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Urheberrechtsverletzungen

Urheberrechtsverletzungen passieren schnell und können teuer werden

Ein perfektes Bild im Netz gefunden, das auf den nächsten Firmenflyer soll. Heruntergeladen, gedruckt, verbreitet: So mancher Unternehmer denkt sich nichts Böses dabei. Doch schon kann hier die Rechtsfalle zuschnappen.

„Texte, Bilder und Informationen, die in scheinbar endloser Fülle vermeintlich kostenfrei im Internet zu finden und technisch einfach zu kopieren sind, verführen schnell zur Unachtsamkeit, die eine Urheberrechtsverletzung nach sich ziehen kann. Und diese kann sehr schnell sehr teuer werden“, warnt Benedikt Weimer, Rechtsanwalt der Münchner Rechtsanwaltsgesellschaft LKC.

„Praktisch alles, was digital verfügbar und inhaltlich attraktiv ist, unterliegt dem urheberrechtlichen Schutz“, so Weimer weiter. Er verweist auf die zwei Hauptpunkte, die das Urheberrecht seit Jahren bestimmen: „Zum einen haben der Gesetzgeber und die Rechtsprechung die Stellung der Urheber laufend gestärkt. Zum anderen bestehen oftmals relativ niedrige Anforderungen an die Gestaltungshöhe, um für ein Werk einen Urheberrechtsschutz zu erlangen.“ Auch die Verfolgungsdichte in diesem Bereich nimmt aufgrund der von Jahr zu Jahr verbesserten Recherchemöglichkeiten zu. Weltweit wird das Netz von Rechteinhabern gescannt, die auf Verfehlungen lauern.

Verletzung des Urheberrechts kann teuer werden

Wichtig: Für Urheberrechtsverstöße einer Gesellschaft kann der Geschäftsführer auch persönlich haften, und die unerlaubte Verwertung von Werken ist eine Straftat, die nicht nur Geld kostet, sondern unter Umständen auch eine strafrechtliche Verfolgung nach sich ziehen kann.

Der häufigste Fehler, den Unternehmer aus Sicht von Weimer begehen, ist die unachtsame Übernahme von fremden Fotos oder Texten, für die oft überhaupt keine oder inhaltlich nur unzureichende Nutzungsrechte vorliegen, oder aber die unterbliebene Urheberbenennung. Ein Rechteerwerb sollte immer schriftlich dokumentiert werden, um im Zweifel die ordnungsgemäße Rechteeinholung nachweisen zu können. Denn das Risiko einer Rechtsverletzung trägt der Verwender der geschützten Werke. Eine anwaltliche Abmahnung einer solchen Rechtsverletzung kostet schon in einfach gelagerten Fällen schnell mehrere hundert Euro allein für die Anwaltskosten; weitere Schadensersatzansprüche können schnell zu deutlich höheren Beträgen führen. Hinzu kommen gegebenenfalls noch Kosten für die Vernichtung des rechtsverletzenden Materials und eine Neuproduktion.

Eigene Fotos und Software nicht vergessen

Und: „Beim Thema Urheberrecht dürfen auch eigene Inhalte nicht vergessen werden“, erinnert Weimer. „Denn das Urheberrecht gilt grundsätzlich immer, auch in Arbeits- oder Dienstverhältnissen. Die Urheberstellung erlischt nie.“ Arbeitgeber sollten sich laut Weimer schriftlich die Nutzungsrechte sichern, wenn sie beispielsweise für Werbemaßnahmen oder auf der Firmenwebsite Bilder oder Inhalte von ihren Mitarbeitern verwenden, welche nicht in Erfüllung der Verpflichtungen aus dem Arbeitsverhältnis geschaffen wurden.
Eine weitere Fehlerquelle ist die unzureichende Kontrolle und Dokumentation der im Unternehmen eingesetzten Software. Denn auch Nutzungslizenzen fallen unter das Urheberrecht, und in diesem Bereich kann eine Rechteverletzung sehr teuer werden. „Lizenzmanagement darf nicht unterschätzt werden“, mahnt Weimer. „Unternehmer sollten dringend jede im Unternehmen verwendete Software auf vorhandene Lizenzen prüfen und die Lizenznachweise griffbereit aufbewahren.“ Viele aktuelle Softwarelizenzen sind gar nicht so teuer wie befürchtet. Wer sparen will, kann in fast allen Fällen auf eine Vorgängerversion oder Open-Source-Software zurückgreifen, die meist deutlich günstiger und völlig ausreichend ist.

Ganz einfach: Finger weg!

Herauszufinden, wer tatsächlich der Urheber eines Bildes oder Textes im Internet ist, kann unter Umständen schwierig bis unmöglich sein. Es muss nicht immer derjenige sein, der das Material ins Internet gestellt hat. „Deswegen ist die Handhabung fremder kostenfreier Bilder und Texte aus dem Netz eigentlich ganz einfach“, sagt Weimer: „Finger weg!“ Ausnahme: „Man kann eindeutig feststellen, dass das geschützte Werk unter einer Lizenz verfügbar gemacht wird, welche die beabsichtigte Nutzung gestattet.“ Unternehmer sollten sich im Zweifel besser bei einer Bilddatenbank wie Fotolia oder Shutterstock registrieren und die dort angebotenen Bilder nur zu den jeweils beschriebenen Lizenzbedingungen verwenden.

Unternehmer, die selbst ihr Urheberrecht verletzt sehen, sollten unbedingt einen Anwalt einschalten, bevor sie an den Verursacher herantreten. Der „Verletzer“ muss fast immer die Kosten erstatten, soweit die Verletzung tatsächlich gegeben ist – dafür müssen aber alle Vorgänge von Beginn an ordnungsgemäß dokumentiert werden können.

Checkliste

5x mehr Sicherheit im Umgang mit Urheberrechten
1. Hinterfragen: Vor jeder Verwendung fremder Bilder und Texte überlegen: Darf ich das verwenden?
2. Prüfen: Im Zweifel lieber noch einmal prüfen, beim Urheber nachfragen oder die entsprechenden Rechte erwerben.
3. Regeln einhalten: Bilddatenbanken scheinen vielen ein sicherer Weg. Sie sind es auch, wenn man daran denkt, dass auch hier Lizenzen für unterschiedliche Nutzungen erworben werden. Deswegen: Die Bilder nur so nutzen, wie in der Lizenzvereinbarung vorgeschrieben.
4. Quelle nennen: Viele Urheber – auch die von Bildern in den Datenbanken – verlangen, bei der Verwendung ihres Materials genannt zu werden. Nicht vergessen!
5. Dokumentieren: Wer alle Lizenzen, vor allem für Software, griffbereit aufbewahrt, hat im Ernstfall den Nachweis zur Hand, dass keine Urheberrechtsverletzung vorliegt.

(Redaktion)


 


 

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