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Das Kindle im Test

Ein Stück Entschleunigung in der digitalen Welt

Es ist schlicht, leicht und in seinem Design durchaus kuschelig. Das muss es auch sein, denn so manches darf oder muss mit ins Bett. Nein, nicht so! Zum Lesen – naja, letztlich auch zum Vergnügen. Und das, obwohl das Kindle so ganz anders ist als alle digitalen Begleiter mit dem „i“ davor.

Wem es bisher ein besonderes Vergnügen war, ein hochwertig gedrucktes Buch in den Händen zu halten, so wie ich es bis dato kannte, der könnte auf den ersten Blick sogar etwas enttäuscht sein. Kein buntes Cover, kein Hochglanz, keine Bilder, kein Schnickschnack. Nach dem Einschalten gibt es Text nackt. Nun ja, ist ja beim Buch genauso, aber eben doch anders, aber das liegt an der individuellen Erwartungshaltung. Die habe ich jetzt mal ausgeknipst und lasse mich auf ein für meinen Geschmack sehr entschleunigtes digitales Medienvergnügen ein.

Der Inhalt ist ultraschnell bezogen, lesen muss man sowieso allein, aber irritierend fand ich, dass man beim Kindle zwar umblättern kann, es aber keine Seitenzahlen gibt. Dabei liebe ich es, an den Passagen, die mich besonders bewegt haben, ein schönes Eselsohr zu knicken. Oder mir eben wahlweise per Unterstreichung die Stelle zu merken, an der der Autor extrem geistreich war. Möchte man dann zurückblättern, weiß man nicht auf welcher Seite das war – es war so bei 16 Prozent, nur entspricht das definitiv mehr als einer bestimmte Seite.

"Digitale Eselsohren" für Wörterbuchsuche, Lesezeichen und PDF-Reader

Nun ja, das mit den Eselsohren haben mir schon seinerzeit meine Lehrer versucht auszutreiben, aber sich die wichtigen Dinge mal mit einem Stift zu unterstreichen, das sollte der Lernfähigkeit durchaus dienlich sein. Man kann durchaus vorgefertigte Passagen markieren und entweder auf der Festplatte sichern oder (vorerst nur in der amerikanischen Version) mit einer „Gemeinde“ austauschen. Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit, sein Buch zu „verleihen“. In diesem Falle finde ich es schon hilfreich, wenn der digitale Assistent mitdenkt, im haptischen Bücher-Leben muss man sich schon merken, wem man sein Buch geliehen hat und die seltensten Exemplare finden anschließend den Weg zurück nach Hause.

Ein Buch ist ein Buch, ist ein Buch…

Hat man sich von den digitalen Ansprüchen eines Tablet-PCs verabschiedet, sticht vor allem eines ins Auge: Die Lesequalität. Sie kommt der eines richtigen Buches schon sehr nahe. Die Augen werden bei weitem nicht so belastet wie bei einem Bildschirm eines beliebigen Tablet-PCs oder Geräten diverser Billig-Anbieter. Auch erinnert die satinierte Oberfläche des Bildschirmes wirklich mehr an ein Buch als an einen Computer und spätestens wenn man in der prallen Sonne lesen möchte, zeigt sich die Qualität des Kindle beispielsweise gegenüber dem iPad. Es geht problemlos. 

Allerdings beim ersten Versuch, die Seite per touch umzublättern werde ich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Dieses Gerät soll nicht mal eben nebenbei die Mails checken, die Facebook-News abholen oder was man sonst so aus Verlegenheit tut – nein, dafür liegt das Smartphone brav neben dem Kindle und muss eben warten. Nun ist vergnügliche Lesezeit.

Digital sind Bücher keine Spar-Version!

Wäre da nicht der Preis, der einem die Knie weich werden lässt. Hätte ich nicht freundlicherweise von Amazon ein Testgerät erhalten, welches in der „großen Version“ im Verkauf um die 180 Euro kostet, würde ich wahrscheinlich bis heute weiter für einen Tablet-PC sparen oder eben weiter gedruckte Bücher bestellen. 

So denken augenscheinlich viele Menschen, denn wie heute zu erfahren ist, gibt es jetzt ein eigenes Kindle-App für das iPad, iPhone und den iPod touch, die alle Gimmicks bieten wie auch das Kindle. Man landet im Buch immer wieder an der zuletzt gelesenen Seite und hat auch sonst alle Aktivitäten im Blick. 

Die Benutzungsdauer ist der schlichten Ausstattung entsprechend lang. So kann man schon bis zu zwei Monate lang ungetrübtes Lesevergnügen erleben. Aber wenn man "nur" das Kindle in den Urlaub mitnimmt ohne den PC muss man sich schon etwas einfallen lassen, wenn man es aufladen möchte. In der Normal-Ausstattung gibt es nur einen USB-Stick für den Computer – also den sollte man dann doch in der Nähe haben. Das USB-Netzgerät meines Smartphones konnte hier leider nicht aushelfen.

Das Buch muss man trotzdem noch kaufen

Und noch eines steht hier aus: das Buch selbst. Wer denkt, dass in der nicht-gedruckten Version die Werke eigentlich exorbitant preiswerter sein müssten, der wird eines Besseren belehrt. Das jedoch liegt keinesfalls in der Entscheidung von Amazon, das liegt an der allgemeinen Buchpreisbindung. Klassiker gibt es schon mal umsonst, auch der Duden, der ja seit einiger Zeit online umsonst zu haben ist, ist schnell auf die Startseite geholt. 

Die Technik im Überblick:

Wie die meisten aktuellen Lesegeräte hat auch das Kindle einen drahtlosen Internetzugang eingebaut. Damit können die Bücher auch ohne Umweg über den Computer "beladen" werden. Wenn es denn zum Lesen zu dunkel wird, klemmt man das Kindle in die stylische Lederhülle und klappt die integrierte Leselampe aus. Niedlich und praktisch zugleich. Mit dem Amazon-eigenen drahtlosen Übertragungssystem Amazon Whispernet werden die Inhalte binnen 60 Sekunden heruntergeladen.

Der Preis in der Wi-Fi-Version beträgt 139 Euro, der für das Gerät mit der 3G Version 189 Euro. Dafür hat man die Auswahl unter 750.000 deutsch- und englischsprachigen eBooks. Schaltet man das Wi-Fi zwischendurch aus, hält der Akku nach Amazon-Angaben bis zu zwei Monaten. Der Speicher hat übrigens Platz für bis zu 3.500 Bücher! Wer es digital nutzen möchte, der kann die Notiz- & Markierungsfunktionen nutzen für Wörterbuchsuche, Lesezeichen und PDF-Reader.

Mein Urteil: Es ist nicht gerade preiswert, aber es macht definitiv Spaß auf dem Kindle zu lesen. Wäre ich nicht schon eine, könnte ich glatt noch eine Leseratte werden...

(Edda Nebel)


 


 

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