01.06.2009  17:34 Uhr

Interview mit Bayern Innovativ
Wir stehen immer am Beginn einer neuen Wertschöpfung

München. Die Bayern Innovativ GmbH stellt im Auftrag des Freistaats Bayern Kontakte zwischen Unternehmern her. Auf der Fachmesse "Intersolar 2009" skizzierten der Geschäftsführer der Gesellschaft und der Manager des Clusters "Energietechnik" gegenüber Business-on.de ihre regionale Netzwerkstrategie und erklärten im Interview, worin sie die Stärken und Zukunftschancen Münchens und seiner Region im Energiesektor sehen.

Business-on.de sprach mit:
Prof. Dr. Josef Nassauer, Geschäftsführer der Bayern Innovativ GmbH
Robert Bartl, Diplom-Mineraloge, Management Cluster Energietechnik

business-on.de: Die Bayern Innovativ GmbH vertritt den Freistaat auf der "Intersolar 2009". Was ist die Aufgabe ihrer Gesellschaft?

Prof. Dr. Josef Nassauer: Die Bayern Innovativ GmbH managt als Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer des Freistaats zehn Technologienetzwerke sowie fünf von insgesamt 19 Clustern der Cluster-Offensive der Bayerischen Staatsregierung.

Einer dieser fünf Cluster ist der Cluster Energietechnik mit den thematischen Schwerpunkten Kraftwerkstechnik, Photovoltaik und Energieeffizienz in der Produktion.

business-on.de: Und was genau ist ein Cluster?

Prof. Dr. Josef Nassauer: Ein Cluster sind Firmen und wissenschaftliche Institute einer Region, die Informationen und Erfahrungen austauschen, um in einzelnen Gruppen gemeinsam neue Projekte anzugehen. Wir vom Cluster-Management beobachten, wo Firmen in Bayern gut zusammenarbeiten können, weil sich deren Kompetenzen hervorragend ergänzen. Dazu stellen wir auch fertige Entwicklungen vor. Nicht um sie zu verkaufen, sondern als Anregung für neue Produkt- und Prozessentwicklungen und Dienstleistungen. Wir stehen also immer am Beginn einer neuen Wertschöpfung.

business-on.de: Seit wann gibt es den Cluster Energietechnik?

Prof. Dr. Josef Nassauer: Die Bayern Innovativ wurde bereits 1995 gegründet. Seitdem haben wir Netzwerkstrukturen aufgebaut, die sich auf breitere Themenfelder konzentrieren und über Bayern hinaus - auch international - in die Fläche gehen. 2006 startete die Bayerische Cluster-Offensive, um speziell die Zusammenarbeit zwischen Firmen und Instituten in Bayern zu stärken, indem die Vorteile räumlicher Nähe genutzt und weitere Potenziale regionaler Wertschöpfung erschlossen werden.

business-on.de: Wie steht es um die Finanzierung?

Prof. Dr. Josef Nassauer: Die Bayern Innovativ GmbH erhält eine Grundfinanzierung vom Freistaat. Einen Großteil erwirtschaften wir mit unseren Dienstleistungen selbst, beispielsweise durch Teilnahmegebühren.

business-on.de: Wie viele Akteure sind im Cluster Energietechnik aktiv?

Prof. Dr. Josef Nassauer: Etwa 400 Akteure sind an den unterschiedlichen Themenstellungen des Clusters interessiert und bringen sich regelmäßig inhaltlich ein. Unsere Veranstaltungen ermöglichen den Teilnehmern, Kooperationen anzubahnen. Je nach Veranstaltungstyp liegt die Teilnehmerzahl bei 50 bis 500. Wir unterstützen die Akteure dabei, Kooperationen anzubahnen und neue Projekte zu strukturieren.

business-on.de: Welche Rolle nimmt die Region München in diesem Cluster ein?

Prof. Dr. Josef Nassauer: Eine ganz zentrale! Die energietechnischen Veranstaltungen finden derzeit überwiegend in Nürnberg und in München statt. Unsere nächste Veranstaltungen in München ist das Kooperationsforum „Urbane Nachhaltigkeit“. Dazu laden wir Firmen, Institute und die Kommunen ein, die neueste Entwicklungen und Best-Practice-Lösungen vorstellen bezüglich städtebaulicher Konzepte und für nachhaltige Energieeffizient.

business-on.de: Die Bayern Innovativ GmbH hat ihren Sitz in Nürnberg. Heißt das, Sie richten Ihr Angebot bevorzugt an Unternehmen aus dieser Region?

Robert Bartl, Diplom-Mineraloge, Management Cluster Energietechnik, Copyright: Wolfgang Müller
Robert Bartl, Diplom-Mineraloge, Management Cluster Energie­technik

Prof. Dr. Josef Nassauer: Nein (lacht). Unser Angebot können Unternehmen aus allen Landesteilen nutzen. Ein gutes Beispiel aus dem Bereich Solartechnik ist die Elektro Guggenmos GmbH aus dem Allgäu mit ihrem fünfstöckigen, mit Solarzellen bestückten Holzhaus, das sich nach der Sonne ausrichtet. Das Unternehmen ist nicht nur bei uns auf dem Messestand bei der "Intersolar 2009" vertreten. Der Unternehmensgründer präsentierte sich auch auf unserem Symposium „Holz innovativ“ in Rosenheim, um mit Planern und Architekten aus dem Holzbausektor in Kontakt zu treten.

business-on.de: Wie bringen Sie die kleinen und mittelständischen Unternehmen, innovativer zu werden?

