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Kommunikation 2.0

Experten sehen Twitter als Gefahr für die deutsche Sprache

Über Twitter wird in 140 Zeichen kommuniziert. Soweit allseits bekannt. Dass die Grammatik da hin und wieder zu kurz kommt, ebenfalls. Doch dass diese ausgesprochene Kürze der Aussagen nun auch die Alltagssprache beeinflusst, geht vielen zuweit. Sprachexperten in aller Welt schlagen Alarm. Sie sehen darin eine Gefahr für die gesprochene Sprache.

Hashtags, mit deren Hilfe Twitter-Einträge zugeordnet werden, sind mittlerweile Teil der "Leitkultur" geworden. Die Sortierhilfen werden auch außerhalb ihres natürlichen Habitats verwendet. Selbst die gesprochene Sprache ist vor den Kurzverweisen nicht mehr sicher, wie die Huffington Post berichtet.
 
Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat solche Entwicklungen kürzlich kritisiert. Der Vorsitzende, Hans Zehetmair, sieht gar die deutsche Sprache bedroht, wenn Kinder nicht mehr in ganzen Sätzen kommunizieren.

Wenig nützlich

Durch ein vorangestelltes Rautezeichen werden Wörter im sozialen Netzwerk Twitter zu Hashtags. Diese werden automatisch zu Links, was die Navigation durch die enorme Informationsmenge auf Twitter enorm vereinfacht. Diese Besonderheit funktioniert nur bei Twitter. Trotzdem haben User begonnen, auch auf anderen sozialen Netzwerken Hashtags zu verwenden.

Die Menschen haben sich offenbar so sehr an die Organisation durch die Tags gewöhnt, dass sie die Rauten auch dann verwenden, wenn sie nichts zur Strukturierung von Inhalten beiträgt.

"Ich nutze Hashtags ab und zu außerhalb von Twitter. Sie bieten eine Möglichkeit, meinen Status zusammenzufassen und anderen in einem Wort zu zeigen, wie ich mich fühle", sagt ein US-User.

Einige Blogger sind bereits sehr genervt von der sich unkontrolliert verbreitenden Hashtag-Epidemie. "Außerhalb von Twitter, auf Plattformen wo Hashtags keinen vordergründigen Nutzen haben, sind die Verweise eher eine Konvention für Online-Verständigung als ein nützliches Werkzeug", sagt Dave Coustan. Das ändert nichts an der Popularität.

Dazu die US-Schülerin Emma Kaplan: "Ich verwende sie im Scherz oder sarkastisch. Ich nutze Hashtags wenn ich mich beschwere und ab und streue ich sie auch in meine SMS. Am häufigsten verwende ich momentan 'hashtag: sorrynotsorry'".

Keine ganzen Sätze

Neben den Hashtags beeinflussen auch andere Besonderheiten der Social-Media-Kommunikation die Alltagssprache. Die Wächter der Hochsprache machen sich wegen der allgemeinen Tendenz zur Kürze Sorgen.

"Unsere Zeit ist so schnelllebig geworden. Da müssen Sie sich nur die Twitter-Literatur ansehen, in der es keine ganzen Sätze mehr gibt", so Zehetmair.

Das führt laut dem Sprachexperten zu sinkender Qualität bei akademischen Abschlussarbeiten. Auch die erschreckende Statistik, nach der 20 Prozent der deutschen 15-Jährigen als Analphabeten eingestuft werden müssten, führt Zehetmair teilweise auf den Einfluss des Internets zurück.

Die Kritik am angeblichen Sprachverfall der Jugend gab es allerdings auch schon zu Zeiten von Goethe.

(FN)


 


 

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