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  • 06.12.2016, 08:03 Uhr
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  • Münster / Münsterland
156. Treffen XING MS

„Der Flipchart-Coach kommt!“

Durch kreatives Mitmachen lernt es sich einfacher.

„Mein Gott, müssen wir etwas tun? Ja!!!“ Überall an den Tischen stehen Papierblöcke, Marker und Wachsmalfarben bereit. Besser kann man ein Seminar nicht eröffnen, bei dem das praktische Erlernen des Stoffes im Vordergrund steht. Mit affirmativer und zugleich augenzwinkernder Begrüßung hatte Referent Axel Rachow von Anfang an das Interesse der über 70 Zuhörer beim 156. Treffen des Münster Business Clubs (XING Ambassador Community Münster) geweckt. Am 23. November referierte der bekannte Diplom-Sozialpädagoge, Erwachsenenbildner, Trainer und Autor im Theatercafé Münster. Er coachte die MBCler zum Thema „Flipchart“. Das steht laut Wikipedia englisch für „Umblätter-Diagramm“ (zu Deutsch: „Tafelschreibblock“). Anschaulich zeigt er auf der linken Flipchart wie man richtig mit der Chart umgeht und auf der rechten Flipchart, wie man es falsch angeht. Das Flipchart ist das schnellste Präsentationsmedium, gerade für Visualisierungen. Allerdings muss man mit Stiften und Charts umgehen können, um bemerkenswerte Ergebnisse auf das Papier zu zaubern. Nur: Wie geht das? Wie gestalte ich in kürzester Zeit ein aussagekräftiges Plakat? Welche Effekte kann ich in die Präsentation einbauen und wann sollte ich das machen? Wie komme ich Schritt für Schritt dazu, scheinbar schwierige zeichnerische Herausforderungen zu meistern? Antworten kommen von Axel Rachow.

Weißes Papier und gesunde Haltung

Wichtig am Anfang ist die richtige Auswahl der Materialien: Das Arbeiten mit einem rein weißen Blatt Papier. „Das Papier sollte keine Linien, keine Kästchen, keine Werbung (Produktname) haben, denn diese Dinge lenken vom Wesentlichen ab“, betont Axel Rachow. Auch sei es wichtig, die Flipchart bequem und visuell „zu bespielen“. Es geht darum die passende Höhe einzustellen. Dazu ist es ratsam, die Flipchart hochzustellen: „Von der Tendenz besser höher, weil das meiste schreibe ich in der Mitte. Also lieber Arm nach oben strecken, als sich gebeugt nach unten zu bewegen.“ Man sollte vor Kursbeginn Standfestigkeit testen, sowie Blattwechsel und Bewegung ausprobieren, damit es später nicht zu technischen Pannen kommt.

Merke: Marker ist nicht gleich Marker

Der Vortragende schreibt mit dicken Filzstiften (farbigen Markern) auf den Flipchart-Papierblock. Rachow macht deutlich: Marker ist nicht gleich Marker. Der „Flipchart-Coach“ empfiehlt spezielle „Neuland Marker BigOne“, in schwarz oder grau. Damit die MBCler den Unterschied selber erfahren, fordert sie Rachow auf, seine Flipchart-Bilder nachzuzeichnen. Denn: Mit den grauen Markern lassen sich eindrucksvoll Schatten malen und so Skizzen auf einfache Weise aufwerten. Der Begriff „Schattenstift“ fällt. Wachsblöcke von Stockmar empfiehlt Rachow als unkomplizierteste Helfer beim Färben. Moment mal, Wachsblöcke? Da kommen Erinnerungen an die Schulzeit auf. Wachsstifte und Wachsblöcke. Färben die nicht ab und riechen streng? Nicht die von Stockmar. Das zeigt der eigene Test der MBCler, die gut inspiriert auf den Blättern vor sich mit den Wachsblöcken arbeiten. Und siehe da: Konturen und Flächen können so rasch gefärbt werden für liebevoll kolorierte Charts, die sich auch für Mehrfachverwendung anbieten. Doch dazu braucht es eines Klebestifts.

Der Zauber-Klebestift als hilfreicher Assistent

Auch bei der Auswahl des Klebestifts rät Rachow zu etwas Besonderem, dem „Scotch-up“-Klebestift „Removable“. Der Clou: Was damit eingestrichen wird, lässt sich hinterher entfernen. Ähnlich einem Haftnotizzettel. Dieser Effekt funktioniert auch mehrfach und bringt die MBCler zum Staunen.

