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  • 06.11.2012, 10:43 Uhr
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  • Westerkappeln/Wersen
125 Jahre Volksbank

„Der Euro ist eine Einbahnstraße“

Der frühere Bundesbankpräsident Prof. Dr. Dr. Hans Tietmeyer spricht beim Festakt zum 125-jährigen Bestehen der Volksbank Westerkappeln-Wersen.

Der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank Prof. Dr. Dr. Hans Tietmeyer warnt vor einem Zerfall des Euro. Ein Zurück zur Deutschen Mark darf es nach Meinung des 81-jährigen keinesfalls geben. Vor solchen Tendenzen warnte er am Samstag eindringlich bei seinem Festvortrag zum 125-jährigen bestehen der Volksbank Westerkappeln-Wersen.

Tiermeyer – von 1993 bis 1999 – oberster Währungshüter der Republik – hat nach eigenen Worten zwar von Beginn an auf die Risiken der gemeinsamen Währung hingewiesen, an deren Zustandekommen er bereits als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium (1982 bis 1989) maßgeblich beteiligt war. Jedoch sieht er sich nicht als Gegner der gemeinsamen Währung.

»Ein Zurück in die Vor-Eurozeit wird es ohne Kollaps nicht geben«

Dass der Euro in Schwierigkeiten geraten ist, ist nach Tietmeyers Überzeugung vor allem dem Umstand geschuldet, dass die Mitgliedsstaaten keine gemeinsame Wirtschaftspolitik haben. Schon Ende der 1960er Jahre habe er im Zuge der Weiterentwicklung der damaligen Sechsergemeinschaft der EWG gemahnt, dass eine Wechselkursunion auf Dauer nicht ohne politische Union auskomme. Doch dazu sei es nie gekommen.

1992 sei die Europäische Gemeinschaft mit den Maastrichtverträgen, die Geldwertstabilität und Haushaltskontrolle festschrieben, durchaus auf dem richtigen Weg gewesen. Doch nach Einführung des Euros seien diese Prinzipien ausgehöhlt worden, insbesondere durch Deutschland und Frankreich erläuterte Tietmeyer.

»Dem Beitritt Griechenlands hätte ich niemals zugestimmt«

Hinzu kamen Defizite wie die zu großzügige Auswahl der Teilnehmerländer. „Dem Beitritt Griechenlands hätte ich niemals zugestimmt.“ Keiner habe den Mut gehabt, ein wirksames Kontrollsystem für die Haushaltspolitik der einzelnen Staaten einzurichten. Die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone, die zunächst positiv erschien, sei nie ernsthaft diskutiert worden. „Das Ergebnis war, dass die Fiskalpolitik aus dem Ruder lief“, erklärte der frühere Bundesbankpräsident. Die Staatsschulden wuchsen. Durch die weltweite Bankenkrise wurde das dann offenkundig.

Wie aber geht es nun weiter ? Die Aussage von Bundeskanzlerin Merkel, „Wenn der Euro stirbt, stirbt Europa“ sei vielleicht eine Vereinfachung, im Grundsatz aber richtig. „Der Euro ist eine Chance und eine Herausforderung. Er ist aber auch eine Einbahnstraße“, erklärte Tietmeyer. Denn ein Zurück in die Vor-Eurozeit werde es ohne Kollaps nicht geben. Vorschläge für eine Transfer-, Haftungs- oder gar Schuldenunion erteilte Tietmeyer nicht generell eine Absage, denn sie beinhalteten auch den Weg zu einer politischen Union, die jedoch kurzfristig nach Tietmeyers Überzeugung nicht möglich ist. Er plädiert bis dahin für die Schaffung einer unabhängigen Kontrollinstanz. „Wichtig ist eine Durchsetzungsfähigkeit im Konfliktfall.“

Die gemeinsame Währung bleibe für Europa von zentraler Bedeutung, meinte der frühere Berater von Bundeskanzler Kohl. Auch wenn es Fehler bei der Umsetzung gegeben habe, „hat der Euro Europa nach vorne gebracht.“ Ein Zusammenbruch würde die Rolle Europas in der Welt beeinträchtigen und den Wohlstand auch in Deutschland gefährden, warnte Tietmeyer. „Das ist auch für die Volksbank in Westerkappeln von Bedeutung. Denn sie liegt nicht außerhalb Europas.“

(Redaktion)


 


 

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