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  • 27.07.2016, 17:13 Uhr
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  • Münster / Münsterland
152. Treffen des MBC

"Der Smarte Smutje" schmeckt sehr gut - Besuch der Hafenkäserei

Rund 70 Besucher des Münster Business Club (MBC) MBCler erlebten am Mittelhafen 20 in Münster einen sehr informativen, unterhaltsamen und kurzweiligen Abend in der Schaumanufaktur mit angeschlossenem Museum der Hafenkäserei Söbbeke.

Der Münsteraner Hafen war früher lange Zeit Umschlagplatz von Waren jeglicher Art. In den letzten Jahren ging dies deutlich zurück. Entstanden ist stattdessen eine vitale und sehr kreative Szene aus Gastronomie und Kunst, Clubs und Dienstleistern: der Kreativ-Kai. Und an der südlichen Kaimauer hat jetzt auch eine echte Käserei festgemacht. Jungunternehmerin Ann-Paulin Söbbeke hat sich mit ihrer „Hafen-Käserei“ direkt am Dortmund-Ems-Kanal einen Traum erfüllt. Sie l(i)ebt ihren Beruf und das vermittelte sie am 13. Juli im maritimen Ringelstreifen-Shirt und cooler Beanie-Mütze den rund 70 Besuchern des Münster Business Club (MBC) – organisiert von Constanze Wolff. Die MBCler erlebten am Mittelhafen 20 in Münster einen sehr informativen, unterhaltsamen und kurzweiligen Abend in der Schaumanufaktur mit angeschlossenem Museum im 1. Obergeschoss.


Söbbeke hat in Wangen im Allgäu ihren Molkereimeister gemacht. „Man fuchst sich gut rein.“  Dort kam ihr auch die Idee einer Schau-Käserei. Aber im größeren Stil und mit deutlich mehr Transparenz und Interaktivität zwischen Besuchern und Produzenten. Nach einem Jahr Bauzeit war im Sommer 2015 die Inbetriebnahme: „Es war ein tolles Gefühl die erste Milch durch die Rohrleitungen laufen zu lassen.“ Draußen vor der Hafenkäserei Münster sehen zwei Tanks, ein Mal für Milch, ein Mal für Molke. Da sind jeweils 30000 Liter drin. „Wir beziehen die Milch aus dem Münsterland. Sie hat 3,5 Prozent Fett. Wir müssen sie dann nur noch auf Betriebstemperatur bringen.“ Die 29-Jährige Geschäftsführerin der Hafenkäserei erläutert den MBClern allgemeinverständlich und kurzweilig die wichtigsten Produktionsabläufe: „Bis zum Beispiel der Käse `Fröhlicher Fähnrich` fertig ist, habe ich ihn selbst bis zu 300 mal in der Hand gehabt“, sagt die 29-Jährige mit kräftiger Stimme, die auch einem Seemann zur Ehre gereichen würde. Der „Fähnrich“ benötigt genügend Rotschmiere, Liebe und Geduld. Die zusammen mit Bier und einem Käseschmierer alle paar Tage aufgebürsteten Bakterien geben dem „Fähnrich“ eine rot-orange, krümelige Oberfläche, eine weiche Konsistenz und verleihen ihm ein ausgeprägtes Aroma. Aber nicht alle Käse-Sorten werden so aufwändig hergestellt: Zum Vergleich: mit dem jungen Gouda „hantieren“ Söbbeke und ihre 14 Mitarbeiter in den Reifungskammern „nur“ rund 70 Mal. 

Gläserne Käserei und unterhaltsames Museum

Molkereimeisterin Ann-Paulin Söbbeke erläutert den MBClern in dem modernen Glasbetonbau mit Rund-Um-Einblick in die einzelnen Produktions- und Lagerräume wie 3000 Liter Biomilch aus großen Edelstahltanks ins Rührwerk fließt, zum Dicklegen biotechnologisch hergestelltes Lab hinzugefügt wird (als Tribut gegenüber Vegetariern, denn natürlicher Lab stammt aus Kalbmägen), dann alles zur Gallerte vermengt wird. Anschließend wird die Gallerte mit der „Käseharfe“ in Würfel geschnitten. So entsteht der Käsebruch. Je kleiner die Würfel sind, desto fester wird später der Käse. Söbbeke und ihre Mitarbeiter müssen stets mit Fingerspitzengefühl abschätzen, wann der Käsebruch die richtige Konsistenz hat, um in die runde Käseform gepresst zu werden. Eine tage-, wochen- oder monatelange Reifung ist die Voraussetzung dafür, dass sich das sortentypische Aroma entwickeln kann. Während der Reife werden die Laibe gewendet, bestrichen, gebürstet oder in Kräutern gewälzt und von Affineuren wie Söbbeke veredelt. „Das Eckige muss ins Runde“ beschreibt sie locker die Arbeit und erläutert, dass in der Käse-Lake der Salzgehalt sechsmal höher sei als in der Deutschen Nordsee.

„Londoner“ Nebel und 100 Prozent Bio

Die MBCler sehen den großen Reifungsraum, der im dichten Nebel liegt. „Wie an der Londoner Themse“, kommentiert ein Dienstleister und staunt über die Mengen. „Vier Tonnen Käse liegen hier, das sind 300 Laibe“, sagt Söbbeke. Dabei reicht die Auswahl der Hafenkäserei vom „Milden Maat“ mit Bockshornklee über den „Fröhlichen Fänrich“ mit Bier-Rotschmiere bis hin zum „Bärtigen Bariber“ mit Whisky und Rosmarin. Alle haben eins gemeinsam: Sie sind 100 Prozent Bio!

