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Opernfestspiele

Tausende nackte Münchner erwartet

Ein solches Schauspiel bekommt München nicht alle Tage zu sehen. Doch wenn der US-Starfotograf Spencer Tunick zu einer Fotosession aufruft, ist die Resonanz groß. Zur Eröffnung der Opernfestspiele inszeniert der New Yorker am 23. Juni vier Motive aus Richard Wagners "Ring des Nibelungen" auf den Plätzen rund um die bayerische Staatsoper.

Bisher hätten sich rund 2.600 Freiwillige für das Nackedei-Spektakel gemeldet, sagt der Sprecher der Staatsoper, Christoph Koch.

Lebt vom szenischen und gestischen Körpereinsatz

Was aber hat ein auf nackte Menschenmassen spezialisierter Fotograf mit den Opernfestspielen zu tun? Staatsintendant Nikolaus Bachler sagt, Wagners "Ring des Nibelungen" dominiere die aktuelle Spielzeit der bayerischen Staatsoper. Die Inszenierung von Regisseur Andreas Kriegenburg lebe vom szenischen und gestischen Körpereinsatz der Darsteller. "Daraus ergibt sich eine interessante Entsprechung zu Spencer Tunicks Körperinstallationen", erklärt Bacher. "Deshalb war es nahe liegend, diese beiden Projekte zu den Festspielen gemeinsam zu zeigen."

Tunick hofft auf tausende Teilnehmer

Seit knapp 20 Jahren konzentriert sich der Fotograf auf Massenbilder unbekleideter Menschen. Die Nacktheit vor Industriegebäuden oder urbanen Kulissen zeige die Verletzlichkeit des Lebens, begründet Tunick seine Kunst. "Meine Arbeit kombiniert Performance-Kunst mit Landschaftskunst und Fotografie." Ihn fasziniere der Verlust der Individualität in der Masse, währenddessen sich die Körper in abstrakte Schatten verwandelten, erklärt der 45-Jährige.

Vielleicht auch ein persönlicher neuer Rekord?

"In meiner ganzen Karriere habe ich wahrscheinlich über 100.000 Menschen fotografiert", schätzt Tunick. 18.000 nackte Leute in einem Bild seien sein Rekord. Damals füllte er mit dem Zócalo in Mexiko City einen der größten Stadtplätze der Welt. In München hofft er auf Tausende Freiwillige, die sich für ein gutes Bild entblößen. Denn die Idee der Staatsoper, von Wagner inspirierte Installationen zu entwickeln, habe ihn von Beginn an gefesselt, erzählt Tunick.

Es ist Tunicks erste Installation in der deutschen Öffentlichkeit. Er versichert, einige wundervolle Ideen für die Arbeiten zu haben: "Unter anderem werde ich den Atem des Drachen aus dem 'Ring des Nibelungen' mit Menschenkörpern 'zeichnen'." Der Fotograf wird erstmals Körperfarbe für seine Interpretation nutzen. "Das ist eine wunderbare Gelegenheit für alle Kunstinteressierten, die zu schüchtern sind, um komplett nackt zu posieren", sagt der Künstler.

Stadt hat keine Bedenken

Spencer Tunick polarisiert. Die US-Behörden etwa teilen seine Kunstauffassung nicht: Bereits sieben Mal wurde er in Amerika festgenommen. Damit in München keine Unannehmlichkeiten drohen, ließ die Staatsoper die Aktion von der Stadt genehmigen. Außerdem seien während der Installation keine neugierigen Zaungäste zugelassen, versichern die Verantwortlichen. Stattdessen werde ein Kunstvideo während des Festspielmonats Juli im Münchner Nationaltheater zu sehen sein und die Teilnehmer erhielten limitierte Abzüge der Bilder.

Das Kreisverwaltungsreferat München (KVR) hat keine Bedenken. "Wegen des künstlerischen Rahmens und der Konzeption ist die Aktion nicht als öffentliches Ärgernis zu bewerten", sagt ein KVR-Sprecher. Tunick sei ein etablierter Künstler. Zudem würden die Körper der Teilnehmenden angemalt. Das spreche klar dafür, dass es sich um ein Kunstprojekt handele - auch wenn sich Tausende "nackisch" machten.

Weitere Informationen und Hintergründe gibt es unter www.staatsoper.de/tunick

(dapd-bay)


 


 

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