Schwarzmalen hilft!
Wie Unsicherheit für den entscheidenden Wachstumsvorteil sorgen kann
Köln-Bonn. Es gibt nach wie vor Unternehmer, die auf bessere oder gar gute Zeiten hoffen. Sie sehen die aktuelle Krisenzeit als Ausnahme und sehnen sich nach dauerhaftem Aufschwung. Doch die Konjunkturprognosen sprechen eine andere Sprache und das Wachstum bleibt unter den erhofften Werten. So schnell wird sich in Deutschland und Europa auch keine deutliche Änderung einstellen. Während diese Erkenntnis manchen Unternehmern Sorge und Angst macht, bleiben andere gelassen und entspannt – bei manchen kommt sogar Freude auf. Ihre Unternehmen wachsen als gäbe es schlichtweg keine Krise. Doch wie kann das sein und was machen diese Unternehmer anders?
Topmanagement-Coach Johannes Schmeer berät und begleitet seit Jahren Führungskräfte dabei ihre Führungs-Kraft voll auszuschöpfen und Unsicherheit als Motor für sich optimal zu nutzen. Weitere Informationen: www.johannes-schmeer.com
Schwarz malen
Die Wirtschaftskrise ist in vollem Gange und das Wirtschaftswachstum steigt nicht in dem Maße, wie es sollte. Die Politik steht vor schwerwiegenden Entscheidungen. Die Abhängigkeiten innerhalb der europäischen Gemeinschaft sind mittlerweile so verschachtelt, dass jede Entscheidung gleichsam richtig wie falsch sein kann. Die Pro und Contra Seiten füllen ganze Listen und die Meinungen gehen stark auseinander. Pessimisten und Schwarzmaler sehen den Euro bereits untergehen, sogar die TUI berechnet intern die Reiseangebote bereits in Drachmen. An der New Yorker Börse werden ebenso Szenarien für eine Zeit nach dem Euro durchgerechnet. Es gibt noch unzählige weitere Munition für Schwarzmaler: Atomkrise, Terrorismus und Privatkredite hoher Politiker. Sie alle können Unsicherheit auslösen und sorgen für einen pessimistischen Blick in die Zukunft. Hinzu kommt, dass wir diesen Schlagzeilen beinahe machtlos gegenüberstehen und sie nicht beeinflussen können. Ebenso wenig lassen sich klare Entwicklungen erkennen, was zu weiterer Unsicherheit und Kopfzerbrechen führt. Wohin man sieht, es wird geschimpft, gejammert, schwarzgesehen und der Teufel an die Wand gemalt. Denkt man an Griechenland, so überschlagen sich die Katastrophenexperten in ihren Szenarien. Schenkt man ihnen Glauben, so kann die Europäische Union einpacken und zusperren. Doch lässt man den Sarkasmus etwas beiseite, bleibt durchaus die berechtigte Frage, wie es weitergehen soll.
Schwarz sehen
Die Frage lässt sich kurz und knapp beantworten: Es geht weiter, wie eh und je. Tatsächlich steht Europa vor einer großen Herausforderung, womöglich der größten in seiner Geschichte. Blickt man auf andere Kontinente, so gab und gibt es immer wieder vergleichbare oder gar größere Herausforderungen, die allesamt gemeistert wurden. Kurzum: Irgendetwas ist immer und damit gilt es umzugehen. Es müssen zudem nicht immer nur Katastrophen sein, die immense Auswirkungen haben. Selbst die Erfindung des Autos, des Computers oder der Dampfmaschine waren folgenschwere Einschnitte in die Wirtschaft. So großartig diese Meilensteine der Menschheit waren, so brachten sie doch auch immer auch Negatives mit sich. Die Dampfmaschine beispielsweise öffnete die Tür zur Industrialisierung, maschinenbetriebene Massenproduktion wurde immer alltäglicher und damit fielen viele Arbeitsplätze weg. Auch Computer veränderten die Struktur der Wirtschaft kolossal und nicht ausschließlich zum Guten.
Es soll hier jedoch nicht um die wirtschaftlichen Herausforderungen der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte gehen – vielmehr um den Umgang damit! Jede Krise wird in den Medien kommuniziert wie eine Krankheit, eine Seuche, die über ein Land hereinfällt, unzählige Opfer fordert und ausgerottet werden muss. Krisen sind Krankheiten, die es zu bekämpfen und besiegen gilt – mit dieser Einstellung begegnen wir den Herausforderungen um uns herum und hoffen auf diesen seligen Zustand, den es nach der Krise wohl geben muss, einem Garten Eden gleich. Zwar hat ihn keiner bisher gesehen, aber hinter dem nächsten Hügel ist er bestimmt. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wer sich die Mühe macht, alleine die europäischen Wirtschaftskrisen in einem Zeitstrahl aneinander zu reihen, wird feststellen dass immer Krise ist. Unsicherheit ist deshalb auch keine Krankheit, sondern vielmehr Normalität. Natürlich suchen die Medien nach Schlagzeilen und malen schwarz, doch keiner zwingt einen, die Dinge deshalb auch schwarz sehen zu müssen.
