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NSU-Killer waren häufiger in Bayern als bisher bekannt

Im Fall der Neonazi-Mordserie gibt es neue Erkenntnisse zu Besuchen von Mitgliedern des Terror-Trios NSU in Bayern. Demzufolge waren Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos vor ihren Taten häufiger im Freistaat als bisher bekannt.

Die Grünen verlangten am Dienstag in München Aufklärung darüber, warum die Polizei dies nicht früher aufgedeckt hat. Kritik an den Sicherheitsbehörden kam auch von der SPD.

Nach Informationen des BR-Politikmagazins "Kontrovers" liegen dem Polizeipräsidium Mittelfranken Dokumente vor, die belegen, dass Mundlos und Böhnhardt den Beamten in Nürnberg bereits seit Mitte der 90er Jahre als Rechtsextremisten bekannt waren. Die beiden Namen seien auf einer Liste der Polizeidirektion zu finden, die Rechtsextreme erfasse.

Außerdem gehe aus den Akten hervor, dass Mundlos 1995 eine Veranstaltung im Nürnberger Rechtsextremen-Treff "Tiroler Höhe" besuchte. Kurz danach geriet er an der Autobahn 9 bei Nürnberg in eine Polizeikontrolle. Die Gaststätte "Tiroler Höhe" lag den Angaben zufolge in der Nähe zweier späterer NSU-Tatorte.

Das BR-Magazin hatte im Oktober aufgedeckt, dass die Telefonnummer der "Tiroler Höhe" auf einer Kontaktliste von Mundlos notiert war. Auf Initiative der Grünen forderte daraufhin der NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags Unterlagen zu Veranstaltungen in der Gaststätte an. Dem BR-Magazin zufolge könnten nach Einschätzung des bayerischen Innenministeriums die Schriftstücke für das NSU-Strafverfahren relevant sein. Sie wurden deshalb an den Generalbundesanwalt weitergeleitet.

NSU-Kontakte nach Bayern enger als bisher bekannt

Die Grünen-Abgeordnete Susanna Tausendfreund sagte, die neuen Erkenntnisse bestätigten die Vermutung, dass die Kontakte des späteren Terror-Trios nach Bayern enger waren als bisher bekannt. Sie fügte hinzu: "Bleibt die Frage, warum die Polizei diese Verbindung nicht von sich aus erkannt und aufgedeckt hat, sondern erst unser Beweisantrag diese Erkenntnisse ans Licht bringen musste."

Der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses, Franz Schindler (SPD), fragte: "Waren da wirklich nur Dilettanten am Werk, oder hatte es andere Hintergründe?" Er forderte zudem vom Innenministerium eine größere Kooperationsbereitschaft.

Schindler kritisierte, zu viele Akten würden als geheim eingestuft. Deshalb könnten sie in der öffentlichen Diskussion nicht verwendet werden. Außerdem werde ein Teil der Akten auch noch geschwärzt. Auf die Frage, ob nun ein Einschreiten von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) notwendig sei, antwortete Schindler: "Bislang geht das noch ohne Einschaltung des Ministerpräsidenten - ich hoffe, dass das auch so bleibt."

Bayern war seit dem September 2000 Tatort der Hälfte der zehn NSU-Morde in Deutschland. Schindler betonte, er gehe davon aus, dass Mundlos und Böhnhardt dabei Unterstützer sowohl in Nürnberg als auch in München hatten.

(dapd-bay)


 


 

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