Sie sind hier: Startseite München Lokale Wirtschaft Interviews
Weitere Artikel
Interview IOC-Vizepräsident Thomas Bach

"Es ist Zeit, dass Deutschland wieder Winterspiele ausrichtet"

IOC-Vizepräsident Thomas Bach ist der Frontmann der Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2018. Kurz vor der Entscheidung am 6. Juli in Durban spricht er im dapd-Interview mit Lars Becker über Togo, die Münchner Chancen und einen Joker.

dapd: Wie ist die letzte Präsentation vor der Entscheidung in Togo verlaufen?

Thomas Bach: Sie ist sehr gut gewesen. Für uns war das die Gelegenheit, das seit 50 Jahren laufende Sportentwicklungsprogramm von DOSB und Auswärtigem Amt vorzustellen. Wir hatten einen deutschen Trainer und seinen afrikanischen Partner in unserem Präsentationsteam. So haben wir das Programm sehr authentisch vorstellen können. Das kam gut an. Sechs IOC-Mitglieder sind dort gewesen. Da ging es um wirkliche Hilfe, die unabhängig von der Bewerbung erfolgt.

dapd: Wie ist Ihr Bauchgefühl so kurz vor der Entscheidung?

Thomas Bach: Wir reisen mit ebenso großem Optimismus wie Kampfgeist nach Durban. Das gilt für die ganze Mannschaft. Ein paar sind ja schon jetzt in Südafrika, die Stimmung ist bestens.

dapd: München 2018 hat zuletzt Boden gutgemacht. Das Magazin "Around the Rings" sieht München sogar in der Favoritenstellung. Und Sie?

Thomas Bach: Als Favoriten sehe ich München 2018 nicht, aber es ist ein sehr enges Rennen geworden. Nach den letzten Wochen gibt es viel Anlass, optimistisch nach Durban zu fliegen. Das Echo ist zunehmend positiv, das ist bei der letzten technischen Präsentation in Lausanne sehr deutlich geworden. Dort haben wir gespürt, dass die Dinge in Bewegung geraten sind. Jetzt wissen wir, dass wir gewinnen können. Dass wir gewinnen wollen, wussten wir schon lange.

dapd: Ein wichtiges IOC-Mitglied hält es für möglich, dass die Entscheidung schon im ersten Wahlgang fällt. Wäre in diesem Fall Pyeongchang der Sieger?

Thomas Bach: Das ist alles Kaffeesatzleserei. An solchen Spekulationen beteiligen wir uns nicht. Das hilft uns nichts, wir werden am 6. Juli wissen, wo wir stehen.

dapd: Haben Sie für die finale Präsentation in Durban denn noch einen Joker?

Thomas Bach: Und wenn wir ihn hätten, würden wir ihn nicht preisgeben. Das verbietet die Konkurrenzsituation.

dapd: Glauben Sie, dass München 2018 die richtigen Schwerpunkte in der Bewerbung gesetzt und diese auch deutlich gemacht hat?

Thomas Bach: Wir haben uns sehr klar positioniert, Alternativen aufgezeigt und nicht versucht, etwas nachzuahmen. Das Bestreben war, mit Argumenten wie Nachhaltigkeit, der garantierten Nachnutzung der Sportstätten, dem Programm zum Umweltschutz sowie dem atmosphärischen Umfeld einer wintersportbegeisterten Nation zu punkten. Und natürlich auch mit dem wirtschaftlichen Potenzial, das solch ein wichtiger und zentraler Markt wie Deutschland bietet.

dapd: Durch wen haben Sie positives Feedback konkret erfahren, abgesehen von der Einschätzung des "Around the Rings"-Magazins?

Thomas Bach: Bei den verschiedenen Veranstaltungen kommt man mit dem einen oder anderen Kollegen ins Gespräch. Und die sagen dann schon, dass sie gar nicht gewusst haben, wie stark die deutsche Wirtschaft im Wintersport engagiert ist.

dapd: Sind Sie froh, dass der ganze Reisestress bald zu Ende ist und endlich die Entscheidung ansteht?

Thomas Bach: Sehr froh. So ist übrigens die Stimmung bei allen. Es ist wie zu Athletenzeiten: Wir sind voll trainiert, wir sitzen in den Umkleidekabinen und wollen jetzt raus zum Wettkampf. Wir warten nur auf den Moment, dass der Spot angeht, und sehnen den Tag der Entscheidung herbei. Es ist Zeit, dass Deutschland nach über 80 Jahren wieder Winterspiele ausrichtet.

dapd: Wenn tatsächlich der Zettel mit der Aufschrift München gezogen wird: Wäre Ihnen der Zuschlag für Olympia 2018 in München genauso wichtig wie ihr eigener Olympiasieg?

Thomas Bach: Das kann man nicht vergleichen. Es wäre ein großartiges Gefühl, aber sicher ein ganz anderes als damals. Seit dem Olympiasieg sind Jahre vergangen. Seitdem bin ich zwar nicht älter, aber reifer geworden - oder umgekehrt.

dapd: Die Kosten für den dreijährigen Bewerbungsmarathon für München 2018 belaufen sich auf 33 Millionen Euro. Sechs Millionen können davon bisher nicht durch private Sponsoren gedeckt werden. Kann der Betrag noch reingeholt werden?

Thomas Bach: Man muss zunächst einmal feststellen, dass diese Bewerbung einen so hohen Anteil an Sponsorenmitteln eingeworben hat, wie das in den vergangenen Jahrzehnten außerhalb der USA keiner anderen Bewerbung gelungen ist. München 2018 liegt bei 80 Prozent. Da kann man den für die Finanzierung Verantwortlichen in Freistaat und den Kommunen nur gratulieren. Das ist ein hervorragendes Ergebnis.

(dapd-bay)


 


 

Thomas Bach
IOC-Vizepräsident
Bewerbung
Winterspiele
Durban

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Interview" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: