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  • 20.05.2015, 09:07 Uhr
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  • Münster / Münsterland
136. Treffen des MBC

Paris abseits der Postkarten in Münsters Picasso-Museum

Paris ist bekannt als (die) romantische Stadt der Liebe, die unendlich viele Fotografen zu sattsam bekannten typischen Postkartenmotiven inspirierte. Diese schönen Seiten der französischen Hauptstadt zeigt das Picasso-Museum auch in seiner neuen Fotoausstellung, in die das 136. Treffen des MünsterBusinessClubs (MBC) führte.

Im Fokus von „Paris im Blick – Eine Stadt und ihre Fotografen“ steht aber ein völlig ungeschminkter und freier Blick einiger Weltklasse-Fotografen auf die Metropole an der Seine. Ungewöhnliche Einblicke eröffnen sich dem Betrachter, quer durch die Zeiten und die Stile. Das erlebten jetzt auch rund 40 Mitglieder des MünsterBusinessClubs (MBC) bei einer exklusiven Führung am 12.Mai.

Von Bordsteinschwalben, Flaneuren, Ermittlern und Fließbandarbeitern

Die rund 400 präsentierten Fotografien (in der Führung gab es ein kurzweiliges „Best of“ der Originalabzüge) spannen einen Bogen von der Belle Époque um 1900 (Eugène Atget) bis in unsere Tage. Bekanntes wie die Kathedrale Notre Dame oder der Triumphbogen erscheinen im Blickwinkel der Postmoderne befreit vom touristischen Kitsch. Gassen, Flaneure, Geschäfte, Schaufenster (auch eine Erfindung aus Paris) zeigen den urbanen Alltag aus vielen Jahrzehnten. Verborgene Räume öffnen sich.

„Der erotische Blick“ auf die Stadt lässt es ordentlich knistern, was auch bei den MBC-Frauen gut ankommt. „Traumhafte schöne und auch vom Interieur stilvoll eingefangene Aufnahmen“ entdeckt zum Beispiel Patricia Beatrice Behrends (Kumon Lerncenter Münsterland, unterrichtet in Mathematik und Englisch) beim Rundgang. Die Gegensätze sind groß: Künstler wie der gebürtige Ungar Brassai (1899-1984) belichten Spelunken und Hinterhöfe, Pierre Jouve erschütternde, so noch nie gesehene Fotografien aus dem Pariser Polizeialltag 2009. Dazu gesellen sich jede Menge fotografische Stillleben abseits der großen Boulevards. „Mir fällt auf, dass auf einigen Paris-Bildern gar keine Menschen zu sehen sind“, sagt MBC-lerin Renate Mackowski (Kumon Lerncenter Münster-Mitte), „das Lebendige fehlt, dennoch sind die Fotografien stimmungsvoll.“

Ausführlich studieren die MBC-ler auch die detailreichen und perspektivisch raffinierten Industriefotografien aus den Renault-Werken. Der Automobilkonzern nannte sogar eine Ziegelei sein eigen, um seine Gebäude zu errichten. Paris als Stadt in industrieller Blüte. Dann der harte Kontrast: Bilder aus der Zeit der NS-Okkupation (1940 bis 1944) zeigen Paris als Stadt in Angst, aufgenommen vom „Hoffotografen des Führers“, Heinrich Hoffmann. Die gebürtige Französin Patricia Beatrice Behrends findet es „mutig“ und „gut“, dass die Ausstellung diesen kritisch-offenen Blick auf die Zeit des Zweiten Weltkrieges legt.

Die Geschichte der Fotografie beginnt in Paris ihren Siegeszug

Auch zur Entwicklung der Fotografie, die 1839 in Paris vorgestellt wurde, gibt es einiges zu entdecken, wie etwa ausdrucksstarke übereinandergelegte Fotos aus dem Jahre 1931, tiefste Schwärze („Paris Nuit“), oder die Stereoskopie (2D-Raumbilder). Spannend ist die Geschichte der leicht unscharfen Fotografien von Shinzo Fukuhara. Sie stammen aus "Paris et la Seine" aus dem Jahr 1922, einem der seltensten Fotobücher der Welt - nur ein Exemplar ist nach einem Brand davon erhalten geblieben. MBC-ler Rainer Schön (Private Banking Berater) beeindruckt es sehr, Paris „aus für mich völlig neuen Perspektiven erleben zu können“.

„Mapping Paris“ verortet Picassos Pariser Jahre

Die beiden Museum-Guides Sabrina Langmann und Liza Schlichting führen eloquent und tiefsinnig durchs Picasso Museum (Rainer Schön: „gut und überschaubar.“) und schenken den MBC-lern am Ende noch eine kleine, aber feine Schnellrunde durch die neue Picasso-Schau „Mapping Paris“. Diese zeigt eine geografische Chronologie von Paris-Einwohner Pablo Picasso an seinen verschiedenen Wirkungsorten – von dem heruntergekommenen Künstlerhaus Bateu-Lavoir am Montmartre, in dem Picasso den Kubismus entwickelte, bis hin zur mondänen Rue des Grands-Augustins, wo Picasso auf den Spuren von Balzacs Kunstfiguren wandelte.

Von Trio und der Lady in Red

Nach diesen vielfältigen künstlerisch-kreativen Inputs herrscht beim anschließenden Networking im Marktcafé am Domplatz unter den Business-Damen und -Herren besonders gute Stimmung. Ein MBC-ler verrät Constanze Wolff, dass er oft verwechselt würde. „Mit einem Spanier oder Franzosen?“, fragt die Mitorganisatorin des gelungenen Treffens. „Nein, mit Stephan Remmler.“ Und die Runde am Tisch fragt neugierig, aber irritiert: Stephan wer? „Na der Sänger von Trio, Da-Da-Da.“ Alle lachen herzhaft und manche summen leicht mit.

Visitenkarten werden fleißig ausgetauscht, die Stimmung ist sehr gut. Alte Hasen unterhalten sich mit neuen Gesichtern. An diesem Abend sind einige Debütanten dabei, darunter auch die beiden Freundinnen Renate Mackowski („Ich fand auch die Geschichte der Fotografie anhand verschiedener Paris-Einblicke und -Ausblicke sehr spannend.“) und Patricia Beatrice Behrends aus Rosendahl. Ganz in Rot passt Behrends Mantel nicht nur für den MBC-Fotografen Rüdiger Vierhaus wunderbar zum Farbambiente der Picasso-Ausstellung. Ihre charmante Fröhlichkeit steckt das Plenum an. Die gebürtige Französin und Neu-Münsterländerin entdeckt „ihr“ Paris „völlig neu“ und genießt die ungezwungene, offene und sehr inspirierende Stimmung des MBC-Networkings: „Ich freue mich schon auf die nächsten Veranstaltungen.“

(Peter Sauer)


 


 

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