Prof. Dr. Josef Nassauer: Wir versuchen, Anreize zu schaffen. Bei unseren Veranstaltungen bieten wir eine gute Atmosphäre für den fachlichen und persönlichen Austausch. Die Innovationsimpulse kommen speziell dadurch, dass man aktuelle Entwicklungen sieht und erlebt und mit potenziellen Partnern und Entscheidungsträgern ins Gespräch kommt.

business-on.de: Können Sie ein Beispiel nennen, wie durch ihre Hilfe eine Innovation entstanden ist?

Robert Bartl: Über den Cluster Energietechnik wurden beispielsweise drei Firmen zusammengeführt, die gemeinsam eine neue Unterkonstruktion für Photovoltaikmodule entwickelt haben. Hierzu wurde auch der Zugang zu einem staatlichen Förderprogramm erschlossen. Das Produkt ist bereits relativ nah an der Markteinführung. Es ist eines der elf Beispiele der Exponatshow des Clusters Energietechnik auf dem Gemeinschaftsstand Bayern Innovativ auf der Intersolar 2009.

business-on.de: Messen Sie ihren eigenen Erfolg anhand der angeschobenen Projekte?

Prof. Dr. Josef Nassauer: Der Grad dieses Erfolgs lässt sich mit einem Marktplatz vergleichen: Wenn die Leute immer wieder kommen, dann beweist dies, dass sie aus der Teilnahme Nutzen für die eigene Entwicklungsarbeit ziehen. Diese wird aber häufig vertraulich und ohne unsere Begleitung umgesetzt. So berichten wir nur partiell über Ergebnisse und Innovationen, vor allem aber über die Zahl der neu initiierten Vorhaben.

business-on.de: Wie beurteilen Sie die Struktur der Energietechnikbranche in ihrem Cluster?

Robert Bartl: Wir haben viele internationale Player im Bereich Solartechnik, wie etwa Wacker Chemie, Schott Solar und Applied Materials. Sie besetzen unterschiedliche Teile der Wertschöpfungskette. Wacker stellt Silizium für PV-Zellen her, Applied Materials produziert komplette Dünnschichtanlagen, Schott Solar fertigt Wafer, Solarzellen und auch Solarmodule. Auch Siemens und E.On sind sehr wichtige Akteure im Cluster Energietechnik. Im Bereich der Photovoltaik produziert Siemens beispielsweise Wechselrichter. E.On besitzt Großanlagen und ist Netzbetreiber. Dazu kommen in ganz Bayern verteilte Photovoltaik-Systemhäuser, die Anlagen planen und bauen - nicht nur für Bayern, sondern mit einem sehr hohen Exportanteil in alle Welt.

business-on.de: Im Forschungsbereich für Erneuerbare Energien ist Baden-Württemberg mit dem Fraunhofer ISE stark vertreten. Fehlt der Region München ein solcher Leuchtturm?

Robert Bartl: Wir haben das Zentrum für Angewandte Energieforschung in Garching. Es ist von der Größe nicht mit dem ISE vergleichbar, wo sich 750 Angestellte nur der Solarenergie widmen. Wir haben aber in einzelnen Bereichen höchste Kompetenz - beispielsweise in der organischen Photovoltaik. Diese Technologie ist zwar noch nicht im Markt, aber sehr vielversprechend. Des Weiteren haben wir die Hochschule München mit einem großen Bereich Photovoltaik und Großprojekte für höhere Wirkungsgrade im Kraftwerksbereich. Das Projekt „KW 21“ mit Partnern aus Bayern und Baden-Württemberg – insbesondere auch aus der Region München – ist ein Leuchtturm-Projekt beider Länder.

business-on.de: Was sind ihre Ziele für 2009?

Robert Bartl: Wir wollen den Cluster weiter ausbauen und noch mehr Akteure zusammenbringen. Ein neues Instrument sind sogenannte Cluster-Treffs bei Firmen und Instituten, um Entwicklungs- und Fertigungskompetenz vor Ort zu erleben. Im Bereich Photovoltaik wollen wir uns verstärkt auf die organische Photovoltaik konzentrieren. Immer wichtiger wird das Thema Energieeffizienz. Viele Unternehmen fragen sich: Wie kann ich Energie in der Produktion sparen? Über die Produktion hinaus verfolgen wir aktuelle Entwicklungen zur Erhöhung der Energieeffizienz in der Kraftwerkstechnik und binden hierzu die Zulieferindustrie mit ein.

business-on.de: Vielen Dank für das Gespräch.


 

(Wolfgang Müller)

  • Tags:
  • Robert Bartl
  • Josef Nassauer
  • solar
  • Energie
  • cluster
  • Bayern
  • Innovativ
  • freistaat

Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1, 2 © Wolfgang Müller



 


Mehr zum Thema Interviews:

 

Kommentar abgeben »


Kommentar abgeben:
Bei einer Antwort möchte ich per Email benachrichtigt werden an meine Emailadresse: (wird nicht veröffentlicht)
 
Nach obenNach oben
business-on.de München - Das Wirtschaftsportal der Region München.
Infos aus München zu Unternehmen, Gewerbeparks, Existenzgründung, Wirtschaft, Steuern, Recht, Messen, Seminare, Finanzen, Incentives, Restaurants, Golf, Lifestyle uvm.

© 2012 TeamWorker GmbH.  Alle Rechte vorbehalten.


CONTENT für Ihre Webseite RSS Feeds