Über die „Macht“ der Gewohnheit
Inneres Trüffelschwein versus Schweinehund
München. Die Urlaubszeit ist zu Ende und wir sind zurück aus dem „Paradies“. Wie paradiesisch der Urlaub war, stellt sich meist erst danach heraus, wenn Moskitoschwärme, lärmende Baustellen oder suboptimales Essen und Service durchgestanden sind. Selbst wenn wir ein Paradies vorgefunden haben, irgendwie stellen wir fest, dass dort auch nur mit Wasser gekocht wird.
Karin Lohner
Speakerin, Executive Coach, Lehrcoach, Dozentin, Autorin. Karin Lohner aktiviert Menschen! Sie steht für die Themen Motivation, Aktivierung, Ermutigung und die Erweiterung innerer Grenzen.
Viele Menschen fahren aus Gewohnheit auch immer wieder an den selben Ort. Weshalb? Weil sie dort die aus ihrer Sicht größtmögliche Sicherheit eines kleinen Paradieses vorfinden und im besten Falle zudem nicht auf manche Gewohnheiten verzichten müssen. Deshalb gibt es in diesen Paradiesen „Wurstel con Krauti“ und „Snizzel Pommes weis rot“. Aber mal ganz im ernst, nun haben der Alltag und unsere täglichen Gewohnheiten uns wieder. Und diese Gewohnheiten brauchen uns, sonst gäbe es sie nicht. Wir müssen ihnen den Raum verschaffen, den sie bekommen. Niemand anderer tut das, die Gewohnheit selbst schon gar nicht.
Wir geben einschränkende Gewohnheiten ihre dauerhaft störende Macht und sie machen uns ohnmächtig. Die gute Nachricht: alles was wir uns angewöhnt haben können wir uns abgewöhnen und uns neue Sichtweisen zulegen. Nötig sind: unerschütterliches Wollen, Geduld, Ausdauer und Nachhaltigkeit
Unsere Gewohnheitenfestplatte besteht aus den Daten unserer durch meist unbewusste Gewohnheiten eingeschliffenen Realität. Diese Realität erklären wir zur „Normalität“. Wir kommen gar nicht mehr auf die Idee, dass es anders sein könnte. Unser innerer Schweinehund liegt dabei rum und ist sehr großzügig mit den Ratschlägen und der Kritik an unsere Umgebung: ihr müsst etwas verändern ... es muss sich vieles verändern ... aber er ist ausgesprochen sparsam bis geizig mit Appellen an unsere eigene Veränderung. Genau das ist die Chance, die unser inneres Trüffelschwein wahrnimmt: kontinuierliche eigene Veränderungsbereitschaft. Das innere Trüffelschwein verhindert nicht, es aktiviert und regt zum Tun an! Während der Schweinehund uns suggeriert "bleib doch noch ein wenig liegen, es hat sowieso keinen Sinn, das anzufangen, und wenn, dann erst morgen ... " motiviert unser inneres Trüffelschwein mit Anstößen wie "probiere es doch, ich bin sicher, Du kannst es!".
Führungskräfte sind aufgerufen, die Trüffelschwein Mentalität aktiv vorzuleben! Meine Mitarbeiter werden sich nur dann ändern, wenn sich mein altes bekanntes und gewohntes Muster gegenüber ihnen verändert. Gehen Sie doch einmal zu ungewöhnlicher Zeit mit dem Ziel der Wahrnehmung von Unternehmensklima durch Ihre Abteilung, Ihr Werk, Ihre Gebäude. Sie werden von unglaublich positivem Erstaunen bis Schreck alles mögliche wahrnehmen. Das ist, was wirklich wichtig ist für uns: Informationen aus erster Hand. Eigene Wahrnehmung ist im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert. Wenn wir selbst informiert sind, können wir auch Fragen stellen aus erster Hand und unsere „Informanten“ entsprechend genau interviewen. Wer genaue Informationen hat, kann punktgenaue Entscheidungen treffen und diese fokussiert richtigen Entscheidungen sind immer die Basis für den Unternehmenserfolg.
Dazu müssen wir unsere Wahrnehmung für Bedürfnisse, Ereignisse und Veränderungen im Außen schärfen. Wir müssen selbst erspüren, wie das Trüffelschwein den Trüffel, wo die „Trüffel“ in unserem Unternehmen liegen. Wenn es uns dann gelingt, für die Veränderung die feste innere Überzeugung – die ich eben inneres Trüffelschwein nenne - verbunden mit der Freude am Tun zu entwickeln, ist die Motivation anderer garantiert. Die innere Überzeugung ist es, die jeden inneren Schweinehund mitsamt seinen hinderlichen Gewohnheiten von der Couch jagt.
Und: machen Sie es selbst doch gleich mal anders! Warten Sie nicht bis zum Jahresabschluss, bis die Zahlen der Bilanz feststehen, bis das Projekt 2011 abgeschlossen ist. Wählen Sie den einzig richtigen Zeitpunkt für Veränderung: jetzt!
(Karin Lohner)
Tags:- Trüffelschwein
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