Interview
10 Fragen zum Thema Bierpreis an Wiesn-Wirt Sepp Krätz
München. Sepp Krätz ist seit 1995 Festwirt im Hippodrom auf dem Oktoberfest, seit 1982 Pächter der Waldwirtschaft in Großhesselohe und seit 1994 Wirt des Andechser am Dom in München. Er ist deutscher Gastronom des Jahres 2011.
business-on.de: Im vergangenen Jahr lagen die Bierpreise in den Zelten zwischen 8,60 und 8,80 Euro. Wie viel wird die Mass Wiesn-Bier auf dem Oktoberfest 2011 bei Ihnen kosten?
Sepp Krätz: 9,10 Euro.
business-on.de: Eine Mass Bier für über neun Euro – wie ist dieser Preis gerechtfertigt?
Sepp Krätz: Am liebsten wäre uns Wirten natürlich ein Stillstand, so wie es vor zwei Jahren war. Wenn man bedenkt, welche Kosten für uns Wirte steigen, ist eine Erhöhung von drei Prozent aber doch moderat.
business-on.de: Welche Ausgaben steigen für die Festwirte?
Sepp Krätz: Die Sicherheitsmaßnahmen mit den Anti-Terror-Pollern sind eine große Investition, die man auf Jahre verteilt zum Teil auch auf den Bierpreis anrechnet. Die Platzgebühren sind teurer geworden, aber auch die Kosten für Versicherungen und Löhne.
business-on.de: Wird der gestiegene Preis den Konsum bremsen?
Sepp Krätz: Ich hoffe nicht. Aber im Verhältnis zu einer Achterbahnfahrt, wo fünf bis acht Euro für drei Minuten ausgegeben werden, hat man von einer Mass Bier ja doch zwei Stunden seine Freude. Noch deutlicher wird das, wenn man bedenkt, dass man meistens etwa vier Stunden im Zelt sitzt, dabei vielleicht zwei Mass trinkt und ein Hendl und eine Breze isst. Dafür muss man bei uns um die 30 Euro ausgeben, das sind weniger als zehn Euro in der Stunde – für Essen, Trinken, Musik und Unterhaltung. Das ist etwas Einzigartiges, sonst würde nicht die ganze Welt kommen. Natürlich klingen neun Euro nach viel Geld, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt – für vier wunderbare Stunden ist der Preis wirklich in Ordnung.
business-on.de: 2008 wurde erst die „Schmerzgrenze“ von acht Euro überschritten, in diesem Jahr fällt die nächste. Wird die Mass bald zehn Euro kosten?
Sepp Krätz: Es gibt keine Schmerzgrenzen. Wenn der Bierpreis jedes Jahr um zwei bis drei Prozent steigt, dann ist das unausweichlich, dass die Mass einmal zehn Euro kostet, damit muss man sich abfinden. In Bayern ist das Bier aber noch günstig im Vergleich zum Norden Deutschlands mit den 0,33-Liter-Gläsern.
business-on.de: Könnte der Preis auch sinken bzw. was muss passieren, damit der Preis wieder sinkt?
Sepp Krätz: Der Einkaufspreis müsste sinken, wir könnten kein besonderes Festbier ausschenken und wir müssten weniger Security anstellen – das wären eine Reihe von Maßnahmen, die auf eines hinauslaufen: schlechtere Qualität. Das wäre nicht wünschenswert.
business-on.de: Welche Auswirkungen hat die Umsetzung des Nichtraucherschutzes für Sie und Ihr Zelt?
Sepp Krätz: Man sieht öfter verwaiste Tische. Die Stimmung leidet, denn wer draußen raucht, verpasst im Zelt etwas. Aber das ist eine Erscheinung, die wir weltweit spüren. Wir haben unseren Raucherbalkon rechtzeitig geplant und er wurde gut angenommen. Viele lassen das Rauchen sogar.
business-on.de: Bier- und Kraftstoffpreise steigen seit Jahren rasant an. Wie schätzen Sie den Einfluss auf die Inflation ein?
Sepp Krätz: Ich kann nur für den Einfluss des Bierpreises sprechen, der ist noch moderat und die Preise für Speisen sind teilweise sogar günstiger geworden bzw. sind schon moderat im Vergleich zu Restaurantpreisen und wenn man bedenkt, welcher Aufwand dafür in den Küchen betrieben wird. Insofern kann ich das nicht einschätzen.
business-on.de: Was halten Sie von dem Vorhaben der Münchner CSU, das Oktoberfest zu verlängern?
Sepp Krätz: Pauschal die Wiesn zu verlängern, ist fraglich. Aber vergangenes Jahr zum Beispiel kam der zusätzliche Montag sehr gut an und wenn die Münchner Gäste das auch in Zukunft möchten, wäre das eine Überlegung wert.
business-on.de: Auch, wenn die Bedingungen dafür ist, zum Beispiel einige Zeit den Bierpreis nicht zu erhöhen?
Sepp Krätz: Stabil können wir die Preise auch mit einem zusätzlichen Oktoberfesttag nicht halten, da wir an dem zusätzlichen Tag dieselben Ausgaben haben.
(Kathrin Hollmer)
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