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  • 22.06.2015, 11:02 Uhr
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  • Münster / Münsterland
137. Treffen des MBC

Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung - rechtzeitig gewappnet sein

Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung sind ein Thema, das man gerne und lange vor sich herschiebt. Erst recht, wenn es einem doch eigentlich ganz gut geht. Das geben einige Zuhörer vor dem Vortrag von Margret Homann am 11. Juni im Theatercafe unumwunden zu. Nur vier von 45 Zuhörern des 137. Treffens des MünsterBusinessClub haben bereits eine Vorsorgemaßnahme abgeschlossen.

Nicht wenige wollen aber bald möglichst Vorsorge treffen. Das ist auch Margret Homann wichtig, ja es ist ihr eine „Herzensangelegenheit“, wie sie in ihrem Referat immer wieder betont, indem sie das Publikum direkt anspricht: „Schließen Sie eine Vorsorgemaßnahme ab. Alles andere ist fahrlässig!“

Ihr Berufsalltag als Banker (Direktorin Merck Finck & Co, Privatbankiers, Vermögensbetreuung Niederlassung Münster) zeige ihr immer wieder, wie wichtig passgenaue Vorsorgemaßnahmen sind. Ihr leidenschaftlicher Appell ans Auditorium: „Schließen Sie jetzt eine Vollmacht ab. Nur so bleiben sie auch geschäftsfähig!“

Das ist nicht nur wichtig für Gesellschafter oder Ehepartner. Plastisch erläutert Homann dies auch am Schicksal eines Koma-Patienten, dessen Handyvertrag über einen längeren Zeitraum teuer weiter lief oder am Beispiel von Steuerzahlungen, bei denen das Finanzamt automatisch abbucht. Das Thema Sterbebegleitung sei gerade bei Alleinlebenden sehr empfehlenswert, sagt Homann. Die Handlungsunfähigkeit kann auch durch einen Autounfall eintreten und somit auch jüngere Menschen tagtäglich treffen.

Einen adäquaten Bevollmächtigen braucht man allemal

Die freiberufliche Dozentin (Frankfurt School of Finance and Management) und Expertin für Finanzthemen informiert auf sehr praxisorientierte Weise mit reichhaltigen Details und vielen individuellen Tipps. Denn ob Alter, Krankheit , oder Unfall: wenn man selbst nicht mehr dazu in der Lage ist, zu entscheiden, was medizinisch unternommen werden soll, braucht man einen persönlichen Bevollmächtigen. Und das sollte vorher geklärt sein, wer das genau ist und welchen Status er bekommt, beziehungsweise welches juristische Verfahren man konkret wählt. „In vielen Fällen haben wir so die Möglichkeit, einer Fremdbestimmung vorzubeugen.“

Bevor sie zu den einzelnen unterschiedlichen Möglichkeiten kommt, für den Notfall eine adäquate Vertretung (nach Alter und Gesundheit) zu haben, macht Homann darauf aufmerksam, dass man zuvor fundiert klären muss, ob die ausgewählte Person diese Verantwortung auch wirklich will (und nicht einfach nur bequatscht wurde), ob sie es auch fachlich und emotional hinkriegt (persönliche Versiertheit) und ob sie wirklich auch absolutes Vertrauen genießt – ganz gleich welche Vollmacht oder Verfügung man nun im Einzelnen wählt.

Mehrere Bevollmächtige für verschiedene Aufgaben zu bestellen ist auch eine gute Möglichkeit, die Verantwortung auf verschiedene starke Schultern zu verteilen. Auch wenn es gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, rät Homann dazu, den oder die Bevollmächtigten immer mit unterschreiben zu lassen. So wird richtig klar, ob der Bevollmächtigter der wichtigen Aufgabe gewachsen ist. Eine Kopie an den Bevollmächtigen sei auch nicht verkehrt.

Vorsorge ist die bessere Nachsorge

Wichtig ist auch, dass man genau darüber nachdenkt, was man regeln will. Und ob man getrennte Regelungen für Firma und privaten Bereich braucht. „Schema F“ gibt es bei den Vorsorgemaßnahmen nicht. Klarer Tipp von Homann: „Schließen Sie alle potentiellen Missverständnisse von vornherein aus.“ Ein offenes Gespräch mit der Familie über die eigenen Wünsche ist sicher nicht verkehrt.