Schwarz lieben
Manche Unternehmer können bei den Abendnachrichten nur mit dem Kopf schütteln, weil sie wissen dass Krisen zum täglichen Geschäft gehören. Panikmache lässt sie kalt – vielmehr scheinen sie aufzublühen, je unwegiger das Gelände wird. Sie sehen womöglich genau so schwarz wie andere Unternehmer auch, aber sie mögen diese Farbe, ziehen Kraft aus ihr und nutzen sie als Antriebsmotor für Höchstleistungen. Dass dies ausschließlich eine Frage der inneren Haltung und Einstellung ist, zeigen die folgenden Praxistipps. Es geht schließlich nicht um ein heiles Überstehen der nächsten Krise, sondern um einen neuen Blick auf Krisen und eine positive Einstellung zur Unsicherheit. Es braucht schlichtweg Wissen darüber, wie man mit Krisen effektiv umgeht, um sie für sich nutzbar machen zu können.
1) Schwarz anders sehen
Schwarz ist nicht nur Synonym für Dunkelheit, Nacht, Krise, Trauer, Krankheit und Abgrund. Sie steht auch für Eleganz, Zurückhaltung, Macht, Verständnis und Fruchtbarkeit. Es kommt ausschließlich auf die Betrachtungsweise an! Ähnlich verhält es sich mit Unsicherheit. Sie geht immer einher mit Veränderung und ist damit ständiger Begleiter des alltäglichen Lebens. Je nachdem wie wir Veränderungen und Krisen erleben, machen sie folglich entweder Angst oder Freude!
So gibt es tatsächlich Führungskräfte, die mit steigender Unsicherheit und Stress zusehends gelassener und innovativer werden. Man könnte meinen, Stress tut ihnen gut. Tatsächlich nutzen sie ihn als Nervennahrung! Während sich manche Unternehmer nach Kontinuität und Sicherheit sehnen, genießen andere die Veränderung. Sie sind gelangweilt von zu viel Wiederholung, suchen die Abwechslung und das Abenteuer. Sie möchten flexibel sein dürfen und finden Entwicklungen spannend. Sie brauchen Unsicherheit geradezu und schöpfen daraus ihre Energie, ihre Kreativität und Motivation. Je herausgeforderter sie sind, desto ausgeglichener wirken sie. Für sie wäre es ein Graus, in einer durchorganisierten Struktur einer vorausgeplanten Tätigkeit nachzugehen. Lieber stehen sie täglich vor neuen Herausforderungen. Wie lässt sich dies erklären? Sie handeln schlichtweg nach ihrer eigenen Überzeugung und haben eine besondere Haltung zu Unsicherheit und Veränderung.
Ausgehend von 18 Lebensmotiven (vgl. msn-profile.de), treiben den Menschen unterschiedliche Motive an. Grundsätzlich unterscheidet man:
- Wissen Intellektualität und logische Zusammenhänge
- Prinzipientreue Aufstellung, Einhaltung eines Moralkodex und Prinzipien
- Macht Einfluss und Kontrolle, Übernahme von Verantwortung
- Status Suchen nach Aufmerksamkeit, Prestige und Reputation
- Ordnung Dinge organisieren, planen und kategorisieren
- Materielle Sicherheit Dinge sammeln und aufheben
- Freiheit Autarkie und Selbstbestimmung
- Beziehung Interaktion, Nähe und Freundschaft
- Hilfe/Fürsorge Andere unterstützen und selbstlos helfen
- Familie Eigene Familie und Nähe zu Familienmitgliedern
- Idealismus Soziale Gerechtigkeit und Fairness
- Anerkennung Positiver Selbstwert durch Feedback
- Wettkampf Wettbewerb- und Konkurrenzstreben
- Risiko Emotionaler Anspannung und risikofreudiges Leben
- Essen Nahrungsaufnahme und dem Genuss von Essen
- Körperliche Aktivität Bewegung und Einsatz des Körpers
- Sinnlichkeit Ästhetik, Sinnlichkeit und Erotik
- Spiritualität Einbindung in einem größeren Zusammenhang
Schnell wird deutlich, worauf der Wunsch nach Veränderung basiert. Eine starke Ausprägung in den Motiven Risiko, Wettkampf und Freiheit helfen dabei, Unsicherheit als spannende Herausforderung zu erleben. Hohe Prinzipientreue und materielle Sicherheit hingegen sorgen für ein ängstliches Erleben von Unsicherheit. Da jeder Mensch alle Motive in gewisser Ausprägung hat, sind diese Motive nicht unveränderlich und lassen sich deshalb beeinflussen. Die Selbstreflexion der eigenen Motive ist dabei der entscheidende Schritt zur Veränderung.
Praxistipp: elche Motive treiben Sie an? Was ist Ihnen besonders wichtig und warum? Mit der Beantwortung dieser Fragen bekommen Sie auf einfache Weise einen ersten Eindruck Ihrer Motive. Stellen Sie sich in einem zweiten Schritt in Frage: Sind Sie ein prinzipientreuer Mensch? Sind Ihnen Moralvorgaben sehr wichtig und sehnen Sie sich nach Sicherheit? Wie lassen sich dieses Bedürfnis mit Veränderungen und Unsicherheit in Einklang bringen? Ganz einfach, denn sie widersprechen sich gar nicht! Vielmehr brauchen Sie (ergänzende) Prinzipien, wie sie mit Unsicherheit und Veränderung umgehen können. Wirkliche Sicherheit entsteht auch erst dann, wenn Sie einen gelassenen Umgang mit Unsicherheit haben. Integrieren Sie Unsicherheit in Ihre persönlichen Motive und verändern Sie Ihre Haltung. Erleben Sie so die positiven Aspekte der Veränderung. Lernen Sie womöglich auch andere Seiten an sich kennen und entdecken Sie Ihre Abenteuerlust, weil Sie fortan im Einklang mit den eigenen Werten und Bedürfnissen sind.
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