Mit Flipcharts optimale Wirkung erzielen

Nachdem die Materialfrage geklärt ist, geht es nun um die Wirkung der Flipchart. Ihren Sinn und Zweck. Wer jetzt nur an das Zeichnen, oder gar bunte Bilder denkt, der ist auf dem Holzweg. Vielmehr kommt es darauf an, wie durch die geschickte Anordnung von Schrift, Textcontainer und Symbol eine intensive Wirkung erzielt werden kann, die das Flipchart zum Hingucker macht. Die Stärke gegenüber der modernen Power-Point-Präsentation liegt im analogen Charme des Handgemachten und Persönlichen. Das Flipchart ist für Rachow „schnell einsetzbar und sorgt für die Reduzierung auf das Wesentliche“. Dort platzierte Zeichnungen und Diagramme machen Inhalte visuell erfahrbar. Am Flipchart kann ein Thema auch interaktiv mit den Teilnehmern entwickelt und dokumentiert werden. Beschriebene Blätter können abgetrennt und mit Klebeband oder an einer Magnetleiste an der Wand aufgehängt werden. Dadurch ergibt sich ein fortlaufendes Protokoll.

Die „goldene Regel" des Bildaufbaus: Schrift zuerst, Bilder ergänzen

Alles beginnt auf einer weißen Flipchart-Seite mit dem Text. Den schreibt man laut Rachow immer als erstes. „Erst im zweiten Schritt Sprechblase oder ähnliches drum herum zeichnen“. Linien und (Außen-)Rahmen sind dem Flipchart-Coach, wie das Kolorieren (um Akzente zu setzen), im nächsten Schritt genauso wichtig. „Sie wollen ihre Inhalte ja doch interessant machen: daher immer gut Dreidimensionalität erzeugen.“ Und er zeigt wie es geht. Die MBCler eifern ihn auf den großflächigen Papierseiten vor ihnen freudig nach. „Ein Kästchen vor das andere versetzt zeichnen. Das ist eine kleine Arbeit mit großer Wirkung. Und immer viel Platz zwischen den Textbausteine lassen!“ So die Motivationen des Referenten. Das ganze garniert Axel Rachow mit, wie er es häufiger nennt, „Chi Chi“, wie zum Beispiel Gebrauchsspuren, pastellige Licht- und Schatteneffekte, mit Farbakzentuierungen. „Bitte nicht ordentlich die zentralen Wörter unterstreichen, sondern locker mit Schwung“, empfiehlt der Experte. Weitere Grundsätze: Wenig Text pro Seite und viel freier Platz ermöglichen eine großzügige Gestaltung. Von einem Mittelpunkt aus wird jede Papierseite auf den Flipcharts entwickelt.

Gestaltung beginnt mit der Schrift – Eigenes Umgehen mit Stift und Farben

Um das Gehörte in die Tat umzusetzen fordert der Referent das Auditorium auf, erst einzelne Buchstaben (d, t, g., r., S) in gleichmäßiger Feinschrift und in gleichem dynamischen Tempo auf den Papierbogen vor ihnen zu schreiben und dann vier Wörter mit Sinngehalt. Rachow vermittelt die Moderationsschrift. Er präsentiert anhand verschiedener inhaltlicher und beruflicher Beispiele "Wort-Bild-Kombinationen", um Inhalte einprägsam zu transportieren.

Schwierige Schaubilder vorbereiten und live „aufkleben“

Am Beispiel der schwierigen technischen Zeichnung eines Narbendynamos zeigt Rachow wird man sich die Arbeit erleichtern kann. „Fertigen sie Detailzeichnungen wie diese vorher in aller Ruhe zuhause an. Schneiden sie diese aus. So können sie Detailzeichnungen immer wieder neu verwenden.“ Er zeigt: Das geht auch mit wiederkehrenden Begriffen und Formulierungen, ähnlich wie Folien, wie damals beim Overheadprojektor, eben jetzt aus Papier. Das kann durch den Einsatz des Scotch-Removable-Klebestiftes wiederverwendet werden. Rachow erläutert diesen Kunstgriff auch am Begriffsschaubild „Kosten-Qualität-Zeit“. Das live aus dem Ärmel beziehungsweise aus der Mappe gezogene Schaubild sorge beim Publikum für einen Überraschungseffekt und sei besser als vor Publikum zeitaufwendig von Präsentation zu Präsentation immer alles neu zu zeichnen. Für Rachow belegt dies auch einen weiteren Vorteil der analogen Flipchart: Er sieht bodenständiger aus als die „geleckte und immer gleich perfekt aussehende Power-Point-Präsentation“. Eine Frau aus dem Auditorium ruft spontan herein: „Da sieht man dann auch, das sich der Trainer richtig Arbeit gemacht hat. Da kann man gut was abrechnen dafür.“ Allgemeines Gelächter.

