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Wintersportort ohne Schnee

Milde Temperaturen während der Ski-WM heizen Diskussion weiter an

Hätte den Menschen am Mohrenplatz in Garmisch-Partenkirchen jemand einen Sonnenschirm aufgespannt - es hätte ins Bild gepasst.

Bei Temperaturen wie im späten März sitzen viele Touristen und Einheimische mitten im Februar leicht bekleidet in den Straßencafés. Nebenbei blicken sie entspannt auf die große Leinwand, die die Macher des Schweizer Hauses dort aufgestellt haben. Zu sehen sind dort alle Wettbewerbe der alpinen Ski-WM.

An solche Bilder werden sich die Menschen am Fuße der Zugspitze wohl gewöhnen müssen. Erst recht, wenn tatsächlich in sieben Jahren olympische Medaillen im Werdenfelser Land vergeben werden sollten. Garmisch-Partenkirchen spielt im Konzept der Münchner Olympiabewerbung für die Winterspiele 2018 eine übergeordnete Rolle. Weiße Kunstschneestreifen in grünbrauner Landschaft sind nicht die Bilder vom Wintermärchen, das die Marketingstrategen in die Welt tragen wollen.

"Testspiele im Klee"

"Testspiele im Klee" überschrieb die "Neue Züricher Zeitung" einen Artikel über die hohen Temperaturen in der Marktgemeinde. Der Bürgermeister, Thomas Schmid (CSB), wirkt recht gelassen ob der öffentlichen Diskussionen. Er möchte Olympia unbedingt in die Zugspitzregion holen. "Garmisch-Partenkirchen", sagt der 50-Jährige, "hat in der globalen Erwärmung eine Ausnahmestellung."

Die Sonne meint es auch in diesem Moment gut mit dem Politiker, es ist sogar so warm, dass er keine Jacke über seinem schwarzen Anzug benötigt. In den nächsten 20 Jahren werde die Temperatur an der Kandaharstrecke, wo die schnellen Disziplinen gefahren werden, lediglich um 0,2 Grad ansteigen, sagt Schmid und klingt dabei wie ein Fußballtrainer des Tabellenletzten, der auch zwei Spieltage vor Saisonende vom Abstieg nichts wissen will. "Wir werden hier auch noch in den nächsten 50 Jahren Ski fahren."

Wer mit Schmid spricht, bekommt den Eindruck, dass der spürbare Widerstand gegen Olympia nur eine plötzliche Naturerscheinung sei. Dabei sind die klimatischen Bedingungen eines von vielen größeren und kleineren Problemen. Von den Grundstücksgegnern gar nicht zu reden, die sich weigern, ihre Wiesen freizugeben, treibt viele Menschen die Sorge um, was denn aus ihrem Heimatort werden wird, wenn nach 18 Tagen Olympia wieder der Alltag beginnt. Häufig ist dann von den weiter ansteigenden und schon jetzt horrenden Miet- und Lebenshaltungskosten die Rede, vom bedrohten Arten- und Naturschutz und von Umgehungsstraßen, die die Touristen an dem Kurort vorbei gleich nach Österreich führen würden.

Viele Betten bleiben leer

Einer, der öffentlich auf die Gefahren von Olympia hinweist, ist Thomas Sailer. Er ist Schlitten- und Kutschenführer und während der WM so gut wie arbeitslos. "Ich habe in den ersten neun Tagen nur eine Fahrt gehabt", klagt Sailer. Abgeschreckt von der WM bleiben viele Betten leer, genauso die Pisten - und das in der Hauptsaison.

Ludwig Hartmann, klimapolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag, hält es ohnehin für den falschen Ansatz, Garmisch-Partenkirchen weiter primär als Wintersportort etablieren zu wollen. "Die meisten Touristen kommen doch jetzt schon im Sommer", sagt Hartmann, der auch Sprecher der Gegner-Initiative "NOlympia" ist. Die klimapolitischen Argumente des Bürgermeisters hält er für absurd. Schon jetzt müssten die Pisten im Ziel aufgrund der hohen Temperaturen täglich mit Salz, Wasser und schwerem Gerät nachpräpariert werden. "Vielleicht sprechen wir bei Olympia 2018 davon, wie man die Wiesen von unten her kühlen muss, weil die Schneekanonen nicht mehr ausreichen werden."

Gegen Olympia hätte er eigentlich gar nichts einzuwenden, sagt Sailer beim Blick auf die Kandahar. Es fehle nur eine zweite Bahntrasse. Sonst nichts. Sein simpler Plan lautet: "Die Züge könnten morgens die ganzen Journalisten, Sportler und Zuschauer von München bequem nach Garmisch-Partenkirchen bringen und sie abends auch wieder zurückfahren." Ein kühner Plan.

(dapd-bay Anna Ringle-Brändli)


 


 

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2 Kommentare

von Beobachter
18.02.11 18:49 Uhr
Phantasien

Woher hat Bürgermeister Schmid seine Klima-Kenntnisse?
Das ist reines Wunschdenken!
Man kann seine Äußerungen zu Olympia 2018 nicht mehr ernst nehmen. Aber das betrifft auch OB Ude, MinPräs Seehofer, Bundeskanzlerin Merkel und Innenminister de Maizière.

von ExOlympiabefürworter
20.02.11 17:18 Uhr
Warten wir mal ab

Ja lassen wir uns jetzt mal nach der WM überraschen wir die Volksmeinung ist. Denke das viel die vor der WM für Olympia waren umschwenken werden. Nur ein paar wenige die Profit gemacht haben und priviligiert werden noch dafür sein. Viele der kostenlosen Volounteers haben aber gespannt das sie als Statisten benuetzt wurden und auswaertige Unternehmen sich die Rosinen gepflügt haben dank Gemeinde und WM OK. Warten wir mal ab.

 

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