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Zu Guttenberg und die sieben Biere

In München hat der Familienunternehmer Georg Schneider VI. eine trotzige Abrechnung mit der globalen Wirtschaftskrise gefeiert. Höhepunkt einer Münchener Nacht voller geflügelter Worte war der Kurzauftritt von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Über sieben Brücken musst Du gehen, die sieben Weltwunder, die sieben Zwerge hinter den sieben Bergen... Moderator Jörg Dahlmann, dessen Stimme ansonsten aus der Welt des Fernseh-Fußballs bekannt ist, reihte ausdauernd Beispiel an Beispiel, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf die magische Zahl zu lenken. Am Montagabend (27. Juli 2009) gegen 21 Uhr betrat Georg Schneider die Bühne, formulierte sieben Thesen gegen die Krise und zertrümmerte die lebensgroße Statue eines goldenen Kalbes. Eineinhalb Stunden später stellte sein Braumeister die letzte von sieben Weißbiersorten der Firma G. Schneider und Sohn GmbH vor und die Nacht endete in Jazzklängen so, wie sie begonnen hatte. Dem Weizenbier die Schau stahl der Stargast des Abends, Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Das als "Vernissage" getarnte PR-Spektakel stand unter dem Motto "Mit Fantasie gegen die Krise". Unter den 500 bis 1000 Gästen waren etliche Selbständige sowie Geschäftsführer kleiner und mittelständischer Unternehmen, aber auch Schauspieler, Musiker sowie Freunde, Bekannte und Verwandte des Firmenerben. "Vielen Dank, dass Sie durch ihr Hiersein dokumentieren, wie wichtig es Ihnen ist, die Krise zu überwinden." So begann Georg Schneider seinen Vortrag im "Weißen Bräuhaus" in der bayerischen Landeshauptstadt an der Adresse "Tal 7". Was dann folgte, war seine persönliche Abrechnung mit den Ereignissen der Vormonate.

Wenig verschleierte Kritik an Aktiengesellschaften

"Wer entscheiden will, der soll haften - und zwar persönlich". These Nummer drei des Brauereichefs enthielt eine wenig verschleierte Kritik an Bonuszahlungen für gescheiterte AG-Vorstände. Sie entlockte einigen der Versammelten spontane "Bravo"-Rufe. Schneider erklärte, er sei sauer, dass "die Wirtschaft" kolllektiv am Pranger stehe. Die Zeit sei reif für einen Neuanfang. Vier Thesen später musste das goldene Huftier dran glauben: "Es muss Schluss sein mit dem Tanz ums goldene Kalb", rief der Mittvierziger und ließ den Hammer niedersausen. Die Statue zerfiel in Scherben, gleichzeitig fiel ein Vorhang, der ein überdimensionales weißblaues Bierfass mit sieben Zapfhähnen verhüllt hatte.

Bevor das bestellte Jazztrio zu Braumeister Hans-Peter Drexler und in den Werbeteil des Abends überleitete, schaffte es der junge Wirtschaftsminister zu Guttenberg, mit wenigen Worten mehr Bravo-Rufe zu erzeugen, als es Schneider wenig zuvor mit seinen sieben Thesen gelungen war. Dabei sparte sich von Guttenberg tiefgehende Statements und beschränkte sich auf Lob für den Gastgeber. Dieser zeige, wie man auf Kreativität setzt und dabei nicht nur den Börsenkurs im Blick behält. Anschließend nahm der CSU-Politiker freudig ein Hefeweizen entgegen und hielt fest: "Die Münchener Kultur ist eine Bereicherung für Berlin."

Gäste grübeln über Ziele der Veranstaltung

"Eigentlich wussten wir alle gar nicht, worum es heute geht", gab Eric Grieser, geschäftsführender Direktor des Hotels und Restaurants "Villa Hammerschmiede" aus Pfinztal-Söllingen zu. Das Motto "Mit Fantasie gegen die Krise" brachte ihn eher ins Grübeln. "Eigentlich müssen wir die ganze Zeit kreativ sein", sagte er. Den Abend für ein kurzes persönliches Gespräch mit dem Wirtschaftsminister zu nutzen wusste Hans Stark, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Dem Handwerk gehe es im Großen und Ganzen relativ gut, sagte er auf Nachfrage. Während Autozulieferer etwas stärker litten, ginge es der Baubranche besser. Eine Bauunternehmerin, die nicht mit Namen genannt werden will, bestätigte: "Wir haben Arbeit ohne Ende". Die Mischung aus Weißbierfest und Vernissage habe sie nach München gelockt - nicht die Krise.

Traditionelle Biermarken wie Schneider konnten bisher mit sturer Ausrichtung auf Qualität und wenige Sorten überleben. Wie das Statistische Bundesamt vor wenigen Tagen mitteilte, schrumpfte der deutsche Biermarkt in den ersten fünf Monaten 2009 um vier Prozent. So waren möglicherweise die in München neu vorgestellten Weißbiersorten mit Bananen- und Grapefruitaromen das deutlichste Signal für einen Kampf gegen die Krise. Den Kampf einer Traditionsmarke der mittelständischen Bierindustrie.

(Wolfgang Müller)


 


 

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