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Telekommunikations-Markt

Ungemütliche Zeiten für die klassischen Anbieter

Die Telekommunikationsbranche blickt auf ein turbulentes Jahr zurück und das wird sich wohl in den nächsten Jahren nicht ändern, folgt man den Analysen der Unternehmensberatung Booz & Company.

„Während Kostensenkungsmaßnahmen in Folge der Wirtschaftskrise viele Akteure weiter beschäftigen, steigen mit der fortschreitenden Digitalisierung die Ansprüche enorm: Geschäftskunden ebenso wie private Nutzer erwarten jederzeit und überall Top-Service und drängen die Betreiber auf Verbesserung der Netzkapazitäten und Netzqualitäten“, so Dr. Roman Friedrich von Booz & Company.

Sein Ausblick ins nächste Jahr: Telekom-Anbieter werden sich vom klassischen integrierten, hin zu vier unterschiedlichen Typen offener Geschäftsmodelle entwickeln: „Der verlässliche, kosteneffiziente Network Guarantor. Der flexible, integrierte Business Enabler. Der innovative, kundenorientierte Experience Creator. Der umfassende, Synergien ausschöpfende Global Multimarketer.“

Der Druck zu verbesserter Service-Qualität steigt unablässig

Nach Ansicht von Bernd Stahl, Netzwerkspezialist von Nash Technologies in Stuttgart, werde das Szenario etwas anders kommen und sehr viel disruptiver. Als Beispiel nennt er Carrier Grade Voice – also Ausfallsicherheit bei Sprachdiensten: „Das bisherige und konkurrenzlose Kerngeschäft der Telekom-Anbieter wird mehr und mehr via SIP Server auf einem Cloud-Rechenzentrum mit redundantem Internet-Anschluss realisiert, zu günstigeren Kosten und mit attraktiveren Services und Apps. Der Durchbruch ist hier geschafft. Es gibt keinen Grund, weshalb sich dieser gerade begonnene Trend nicht beschleunigen sollte.“

Das führe auch zu mehr Druck auf den IP Layer, hier für bessere Servicequalität zu sorgen. „Da sehe ich ein enormes Potential zur Vereinfachung“, so Stahl. Zudem schaffe die SIRI-Sprachsteuerung ein neues Paradigma . „Was das alles mit sich bringt und wie die Karten neu gemischt werden, kann man noch nicht sagen. Ich wünsche mir jedenfalls auch auf dem Application Layer ein dezentrales Internet“, betont Stahl. Ob die Telkos sich gegen schnelle und innovative Konkurrenten noch durchsetzen können, sei zumindest diskussionswürdig.

Umwälzungen im Servicegeschäft

Im Servicegeschäft sieht der After Sales-Spezialist Bitronic Verschiebungen zwischen der IT- und der TK-Branche: „Der Markt von Notebooks, Netbooks, Tablet PCs und Smartphones wird sich neu verteilen. Auf der Abnehmerseite stehen plötzlich auch die Namen der Netzbetreiber, die alle für sich ganz neue Serviceanforderungen mitbringen, die so in der Welt der IT-Hersteller wenig und gar nicht angewendet wurden. Hier werden die Hersteller mit teilweise noch einmal deutlich strafferen Anforderungen an das Serviceniveau konfrontiert", sagt der Service-Experte Dirk Müller von Bitronic in Frankfurt. 

Ein wichtiger Punkt sei, dass die Netzbetreiber zum großen Teil die eingehenden Defektgeräte austauschen - im Fachjargon „swappen" genannt. Der Kunde erhält ein neuwertiges Austauschgerät. Das ursprüngliche Gerät wird einer qualitätsgesicherte Instandsetzung unterzogen und von sämtlichen Altdaten des Kunden befreit. Den deutlich höheren Serviceaufwand kennen die IT-Hersteller in dieser Form nicht. Entsprechend wächst der Beratungsbedarf. Das reicht bis zur Prognose des Bedarfes an Ersatzteilen", skizziert Müller die Anforderungen im After Sales.

Auch die Anforderungen aus dem Business-Bereich wandeln sich

Dazu komme die Integration von Modulen für UMTS und LTE. „Da benötigt man zusätzliche Überprüfungsverfahren, die so in der klassischen Notebook-Reparatur bislang nicht erforderlich waren", erklärt der Bitronic-Manager. Im Service seien also immer mehr Kompetenzen aus beiden Disziplinen gefragt: Informationstechnologie und Telekommunikation. Zudem müsse man sich auf unterschiedliche Szenarien im Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden einstellen. Fast jeder zweite Tablet PCs werde mittlerweile im Business eingesetzt und nicht nur auf der Couch vor dem Fernseher, wie Spötter bei der iPad-Produkteinführung meinten.

(Gunnar Sohn )


 


 

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