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Turbolente HRE-Hauptversammlung?

Staat will mit einer Kapitalerhöhung das marode Münchner Geldinstitut Hypo Real Estate (HRE) übernehmen

Beim maroden Staats- und Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) soll am Dienstag, 02.06.09 (10.00 Uhr) auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in München die Voraussetzung für eine komplette Verstaatlichung geschaffen werden. Dabei muss sich der Bund, dem bislang 47,3 Prozent der Anteile gehören, auf eine turbulente Veranstaltung einstellen.

Denn viele der übrigen Aktionäre wollen sich nicht einfach aus dem Unternehmen drängen lassen. Darunter ist auch der New Yorker Groß aktionär Christopher Flowers,
der zuletzt mehr als 20 Prozent an der HRE hielt. Außerdem hat die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) energischen Widerstand angekündigt.

Der Bund will das Münchner MDAX-Unternehmen über den staatlichen Finanzmarkt-stabilisierungsfonds (SoFFin) mit Hilfe einer Kapitalerhöhung übernehmen. Der Bund und andere Banken haben bereits mehr als 100 Milliarden Euro in die Bank gepumpt, um ihr Zusammenbrechen zu verhindern.

Nun will der Staat auch die komplette Kontrolle haben, damit das Geld nicht wirkungslos verpufft. Eine Insolvenz des Instituts gilt wegen seiner Bedeutung für die gesamte Branche nicht als Alternative. "Systemrelevanz" ist hier das Stichwort - und was passiert, wenn so ein Haus zugrunde geht, hat sich bei der verheerenden Lehman-Pleite gezeigt.

Der Bund hat eine Kapitalerhöhung um 5,6 auf 6,3 Milliarden Euro beantragt. Die neuen Aktien sollen allerdings nur von der SoFFin gezeichnet werden dürfen. Sie könnte damit eine Kapital- und Stimmenmehrheit von 90 Prozent erreichen und die restlichen Aktionäre, die das Kaufangebot des Bundes in Höhe von 1,39 Euro je
Aktie ausgeschlagen haben, per Squeeze Out aus dem Unternehmen drängen.

Obwohl der Bund bislang noch nicht die Mehrheit besitzt, gilt es als sicher, dass er sich bei der Hauptversammlung durchsetzen kann. Selbst bei einer überraschenden Ablehnung des Antrags wäre das nur ein kurzfristiger Sieg der anderen Aktionäre. Dann könnte der Bund sie einfach enteignen. Das entsprechende Gesetz hatte der Bundestag vor kurzem beschlossen.

HRE-Insider erwarten bei der Hauptversammlung dennoch "ein ziemliches Remmidemmi" der Aktionäre. Es wurden zahlreiche Gegenanträge gestellt. Und die Diskussionen dürften sich stundenlang hinziehen. Die HRE hofft dennoch, die Veranstaltung in einem zeitlich überschaubaren Rahmen abhandeln zu können. Bislang ist nur der Dienstag vorgesehen. Im Kongresszentrum auf dem Münchner Messegelände ist aber notfalls auch am Mittwoch noch Platz.

ddp/ume/kos

(ddp)


 


 

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