29.03.2011  13:26 Uhr

Netzsicherheit
Das Energienetz der Zukunft vor Hacker-Angriffen schützen

München. Vom grünen Öko-Haus über eine „Smart Green City“ bis zum länderübergreifenden „intelligenten Energienetz“ – auf allen Ebenen wird in diesen Tagen über die Energieversorgung von Morgen gesprochen. Doch was der Cyber-Angriff aus dem Iran zeigt: Das zukünftige Netz (Smart Grid) muss vor allem vor Hacker-Angriffen geschützt werden – sonst drohen Totalausfälle.

„Das Stromnetz der Zukunft wird über das Internet gesteuert, es muss dementsprechend gegen solche oder ähnliche Attacken gesichert werden“, sagt Bernd Stahl vom Netzwerkausrüster Nash Technologies  im Hinblick auf die Internet-Zertifikate, die einem IT-Sicherheitsunternehmen gestohlen worden sind. 

Die Zukunft der Energieversorgung einzelner Bürger stellt das Nachrichtenportal Spiegel Online vor. In einer Freiburger Wohnsiedlung versorgen sich die Hausbewohner mit eigenem Solarstrom und einem Blockheizkraftwerk. Und sie berichten von ihren Heizkosten: Es sind zum Beispiel 89 Euro – pro Jahr. Umweltbewusstsein und Geldsparen gehen Hand in Hand; Millionen Privathaushalte speisen regenerative Energie ein und läuten damit das Ende der großen Anbieter ein. 

Die „grünen Städte“ nimmt sich aktuell die Berliner Konferenz Ecosummit  vor. Dort stellen Startup-Unternehmer ihre Visionen vor, im Publikum sitzen Wagniskapitalgeber. Rollt hier die nächste Startup-Welle an wie einst Ende der neunziger Jahre? Für die nationale, oder gar europaweite Perspektive sorgt Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. Er stellte vor wenigen Tagen in Brüssel ein Eckpunktepapier zum Stromleitungsausbau vor, der die Versorgung durch erneuerbare Energien sicherstellen soll  – auch wenn diese Nachricht durch sein Pro-Atom-Statement untergegangen ist. 

„Nicht jedes Unternehmen kann einen Serverpark wie Amazon haben“

Weil die Abstimmung zwischen Öko-Häusern, Öko-Städten und letztlich Kontinenten über das Internet erfolgt, sucht die ITK-Branche nach entsprechenden technischen Lösungen. „Damit das Stromnetz weiter funktionstüchtig bleibt, muss es für das neue Ökostrom-Zeitalter gerüstet sein. Die Netzbetreiber benötigen neue Steuerungsinstrumente“, sagt Vordenker Jürgen Schmid, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES in Kassel und hat dabei vor allem die Abstimmung zwischen den schwankenden Energiebringern Wind und Sonne im Blick. 

Gleiches gilt für den Sicherheitsaspekt im „Smart Grid“, dem kombinierten Strom- und Datennetz. „Nicht jedes Unternehmen und nicht Stadt kann einen Server-Park zur Verfügung haben wie Amazon, der praktisch unangreifbar ist. Über die Mindestgrößen wird es noch kontroverse Debatten geben“, sagt IT-Fachmann Stahl. Zu kleine Serverparks können leichter überlastet werden – etwa per DoS-Attacke durch abertausende Anfragen von ferngesteuerten Zombie-Rechnern. Aber auch Stuxnet, der Computerwurm, der 2010 iranische Atomkraftwerke manipuliert und beschädigt hat, zeigt, welche neuen IT-Bedrohungen längst existieren.

Neue Konzepte auf der Hannover Messe?

„Es müssen dringend neue Konzepte entwickelt werden“, Martina Dietschmann, ebenfalls von Nash Technologies in Stuttgart. Neue Lösungsansätze könnten auf regionaler Ebene entstehen. Später müssen sich die Städte und Regionen automatisch gegenseitig helfen: Wird eine Stelle des Netzes angegriffen – zum Beispiel zwischen einem Windpark und Stadt – gehen die Daten einen anderen Weg und bleiben nicht auf halber Strecke hängen. „Das Kontrollnetz braucht genug Redundanz. Und dieser Aspekt ist im Moment noch nicht eingebaut“, sagt Dietschmann. 

Eine Flexibilität, an der auch die deutsche Industrie interessiert sein wird. Ob der Sicherheitsaspekt auf der Hannover Messe Anfang April diskutiert wird, wird sich noch zeigen – auch dort steht die Energieversorgung der Zukunft auf dem Programm .


 

(Gunnar Sohn ne-na.de)

Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Olaf Schneider / pixelio.de / pixelio.de



 


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