im Oktober 2009 Schlagzeilen, als der Verbraucherzentrale über 100.000 Datensätze aus dem SchülerVZ zugespielt wurden. Darunter waren Profildaten, zu denen nur Freunde von Netzwerk-Mitgliedern Zugang hatten. Danach wurde die Sicherheit verbessert. Während die Kritik am Umgang von Facebook mit persönlichen Daten immer lauter wurde, versuchte die VZ-Gruppe mit Datenschutz zu punkten. Das wurde von Verbraucherschützern positiv registriert. Im vergangenen Jahr legten sich jedoch etliche Nutzer Fantasie-Namen zu und spielten mit fiktiven Identitäten.

(Daniel Peters)


 


 

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