Der Bevollmächtigte sollte rechtzeitig und persönlich über seine Aufgaben informiert werden. Gegebenenfalls ist eine finanzielle Aufwandsentschädigung ratsam. Bei nicht einfach überschaubaren persönlichen oder beruflichen Strukturen empfiehlt es sich, einen Notar hinzuzuziehen. Wichtig sei auch, sich im gesunden Zustand vorzustellen, wie man bei einem Krankheitsfall oder bei einem Unfall denken und empfinden würde. Wenn schon eine schwerwiegende Erkrankung vorliegt, ist es ratsam die Patientenverfügung mit einem Arzt zu besprechen.

Der helfende Ordner

Da man nie weiß, wann der „Fall der Fälle“ genau eintritt, rät Homann dringend dazu, einen Vorsorge-Ordner anzulegen und diesen griffbereit aufzubewahren. „Damit erleichtern Sie sich und anderen das Leben enorm.“ Der Notfall-Ordner (auch mit allen Lastschriften, monatlichen Abbuchungen und Medikamentenliste) sollte zentral, aber sicher deponiert sein. „Bitte nicht in einer Online-Cloud“, mahnt Homann. Auch nicht auf USB-Sticks! Warum? „Jeder PC macht eine Sicherheitskopie von den Texten des Sticks. Computerhacker können die einfach herausbekommen.“ Bestehende Vollmachten sollte man immer mal wieder überprüfen, ob sie noch zur jeweils aktuellen Lebenssituation passen und dann gegebenenfalls ändern.

Die Generalvollmacht

Nicht mit juristischen „Fachchinesisch“, sondern mit auch für den Laien gut verständlichen Beispielen stellt Margret Homann im Verlauf des Abends die einzelnen Vorsorgemaßnahmen vor. Mit einer Generalvollmacht wird eine dritte Person ermächtigt, jemanden in allen Rechtsgeschäften zu vertreten. Einige medizinische Entscheidungen werden jedoch so nicht abgedeckt, etwa bei besonderen Operationen.

Vorsorgevollmacht

Mit einer Vorsorgevollmacht wird eine andere Person bevollmächtigt, im Falle einer vorübergehenden Notsituation oder Sondersituation, alle oder auch nur bestimmten Aufgaben in Vertretung zu übernehmen. Für Homann ist der Fall klar: „Jeder sollte eine Vorsorgevollmacht haben, wenn er ein hohes Maß an Selbstbestimmung wünscht.“ Mit der Vorsorgevollmacht kann man auch eine Patientenverfügung durchsetzen. „Allen nicht verheirateten Lebensgemeinschaften empfehle ich eindringlich, eine Vorsorgevollmacht zu erteilen, um die Interessen des Partners vertreten zu können.“ Die Vorsorgevollmacht gilt in der Regel auch über den Tod hinaus.

Patientenverfügung

Deutlich persönlicher und emotionaler ist die Frage einer Patientenverfügung. Damit wird einer anderen Person im Voraus Weisung erteilt, wie der Betroffene als Patient ärztlich behandelt werden möchte, sollte er nicht mehr in der Lage sein, dies selbst zu äußern. Zehn Millionen Deutsche besitzen laut Homann bereits eine Patientenverfügung.

Betreuungsverfügung

Eine gesetzliche Betreuung kommt erst dann zum Einsatz, wenn diese durch ein Betreuungsgericht angeordnet wird. Mit der Betreuungsverfügung besitzt man ein Vorschlagsrecht, wen man im Falle einer Betreuung als Betreuer konkret wünscht. Mit Erteilung einer Vorsorgevollmacht kann man die Betreuung mitregeln.

Standards statt Floskeln

Margret Homann warnt eindringlich vor Selbstformulierungen. „Die Gefahr: Diese sind meistens nicht eindeutig genug. Verwenden Sie besser amtliche Vordrucke, etwa der Justizministerien. Das sind geprüfte Standards.“ Und die bekommt man nicht selten bei den Justizbehörden kostenlos im Internet.

Auf die Frage eine Zuhörerin antwortete Homann, dass man immer allgemeingültige Vollmachten und Vordrucke benutzen sollte und nicht jene, welche einige Banken selber publizieren. Dezidiert beantwortet Homann die zahlreichen sehr persönlichen Publikumsfragen, die wir aus Gründen des Datenschutzes hier jetzt nicht wiedergeben.

Insgesamt kam ihr Vortrag beim Publikum sehr gut an. Nicht wenige MBC-ler wollen im Anschluss handeln und ihre Vorsorgevollmacht sowie Patientenverfügung in die Wege leiten. „Die Referentin hat mich sehr gut sensibilisiert und auf potentielle Gefahren hingewiesen“, bilanziert etwa eine Zuhörerin. „Gut fand ich, dass sie alles sehr bodenständig und gut nachvollziehbar erklärt hat“, ergänzt ihre Sitznachbarin.

(Peter Sauer)


 


 

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