Käsehäppchen und Hafentradition

„Wir sind flexibel“, betont Söbbeke, „wir produzieren alle zwei bis drei Wochen“. Von 1890 bis 1990 hatte der Stadthafen Münster übrigens eine Molkerei: „In Münster saßen schon mein Vater und Urgrossvater“, sagt die Jungunternehmerin, während die MBCler im Halbrund stehen oder auf dreischenkligen Sitzinseln zuhören, mit Bezug in Ultramarinblau aus ökologischem Kunstleder. Beim Vortrag genießen sie ein erstes Fingerfood-„Schiffchen“ voll mit Käsehäppchen zum Probieren. „Der Hafen hat also eine gewisse Tradition im Käse verschiffen“, führt die Molkereimeisterin fort und blickt auf ihr noch junges Unternehmen, „vielleicht ist das ja auch in Kürze wieder möglich“.

Zum Mäuse melken

Im kleinen aber feinen Museum der Hafenkäserei im 1. Obergeschoss erfahren die MBCler auch was hinter so mancher Redensart steckt. Zum Beispiel „Das ist ja zum Mäuse melken“. Das meint, dass man 400 Mäuse melken müsste, um einen Liter Milch zu erhalten. Im Anschluss an den Vortrag von Ann-Paulin Söbbeke gibt es an geschmackvoll eingedeckten Tischen jede Menge Hafenkäse zum Probieren, mit leckerem Brot und Weintrauben. Erstes Thema ist die Frage, welcher Käse denn jetzt am besten schmeckt. Diplom-Wirtschaft-Ingenieurin Petra Wagner (ISOFee) und Monika Rensing (Geschäftsführerin von Eing Textilveredlung und Handelsgesellschaft mbH & CO. KG) schwören auf den Kräuter-Pfeffer „Der Smarte Smutje“ oder den zum Wein gut passenden „Käpt´n Pauli“ (gibt es übrigens im Bistro auch als Salat!). Die beiden Geschäftsfrauen haben sich beim Münster Business Club kennen und schätzen gelernt: „Die Stimmung ist bei den Events immer klasse“, betonen beide unisono. Dafür nehmen sie auch längere Anfahren in Kauf. Was ihnen bei der Hafenkäserei am Besten gefällt ist die „Energie, mit der Ann-Paulin Söbbeke das Haus führt: „Sie lebt das!“ Mit Blick auf den Käse finden sie es gut, dass jede Sorte laktosefrei ist.

Gelungene Architektur der Hafenkäserei

Zweites Thema unter den eifrig in der Schaukäserei umher schlendernden MBCler ist die besondere Architektur des Hauses. Der Mix aus Beton-Optik und warmem Massivholz kommt durchweg gut an. „Der Mega-Showroom ist sehr beachtlich“, sagt zum Beispiel Diplomingenieurin agr. Kathrin Knafla (hortilab – Labor für pflanzliche Gewebekultur) aus Telgte. Ihr Mann Diplomingenieur agr. Hagen Knafla  (horticon) stimmt dem ebenso zu wie Sandra Radünz, Fachfrau für Business Feng Shui aus Münster. Im Event-, Bistro-  und Verkaufsbereich im Untergeschoss säumen Riegel aus massiver Eiche die Decke. Nicht nur innen. Außen wurden spezielle Aqua-Panels verwendet, die jeder Witterung standhalten sollen. Farblich treffen weiße Kacheln auf ultramarin lackierte MDF-Kassettenfronten. Ein Bullauge sorgt für stilechtes Kombüsen-Flair. Besonders ins Auge fällt die Tresen-Front aus übereinander gestapelten Euro-Paletten im Used-Look aus 100 Prozent recyclebarem PVC und die rustikalen Milchkannen. Das begeistert zum Beispiel Mathe- und Englisch-Expertin Renate Mackowski (Kumon Lerncenter).  Im Obergeschoss wird die sehr Besucher freundliche Gestaltung des Museums gelobt. „Die Infos über faire und biologische Käseherstellung sind wichtig und werden klasse vermittelt“, urteilen zwei IT-Fachleute. Witzig ist, dass an herabhängenden Metallseilen Bücher mittels Karabinerhaken hängen. Auf Augenhöhe.

Leckerer Käse zum Networken

Es gibt viele Nachfragen der MBCler an Ann-Paulin Söbbeke: „Wie lange hält ein Käse?“, will ein Mann wissen. Antwort: „Wie jeder andere auch.“ Und zu den Fragen der ökologischen Anteile sagt die 29-Jährige: „Wir machen ausschließlich reinen Biokäse. Dieser lagert auf Fichtenholzbrettern.“ Ein junger Besucher will wissen, wie der Vertrieb aussieht. Söbbeke berichtet von einem Stand auf dem Münsteraner Wochenmarkt: „Längerfristig wollen wir unseren Hafen-Käse in ausgesuchten Supermärkten mit Regionalbezug vertreiben. Auch ein Onlineshop ist in Vorbereitung.“ Viele MBCler schätzen die große Interaktivität des Museums. So versuchen sich Ulrich Bense.(Die Integratoren/ Ulrich Bense GmbH, Coesfeld) und Vitalstofftrainer Dr. Thomas Bäcker (Vitality Beauty, Roxel) erfolgreich an einer lebensgroßen Museumskuh – beim Melken. Und machen das mit Gefühl. So ist es richtig. Die Kuh gibt zwar nicht Milch, aber – Museums gerecht – Wasser. In natura hätten die beiden Geschäftsmänner also alles richtig gemacht. Die durchweg entspannte Atmosphäre in der Hafenkäserei sorgt dafür, dass viele MBCler gar nicht nach Hause wollen. Nach drei Stunden sind manche sogar so gut drauf, dass sie noch zum Salsa-Tanzen in den gegenüberliegenden Hot Jazz Club gehen wollen. After Work at it´s best.

(Peter Sauer)


 


 

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