Sie sind hier: Startseite München Bizz Tipps Buchtipp
Weitere Artikel
Leise Menschen

Wie Intros Teams vorantreiben

Leise Menschen arbeiten gern allein und sind stärker mit inneren Prozessen beschäftigt. Da liegt der Verdacht nahe, dass sie weniger teamfähig sind als ihre extrovertierten Kollegen, die aus Teamarbeit sogar ihre Energie beziehen können. Doch das stimmt nicht.

Ohne Intros würde so manches Projekt scheitern und so manches Team in seiner Leistung drastisch eingeschränkt. Allerdings stimmen zwei andere Aussagen.

Erstens: Intros werden in Teams leicht unterschätzt. Zweitens: Intros verhalten sich in der Teamkommunikation oft anders als Extros.

Die unterschätzten Team-Player

Leise Menschen sind leise – warum sollten sie auch in einem Team anders sein? Dieses Leise-Sein kann auch in einer Gruppe bestens funktionieren, wenn das leise Teammitglied in seinen Leistungen gewürdigt wird. Dies hängt von verschiedenen Faktoren ab: von der Branche, von der Unternehmenskultur, von der Einstellung der Kollegen und Vorgesetzten – und auch von der Intro-Extro-Zusammensetzung des Teams.

Viele Intros werden unterschätzt, obwohl sie mit ihren Stärken oft Dinge vollbringen, die die Teamleistung erheblich steigern. Es liegt also etwas schief – die Extros nehmen die Qualität ihrer Intro-Kollegen nicht wahr. Das ist aber erst die Hälfte der Wahrheit: Denn diese Intro-Kollegen tun ihrerseits zu wenig, um mit ihren Stärken und Leistungen wahrgenommen zu werden.

Intro-Teamarbeit

Die zentrale Frage ist also: Wie können Sie als Intro in Ihrem Team so arbeiten und so kommunizieren , dass Sie und Ihre Leistungen angemessen sichtbar sind? Was können Sie außerdem tun, damit Sie sich mit den Kolleginnen und Kollegen möglichst wohlfühlen – und diese sich mit Ihnen? Gute Antworten auf diese Fragen sollten zwei Bedingungen erfüllen: Sie sollten erstens Ihre Bedürfnisse und zweitens die Bedürfnisse der extrovertierten Gruppenmitglieder (bei den Intros ist es ja einfach …) berücksichtigen. Die folgenden Strategien zielen darauf ab, diese beiden Perspektiven zu vereinbaren.

So vereinbaren Sie Intro- und Extro-Bedürfnisse

• Intro-Bedürfnis: längeres ungestörtes Arbeiten allein
Extro-Bedürfnis: in Teilschritten arbeiten, untereinander beraten, über Ergebnisse und weiteres Vorgehen kommunizieren. Strategie: Schaffen Sie Rituale für den Austausch, an denen Sie und andere sich orientieren können und die Ihnen den nötigen Freiraum geben, damit Sie sich auf Ihre Arbeit konzentrieren können.

  • Bleiben Sie nach Meetings ein wenig länger, um mit den anderen ins Gespräch zu kommen. Planen Sie diese Zeit bewusst ein.
  • Vereinbaren Sie mit den Kollegen ein tägliches Zeitfenster, in dem Sie ungestört arbeiten können.
  • Unterteilen Sie Ihre Arbeit in tägliche Teilschritte und machen Sie nach einer Zeit eine Pause, um sich mit den anderen auszutauschen. Nutzen Sie dazu auch E-Mail und Telefon.
  • Mit unangekündigt erscheinenden Kollegen können Sie eine andere Zeit vereinbaren, wenn es gerade für Sie nicht passt: „Ich bin gerade an einer dringenden Sache. Hast du nach dem Mittagessen Zeit für einen Kaffee?“ Achtung: In Krisensituationen aller Art ist das nicht angemessen!
  • Sprechen Sie mit Ihren Kolleginnen und Kollegen über Ihre Arbeit. Seien Sie spezifisch: „Wie hat denn der Kunde reagiert, der letzte Woche …“ Diese Art der Aufmerksamkeit wird sehr geschätzt.

• Intro-Bedürfnis: zwischendurch zur Ruhe kommen
Extro-Bedürfnis: zwischendurch Austausch mit anderen suchen
Strategie: Planen Sie auf Veranstaltungen oder auch für Ihren Arbeitsalltag bewusst Phasen ein, in denen Sie sich mit Kolleginnen und Kollegen austauschen. Planen Sie Rückzugsphasen ebenso.

