Weitere Artikel
  • 16.04.2014, 08:58 Uhr
  • |
  • Münster / Münsterland
140-Millionen-Euro-Bauwerk

Neue Zwillingsschleuse für den Binnenverkehr eingeweiht

Das Wort „Jahrhundertbauwerk“ fiel gleich mehrfach. Nicht ohne Grund: Wer sich näher mit der Binnenschifffahrt auskennt, für den ist der über 100 Jahre währende Betrieb einer Kanalschleuse nichts Außergewöhnliches.

Entsprechend groß wurde am Dienstag in Münster ein Bauwerk gefeiert, das ganz am Anfang seiner (erhofften) Lebenserwartung von 100 Jahren und mehr steht. Die Rede ist von der neuen Zwillingsschleuse am Schifffahrter Damm.

Das Mega-Projekt hat 140 Millionen Euro gekostet – und weil es einen so wichtigen Baustein im Ausbau des deutschen Kanalnetzes darstellt, nahm auch ein Staatssekretär aus Berlin die Einweihung vor. Gemeint ist Enak Ferlemann (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium.

Er skizzierte mit wenigen, gekonnten Strichen über die bundesdeutsche Landkarte, warum der Ausbau des Dortmund-Ems-Kanals eine so hohe, ja eine nationale Bedeutung habe: einen zweilagigen Container-Schiffsverkehr zwischen Rhein und Oder nannte er als Ziel des milliardenschweren Ausbaus der Wasserwege. Dem Dortmund-Ems-Kanal in Verbindung mit dem Mittelland-Kanal komme dabei eine überragende Bedeutung zu, weil sie neben der Ost-West-Anbindung auch die Flüsse Rhein, Weser und Elbe verknüpfe.

Verkehrspolitische Bedeutung des Kanals

Spätestens an dieser Stelle war klar, dass Ferlemann auch den Kanalausbau im Stadtgebiet von Münster ansprechen würde. Ja, so sein Credo, der Neubau von acht Kanalbrücken sei unumgänglich, aber der Bund werde alles dran setzen, bis 2022 fertig zu sein.

„Wir haben auch schon mal über 2017 gesprochen“, erinnerte Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe daran, dass die Bundesregierung beim Kanalausbau früher stärker auf das Tempo gedrückt habe. Lewe bestätigte ausdrücklich die hohe verkehrspolitische Bedeutung des Kanals. Angesichts der enormen Beeinträchtigen, die Münsteraner in der Phase des Ausbaus auf sich nehmen müssten, sei ein rascher Baufortschritt das beste Mittel, um die Akzeptanz der Bevölkerung zu erhalten.

Dass aber auch ein Verzicht auf Schiffsverkehr mit Belastungen verbunden ist, machte Dr. Wolfgang Hönemann deutlich, Vertreter der deutschen Binnenschiffer. Allein die an der münsterischen Schleuse täglich abgefertigten Schiffe würden 2000 Lkw-Ladungen überflüssig machen.

Eckwerte der neuen Zwillingsschleuse in Münster

Die neue Zwillingsschleuse in Münster überwindet einen Höhenunterschied von 6,20 Meter. Südlich der Schleuse liegt der Kanal bei 56,50 Meter über Normal-Null, nördlich der Schleuse bei 50,30 Meter.

Die Besonderheit der neuen Schleuse besteht darin, dass zeitgleich jeweils zwei Schiffe in nördliche (Talfahrt) beziehungsweise in südliche Richtung (Bergfahrt) geschleust werden können. Dazu wird schlicht das Wasser von einem Becken ins andere gepumpt. Jede Schleusenkammer ist 190 Meter lang und 12,50 Meter breit. Die erste der beiden neuen Kammern wurde von 2004 bis 2009 gebaut, die zweite von 2009 bis 2014. Bei dem Neubau kamen 112 000 Kubikmeter Stahlbeton zum Einsatz, der Bodenaushub betrug 208 000 Kubikmeter. Überdies wurden 3100 Tonnen Spundwände eingebaut.

(Klaus Baumeister, WN)


 


 

Münster
Binnenschifffahrt
Schleuse
Zwillingsschleuse
Ausbau
Bedeutung
Kanalausbau

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Münster" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: