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  • 20.04.2016, 08:30 Uhr
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  • Münster / Münsterland
149. MBC-Treffen

Zeichnen als Mittel täglicher Beobachtung

Zu Besuch bei Le Corbusier im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

Ganz exklusiv erlebten rund 40 Mitglieder des Münster Business-Clubs (MBC) beim 149. MBC-Treffen am 13. April das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster bei zwei abendlichen Sonderführungen. XING-Moderatorin Constanze Wolff hatte dieses Event organisiert. Die beiden Museum-Guides Inge Milkowski und Liza Schlichting führten durch die Sonderausstellung "Le Corbusier – Zeichnen als Spiel". Sie ist mit 146 Exponaten (121 Zeichnungen und 25 Objekte, wie Gläser, Muscheln und Steine) die weltweit größte Schau des zeichnerischen Werkes des berühmten Schweizer Architekten, Stadtplaner, Möbeldesigner und Bildhauer Le Corbusier (1887-1965). Der hieß eigentliche Charles-Édouard Jeanneret-Gris. Sein Pseudonym Le Corbusier nahm er in Anlehnung an den Namen seiner Urgroßmutter Lecorbésier und des französischen Wortes Corbeau (deutsch: Rabe) ab 1920 an.

Muscheln und Seeschnecken als Maßstab

Für den „Wegbereiter der architektonischen Moderne" war Zeichnen ein wichtiges Mittel täglicher Beobachtung: „Auf der Suche nach den Geheimnissen der Form habe ich unaufhörlich gezeichnet und gemalt“, hatte Le Corbusier einmal seine künstlerische Arbeit erläutert. „Nur in Zeichnungen kann ich meine Empfindungen am Besten ausdrücken.“ Die MBCler erleben in der Ausstellung farb- und formintensive Aquarelle, Studien für Wanddekorationen sowie zahlreiche Bleistift-, Graphit- und Pastell- sowie Tusche-Zeichnungen, insgesamt aus sechs Schaffensjahrzehnten: von den ersten Reiseskizzen, über seine „puristische“ Formsprache (Form und Farbe versteht er unabhängig von einander) bis zum Spätwerk. Für Le Corbusier, der als Architekt für die Menschen nach strengen geometrischen Formen plante und baute, gab es als Zeichner nichts Schöneres als Muscheln und Seeschnecken: „Sie sind die Harmonie selbst. Diese Objekte beherbergen die Gesetze der Natur und drücken sie aus.“ In der sich spiralförmig gewundenen Schneckenform findet Le Corbusier jene ideale Naturform wieder, die für ihn als "Substanz ganz Mathematik" ist. Die Schnecke wird auf diese Weise zu einem zentralen Objekt für eine neuartig orientierte Architektur. Die Moderne wird dabei nicht zurückgenommen. Stattdessen erfährt sie in der Bezugnahme auf die Natur eine andere Ausrichtung. Das lässt sich deutlich an der Kirche von Ronchamp ablesen, die einer überdimensionalen Muschel ähnelt.

Mal mit Fliege und Morgenrock – mal das Oberhemd brustbreit offen.

Auffällig war der besonders individuelle Lebens-und Kleidungsstil, den Le Corbusier pflegte und hegte. MBClerin Renate Mackowski (Kumon Lerncenter Münster-Mitte) findet es toll, dass er auch in einer 3,66 Meter mal 3,66 Meter großen Holzhütte äußerst bescheiden einige Zeit seines Lebens verbrachte. Seine Kleidung wählte er je nach Anlass aus. In Geschäftssachen posierte er in seiner „Architekten-Uniform“, im Anzug mit Fliege. Filzpantoffeln und Morgenrock trug er als privater „Haus-Dandy“; ein kariertes amerikanisches Holzfällerhemd beim Posieren in der freien Natur. Steht er neben dem französischen Maler Fernand Léger, trägt er wie dieser eine Schirmmütze. Ging es nach Russland trägt er sichtbar schlechte und zerknitterte Kleidung. Ganz leger zeigte er sich gemeinsam mit seinem Weggefährten Pablo Picasso. Als ob sie ein Wettstreit machten, wer von beiden Männern sein Oberhemd am weitesten öffnete und so große Einblicke auf die nackte Männerbrust freigab. Es war schließlich Le Corbusier, der kaum einen Hemdknopf geschlossen hielt.

Von Farben und Formen

Um 1910 beginnt Le Corbusier seine rege Reisetätigkeit und bannt viele Landschaften aufs Papier. Mal impressionistisch in Italien, mal expressionistisch in Potsdam oder in Frankfurt am Main. Er experimentierte gerne mit Farben und deren Wirkung an Gebäuden. Basis waren hierfür 80 Farbpigmente, aus denen er 63 harmonische Farbtöne entwickelte. Eine Zeitlang häuften sich vertikale Formen in seinen Bildern, die sich dann in ähnlicher Anordnung in den Trennwänden und Treppen seiner Pariser Villen wiederfanden. So schätzt zum Beispiel MBC-Mitglied Dennis Hoppe (IT Consulting dhoppe) aus Münster an Le Corbusier „seine Vielseitigkeit“: „Man bekommt mal andere Sichtweisen auf Räumlichkeiten. Das belebt.“

Der Architekt und Josephine Baker

Le Corbusier reiste viel, besuchte Bordelle und hielt in Notizbuch-Aquarellen seine Eindrücke fest. Er malte nackte, einander zärtlich zugewandte Damen und die gerne monumental-üppig. Die Frau, die er heiratete, hieß Yvonne, wurde von ihm „meine kleine Vovon" genannt und war Hutmodel. Die Tänzerin Josephine Baker lernte er 1929 auf einer Schiffsfahrt von Buenos Aires nach Rio kennen. Backstage. Sie tanzte in ihrer Schiffskabine vor ihm, ganz alleine, ganz nackt – ohne den legendären „Bananen-Rock“. MBC-Mitglied Dr. Wiebke Borgers (Kommunikation & Beratung) aus Gremmendorf, gefällt die Ausstellung sehr: „Das gibt es wunderbare Bilder, vor allem von Frauen , die Le Corbusier sehr facettenreich auf Papier gebracht hat, mit jeder Menge geballter Lebenslust.“ Ähnlich auch das Feedback bei Diplom- Kaufmann Jörn List, Senior Consultant CBRE, Budapest: „Sehr interessant sind die vielfältigen Formen, seine Beschäftigung mit den Frauen und die jeweiligen Farbgestaltungen.“ Le Corbusier orientierte sich bei den Farben an der Natur. Blau schuf Weite, Rot festigte sich in der Fläche, Grau brachte Ruhe, Weiß machte sichtbar. Le Corbusier`s philosophischer Lebensfokus auf „Frauen und Musik“ und sein nonkonformistischer Lebensstil spricht MBC-Mitglied Lennart Berg (move – Studentische Unternehmensberatung e.V.), der Wirtschaftsingenieurswesen an der Uni Münster studiert, sehr an: „Das mit `Frauen und Musik` ist ein zeitlos gutes Motto. Er hat seine Kunst gelebt. Wunderbar authentisch.“

Lebendiger Gedankenaustausch

Nach diesen vielfältigen künstlerisch-kreativen Inputs herrscht beim anschließendem Networking im Marktcafé am Domplatz unter den MünsterBusiness-Damen und Herren besonders gute Stimmung. Die Ausstellung macht Hunger auf Elsässer Flammkuchen und blattfrische Salate und natürlich jede Menge Plaudereien. Isolde Bäcker war mit ihrem Ehemann und beruflichen Partner Dr. Thomas Bäcker (Vitality Company) während der Ausstellung in der Besuchergruppe von Museumsguide Liza Schlichting: „Unsere Gruppe hatte gutes Stehvermögen. Keiner hat sich in den Räumen hingesetzt. Unsere Museumsführerin hatte eine tolle Eloquenz in der Sprache.“ Auch wenn in der Gruppe von Museumsguide Inge Milkowski die Teilnehmer die Sitzgelegenheiten in den Räumen sehr zu schätzen wussten, schließlich hatte man ja auch einen Arbeitstag hinter sich, zieht beispielsweise Renate Mackowski (Kumon Lerncenter Münster-Mitte) ein ebenfalls sehr positives Fazit: „Unsere Museumsführerin war klasse und bestens informiert. Wir haben sehr viel erfahren über Le Corbusier, seine Art zu Zeichnen und zu Leben.“ Cyrus Tahbasian, Designer (IDEART Agentur) aus Roxel schätzt das Netzwerken beim Münster Business Club: „Man lernt hier sehr viele nette, aufgeschlossene Menschen kennen und man kommt gut ins Gespräch. Die Stimmung ist klasse.“ Ein ähnliches Fazit zieht Claudia Holtkemper, Geschäftsführerin CLAAS Selbstfahrende Erntemaschinen GmbH mit Sitz in Harsewinkel: „Das war ein wirklich toller Abend.“ Einige MBCler interessierten sich für ihre Arbeit und wollten zum Beispiel wissen, ob Fahrer von Erntemaschinen im hohen Feld auch Rehkitze rechtzeitig entdecken und verscheuchen können. „Auf jeden Fall, wenn die Tiere nicht schon vorher die Flucht ergreifen.“

(Peter Sauer)


 


 

Constanze Wolff
Inge Milkowski
Liza Schlichting
Le Corbusier
Charles-Édouard Jeanneret-Gris
Renate Mackowski
Fernand Léger
Pablo Picasso
Josephine Baker
Dr. Wiebke Borgers
Jörn List
Lennart Berg
Isolde Bäcker
Dr. Thomas Bäcker
Cyrus Tahbasian
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