  • Betrachten Sie Ihre Arbeit als Bühne. Anwesenheit fordert eine gewisse Präsenz. Sorgen Sie für Möglichkeiten, die Bühne zwischendurch zum Ausruhen zu verlassen: Das kann ein Spaziergang in der Mittagspause sein, in besonders stressigen Situationen sogar eine Mini-Auszeit in der Toilettenkabine.
  • Verabreden Sie sich zum Mittagessen. Viele leise Menschen schätzen ein Mittagessen zu zweit oder zu dritt. Geben Sie den Menschen, mit denen Sie zu tun haben, Ihre volle Aufmerksamkeit.
  • Schwänzen Sie bei Veranstaltungen oder Seminaren kleine Module, zum Beispiel einen Vortrag. Nutzen Sie die gewonnene Zeit für einen Rückzug.
  • Finden Sie dazu die informellen Regeln im Team heraus: Welche sozialen Anlässe und Begegnungen sind wichtig? Welche sind es eher nicht? Handeln Sie entsprechend. Das heißt, haben Sie den Mut, nicht-prioritäre Unternehmungen nicht mitzumachen. So etwa den Barbesuch nach einem erschöpfenden Veranstaltungstag. Gleichen Sie Ihr Fernbleiben dadurch aus, dass Sie bei einer anderen Aktivität mitmachen, solange Ihr Energiepegel noch relativ hoch ist: Gehen Sie also zum Beispiel am ersten Abend mit, am zweiten Abend nicht.
  • Regen Sie selbst Aktivitäten an, an denen Sie sich gern beteiligen, zum Beispiel ein neues Café ausprobieren, ein Geburtstagsgeschenk für den runden Geburtstag einer Kollegin organisieren.

• Intro-Bedürfnis: Weniger reden – mehr arbeiten
Extro-Bedürfnis: durch Kommunikation signalisiert bekommen, mit wem man es zu tun hat und wie man selbst ankommt
Strategie: Kommunizieren Sie gezielt.

  • Gerade, wenn Sie gern allein arbeiten, gilt: Sammeln Sie alles, was Sie mit Erfolg bewältigen, schriftlich. Das ist gut für Ihr Selbstvertrauen und macht es leichter, zwischendurch etwas zu erwähnen, wenn es gerade passt: „Ich habe gerade ein ganz ähnliches Projekt abgeschlossen, nämlich …“
  • Sehen Sie Meetings nicht als Zeitverschwendung
  • Pflegen Sie Kontakte mit einzelnen Menschen, die Sie schätzen
  • Nutzen Sie Ihre Beobachtungs- und Analysestärke: Was ist den Menschen um Sie herum wichtig? Was mögen sie? Zeigen Sie zwischendurch, dass Sie es wahrgenommen haben: „Haben Sie noch Interesse an der Botticelli-Ausstellung in Berlin? Meine Schwester war gerade da, und sie sagt, die Reise lohnt wirklich!“
  • Entdecken Sie Ihren persönlichen Stil des Humors. Nutzen Sie ihn, um positive Aufmerksamkeit zu schaffen. Ausnahmen: Sarkasmus und Ironie.
  • Helfen Sie Ihren Extro-Kollegen (und Chefs!), indem Sie in Gesprächen Wichtiges zusammenfassen oder Entscheidungen anstoßen.
  • Übernehmen Sie Verantwortung und kommunizieren Sie entsprechend: Präsentieren Sie Ergebnisse des Teams, wenn diese in Ihren Bereich gehören. Klären Sie Aufgaben und Erwartungen, wenn Sie eine neue Aufgabe oder neue Mitarbeiter bekommen. Sprechen Sie an, wenn etwas nicht „rund“ läuft.
  • Achten Sie auf den Fokus Ihrer Kommunikation – seien Sie Problemlöser und nicht Bedenkenträger: Sagen Sie also: „Wie können wir es schaffen, dass die Lieferung noch rechtzeitig zugestellt wird?“ anstatt „Das kommt bestimmt nicht pünktlich an!“ Beide Aussagen basieren auf der gleichen Situation.
  • Sorgen Sie dafür, dass Meilensteine gefeiert werden: Sie stärken so das Gefühl des Miteinanders in einem positiven Moment – und machen die gute Arbeit des Teams sichtbar. Bitten Sie Vorgesetzte ruhig dazu …

(Dr. Sylvia C. Löhken)


 


 

Intro-Kollegen
Menschen
Teams
Mittagessen
Strategie
Stärken
Ihren Kolleginnen
Nutzen
Verantwortung
Ausnahmen
Aufmerksamkeit

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Intro-Kollegen" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: