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Wirtschaftsprognose für 2015

Ein Insider weiß: Darum wird 2015 für die deutsche Wirtschaft ein schwieriges Jahr

In den letzten Jahren hatten viele Branchen Rückenwind und auch im aktuellen Geschäftsjahr erwartet ein Großteil der deutschen Unternehmen Wachstumsraten von mehr als fünf Prozent. Der auf die Themen Strategie, Marketing und Vertrieb spezialisierten Unternehmensberater Andreas Franken prognostiziert allerdings, dass 2015 ein schwieriges Jahr für die deutsche Wirtschaft werden wird.

Business-on: Viele Branchen freuen sich über positive Geschäftsergebnisse und zeigen sich auch in puncto Zukunft optimistisch. Warum glauben Sie daran, dass die positive Entwicklung der letzten Jahre nunmehr endet?

Andreas Franken: Die Anzeichen für ein gravierendes Performance-Problem der deutschen Wirtschaft häufen sich. Während unsere Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2014 nur leicht ins Minus rutschte, hat sich die Auftragslage im August 2014 so stark verschlechtert wie im Jahr 2009. Das aktuelle Minus beläuft sich auf 5,7 Prozent. Im Juli lagen wir noch bei einem deutlichen Plus von satten 5 Prozent.

Business-on: Und wieso glauben Sie, dass sich dieser Trend fortsetzt?

Andreas Franken: Leider basiert die prognostizierte Entwicklung auf soliden negativen Fakten. Einige unserer europäischen Nachbarländer leiden unverändert unter erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Auch wenn viele dieser Probleme unserer Nachbarn aus Expertensicht hausgemacht sind, sind sie dennoch extrem gefährlich für uns. Denken Sie bitte nur an die beiden wichtigen deutschen Wirtschaftspartner Frankreich und Italien. Weitere Krisen wie in der Ukraine und im Irak tragen ebenfalls ihren jeweiligen Teil zur miesen Stimmung bei. Aus diesen und weiteren Gründen halten sich viel zu viele Unternehmen mit ihren Investitionen zurück.

Business-on: Das scheint tatsächlich kein vorübergehendes Phänomen zu sein

Andreas Franken: Ja, leider. Während die Aufträge aus der EURO-Zone um 5,7 Prozent abnahmen, rutschte der übrige Teil der Welt sogar auf ein Minus von 9,9 Prozent. Ausgenommen von alledem sind lediglich Bestellungen aus dem Bereich Konsumgüter. Dort wurde ein Wachstum von 3,7 Prozent verzeichnet.

Business-on: Und was sollen die deutschen Unternehmen Ihrer Meinung nach jetzt tun?

Andreas Franken: Unsere Politiker sind redlich bemüht, die Situation möglichst wenig bedrohlich darzustellen, denn völlig falsch wäre, nunmehr in Panik oder gar in eine Art Angststarre zu verfallen. Fakt ist aber, dass der von Ihnen zu Beginn unseres Interviews erwähnten Optimismus darauf fußt, dass unsere Konjunktur, wie in der Vergangenheit auch, weiter floriert. Demzufolge sind die meisten Unternehmen auf ein Weiter so! und nicht auf dringend erforderliche Anpassungen am jeweils eigenen Geschäftsmodell eingestellt.

Business-on: Was erwartet die Unternehmen denn Ihrer Meinung nach konkret?

Andreas Franken: Meines Erachtens führt die nachlassende Investitionsbereitschaft vieler Kunden zu einem stärkeren Wettbewerb. Viele Leistungsangebote von Unternehmen sind vergleichbar geworden, wodurch zunehmend Druck auf die Preise entsteht. Wie in der Vergangenheit auch werden die Anbieter, denen es an wirksamen Argumenten mangelt, über den Preis verkaufen. Unter dem Strich freuen sich die Einkäufer, denn in 2015 werden sie sicher viele aus ihrer Sicht lukrative Geschäfte abschließen können. Leider zu Lasten der verkaufenden Unternehmen.

Business-on: Müssen die Unternehmen das denn so hinnehmen oder gibt es wirksame Gegenmaßnahmen?

Andreas Franken: Das Problem ist an einem Beispiel schnell erklärt: Wenn Sie morgen einen Boxkampf kämpfen müssten, wäre es heute sicher viel zu spät, mit dem Training anzufangen. Viele Unternehmen hätten sich bereits vor Jahren auf konjunkturelle Veränderungen vorbereiten müssen, waren aber nicht in der Lage, geeignete Konzepte zu entwickeln. Deshalb werden Sie bei Eintritt des skizzierten Szenarios in die Rabattfallen tappen. Hierdurch verlieren sie wichtige Marge und müssen vom „Eingemachten“ leben, sofern etwas da ist. Auf Dauer zukunftsfähig werden meines Erachtens nur die Unternehmen sein, die über die Fähigkeit, die Bereitschaft und die Entscheidungs- bzw. Durchsetzungskraft verfügen, sich immer wieder neu an sich verändernde Rahmenbedingungen anzupassen. Und das möglichst proaktiv.

Andreas Franken ist Unternehmensberater und hat im Laufe seiner Karriere bisher fast 270 Beratungsprojekte durchgeführt. Seine Branchenerfahrung erstreckt sich über 25 Jahre und er veröffentlicht regelmäßig Fachartikel zu Managementthemen, unter anderem auch bei Business-on.de. Zur eigenständigen Optimierung von Unternehmen bietet er auf franken-consulting.org seinen „9-Punkte-Plan“ zum kostenlosen Download.

(Redaktion)


 


 

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