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Stress

Lebensziele und Entscheidungsstress

Umfragen zeigen es immer wieder: einer der größten Stressfaktoren für viele Menschen ist der Zwang, sich immer wieder entscheiden zu müssen. Das geht von der allmorgendlichen Frage „Was ziehe ich heute an?“ bis zu den „großen“ Entscheidungen der jeweiligen Wahl des Lebenspartners oder einer bestimmten Berufslaufbahn. In einer Umfrage von 2006, die 2010 wiederholt wurde, gaben jeweils über ein Drittel der befragten Führungskräfte an, dass sie sich in ihren Business-Entscheidungen „oft nicht sicher“ fühlten. (Quelle: novem business applications; 2006/2010)

Die wichtigste Frage vorab: Was will ich mit meinem Leben?

Der vielleicht wichtigste Grund für Entscheidungsschwierigkeiten jeglicher Art ist der, dass nur die wenigsten Menschen die große Frage beantworten können, was sie mit ihrem Leben wirklich wollen. Den meisten gelingt noch kaum eine allgemeine Antwort auf diese Frage, geschweige denn, dass sie solch eine Antwort in einigermaßen präzise Worte fassen könnten. Allenfalls können sie sagen, was sie nicht wollen.

Fatale Folgen

Dieses Defizit hat fatale praktische Folgen im Alltag. Zum Beispiel liegt hier die weitverbreitete Schwierigkeit begründet, das gesundheitserhaltende Wörtchen „Nein“ sinnvoll einzusetzen. Denn wer nicht weiß, wo er mit seinem Leben im Allgemeinen hin will und welche Ziele er in einem bestimmten Zeitraum erreichen will, dem fehlt schlicht der Maßstab, um auch mal eine Anfrage abzulehnen. Vor allem Menschen, denen es zusätzlich noch schwer fällt, andere Menschen zu enttäuschen, sind da hochgefährdet, sich zu überlasten.

Darüber hinaus führt eine fehlende Auseinandersetzung mit der Frage „Wohin will ich mit meinem Leben?“ auch zu einem Defizit an Sinn. Doch nicht nur wenn es um die große Frage nach dem Sinn des Lebens geht ist dies von Bedeutung. Auch der Sinn, den das persönliche Engagement im Beruf haben soll, bleibt häufig ohne befriedigende Antwort. Und dieses Sinn-Defizit ist wiederum der Hauptrisikofaktor für das berüchtigte Burnout-Syndrom, das zeigen Umfragen unter Direktbetroffenen immer wieder.

Selbstbestimmt im Stress

Aus diesen Gründen und einigen weiteren wurde das Gesundheitsförderungsprogramm „Selbstbestimmt im Stress“ geschaffen. Es ist eine Reaktion auf die Tatsache, dass es ein Hauptkennzeichen für das Leiden an ungesunden Stresserfahrungen ist, dass sich die Betroffenen als fremdbestimmt erleben. Es geht also in diesem Programm darum, dass die Teilnehmer das Knowhow erwerben, das notwendig ist, um auch in schwierigen Situationen, auch solchen in denen die Handlungsmöglichkeiten beschränkt sind, eine größtmögliche innere Selbstbestimmung zu erreichen.

Sinn, Werte, Ziele

Das gelingt vor allem dann, wenn die Teilnehmer es in einem ersten Schritt lernen, den Sinn ihres Lebens im Allgemeinen und ihrer Arbeit im speziellen in möglichst präzise Worte zu fassen. Auch ihre Werte und das arbeiten an ihren persönlichen Zielen gehört dazu. Damit ist die Basis gelegt, auf derer sie sich weitere Antworten erarbeiten und in der Folge ins eigene Leben integrieren können – zum Beispiel wie sie mit den Bedürfnissen ihres Körpers umgehen, wie sie auf Niederlagen und Enttäuschungen reagieren und wie sie sich beruflich und privat weiterentwickeln wollen.

Alles andere als „nice to have“

Die Antwortsuche auf diese Fragen ist alles andere als „nice-to-have“ sondern eine essentielle Vorarbeit für die nächsten Schritte, die danach folgen: die nachhaltige Umsetzung der so erfolgten Erkenntnisse in einen neuen Lebens- und Arbeitsstil. Wer diese Vorarbeiten auslässt, dessen Erfolgswahrscheinlichkeit für ein nachhaltig wirksames Stressmanagement bzw. eine ebensolche Burnoutprävention ist deutlich reduziert. Wer sich aber darauf einlässt, der wird Ähnliches erleben, wie jene zunächst skeptische Berufsreiterin, die mir nach der Erarbeitung ihrer Berufs- und Lebensziele mal gesagt hat: „Ich bewege mich anders im Stall, anders auf dem Abreitplatz, anders im Wettkampf. Ich habe ein ganz neues Selbst-Bewusstsein gewonnen.“

(Markus Frey)


 


 

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