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Die Kraft der Symbole

Haben Sie auch ein Symbol des Siegers?

Wir leben nicht im Mittelalter. Schade eigentlich. Damals wussten die Menschen noch, wie wichtig Symbole sind. Das moderne Management hat die Fähigkeit, sich der Kraft der Symbole zu bedienen, etwas verlernt, bedauert Klaus Schuster bei business-on.de.

Ich merke das, wenn ich zum Coaching von Übergängen gerufen werde. Wenn zum Beispiel der Geschäftsführer wechselt. Neulich sollte ich eine etwas schwerfällige Übergabe beschleunigen. Der Eigentümer sagte: „Wir wussten, dass es schwierig wird, wenn wir eine Frau zur Geschäftsführerin machen. Aber dass es so schwierig wird …“ Also flog ich hin. An der Rezeption fragte ich die Dame nach dem Büro der Geschäftsleitung: „Dritter Stock, zweite Tür links.“ Ich fuhr hoch: kein Mensch im Vorzimmer, keine Sekretärin. Ich klopfe. Keiner macht auf. Ich bin ratlos.

Die richtige Tür mit dem richtigen Namen

Nach gefühlten zwei Stunden kommt zufällig ein Sachbearbeiter vorbei und sagt: „Wenn Sie die neue Geschäftsführerin suchen: Die sitzt in ihrem alten Büro in der Fertigung.“ Warum das? „Na, weil sie früher Fertigungsleiterin war und nicht mit ihrem ganzen Kram umziehen wollte. Das hätte zu lange gedauert.“ Und als ich ihn frage: „Warum lachen Sie?“ „Weil, wie Sie, laufend Kolleginnen und Kollegen vor der Tür stehen, die das auch noch nicht mitbekommen haben.“ An diesem Punkt hatte ich mein Beraterhonorar bereits verdient.

Dass der „Neue“ eine Sie ist, ist gar nicht das Problem. Die neue Geschäftsführerin ist sehr fachkompetent und erfahren. Aber sie hat wenig Ahnung von der Macht der Symbole. Eine Tür zum „Geschäftsführer“, die verschlossen ist? Kein Wunder, dass der halbe Betrieb stinkig auf „Die Neue“ reagiert, wenn der kritische erste Eindruck derart daneben geht.

Per Handschlag die Krankheitsrate senken

Andere Themen, gleiches Problem: Kostensenkungen. Die Mitarbeiter üben zähneknirschend Lohnverzicht und lesen zwei Wochen später in der Zeitung vom neuen Firmenjet des Vorstands. Okay, die alte Kiste war 20 Jahre alt. Aber hätte man der unseligen Symbolkraft wegen nicht noch vier Wochen mit der Anschaffung warten können? Oder der Handshake: Es gibt tatsächlich eine Studie, die nachweist, dass in Firmen und Abteilungen, in denen der Vorgesetzte seine Leute allmorgendlich per Handschlag begrüßt, die krankheitsbedingte Abwesenheit und die Mitarbeiterfluktuation nur halb so hoch sind wie in Firmen und Abteilungen von Managern und Unternehmern, die keinen Wert auf diese Art von Symbolen legen. Ein Handschlag, der nichts kostet, erspart jährlich viele tausend Euro? Warum handschlagen dann so wenige?

Weil nur wenige die Macht der Symbole kennen. Ach ja, besagte Geschäftsführerin ist inzwischen umgezogen. Sie sitzt nun da, wo sie hingehört. Jetzt läuft das wieder.


(Klaus Schuster)


 


 

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