Die Kraft der Wort-Bild-Kombination: Weniger ist oft mehr

Für Rachow ist die Qualität stets Orientierungsrichtlinie: „Es geht stets darum die Wirkung des Auftritts stärken. Wichtig ist es auch, sich im richtigen Moment die richtigen Bildmotive einfallen zu lassen.“ Und das geht so: Er fordert das Plenum auf, einen wichtigen Zentralbegriff der eigenen Arbeit in einem Wort zu verschriftlichen und ein prägnantes Piktogramm dazu zu zeichnen. Am besten zwei Menschen. Ratsam ohne Gesichter (für bessere Austauschbarkeit) und farblich voneinander getrennt (um zu verdeutlichen, es sind zwei verschiedene Menschen). Die MBCler suchen also nach einem zentralen Begriff für ihre berufliche Arbeit. Es fallen Wörter wie „Stärke“ / „Webseite“ / „Gegenseitige Wertschätzung“. Die Zuhörer erfahren, dass auch bei einem Immobiliengeschäft die beiden Menschen-Piktogramme wirken: „Als Verkäufer und Käufer. Ganz ohne das typische Haus abzubilden. Das ist mal was anderes.“ Durch solche Wort-Bild-Kombis wird etwas besonders beim Betrachter und Leser der Flipchart ausgelöst. „Das Kino im Kopf. Es geht los.“ Dazu gilt zu beachten: „Bei der Bildsprache darf man nicht zu kompliziert sein. Weniger ist oft mehr.“ Wie in diesem Fall die Reduzierung auf zwei Mensch-Figuren und einen prägnanten Begriff im Wortkasten.

Abpausen statt selber zeichnen

Aber wo kriege ich eigentlich diese tollen Menschen-Piktogramme her, wie bei Rachow das Bild eines Joggers, das sehr dynamisch und mehrdimensional wirkt? In Zeiten des Urheberschutzes erstaunt die Antwort: „Abpausen ist erlaubt“. Axel Rachow gibt offen zu, in seiner Schulzeit auch schon Dinge übernommen zu haben. Und jetzt hole er sich schwierige Motive aus dem Internet. Aus der Suche bei „Google Bilder Zeichnung Piktogramme“. Dort habe er auch den Jogger gefunden. Seine Praxis? „Ausdrucken, Kopieren und immer wieder verwenden.“ Eine Frau fragt: „Wie oft kann ich ein Piktogramm verwenden?“ Rachow antwortet: „Öfter. Mit dem Removable-Klebestift!“ Wer urheberrechtlich auf der sicheren Seite arbeiten will, sollte Piktogramme aus Vorlagen-Bücher nehmen, die er sich gekauft hat. Axel Rachow empfiehlt das hilfreiche „Wörterbuch der Bildsprache“ von Petra Nitschke.

Dynamik und Effekte erhöhen Aufmerksamkeit und bleiben im Gedächtnis

Schließlich stellt Rachow auch verschiedene Effekte vor, um Präsentationen mit Flipcharts interessanter zu gestalten, zum Beispiel das schrittweises Entblättern der Charts, um die Spannung zu erhöhen oder Informationen aus dem – gezeichneten – Hut zu zaubern unter dem Anschein dreidimensional-wirkender Effekte, obwohl es sich nur um ein Blatt Papier handelt. Dabei gilt aber immer die Faustregel: Visualisierungen an Flipcharts sollen schnell gehen und gut aussehen. Oft genügen kleine Details, wie einfach gezeichnete Symbole oder ein rasch gescribbeltes Männchen. Gut gesetzte Rahmen lenken die Aufmerksamkeit. Durch Schatten erscheinen Motive plastischer. Einfache Figuren helfen, 'Geschichten aus dem Leben' zu erzählen.

Der „Baum der Erkenntnis“

Was die MBCler gelernt haben können sie zum Ende des Vortrages in der letzten Mitmach-Übung „Der Baum der Erkenntnis“ zeigen. Rachow erläutert zunächst, dass der „Baum der Erkenntnis“ optisch aus dem angedeuteten Rahmen herauswächst. Die größte Erkenntnis des Vortrags sollen die Zuhörer nun in den Raum rufen und in den Baum reinschreiben: „Weniger ist mehr“, „Erst die Schrift“, „Recyclen“ lauten einige Zurufe. So bleibt man mit Flipcharts bei seinen Zuhörern sicher im Gedächtnis – als Person, mit seinem Produkten, mit seinen Botschaften und Zielen. Das galt auch für den knapp 90-minütige Vortrag von Axel Rachow. Das lag auch an den zahlreichen Mitmachaktionen, die für einige Aha-Effekte sorgen. Die MBCler erfahren, wie professionell gestaltete Flipcharts eigene Ideen ihrer Arbeit gut in Szene setzen können. Die Stimmung ist gut. Alle zeichnen konzentriert mit und entwerfen ihre Ideen auf den Papierseiten vor ihnen. Es ist ungewöhnlich ruhig. Die Ruhe von Konzentration und kreativ-inspirierender Arbeit. Man hört nur das Geräusch der Wachsblöcke und der Textmarker. Das Ziel, mehr Wirkung und Sicherheit beim Visualisieren, wurde voll erreicht – so die Stimmen aus dem Auditorium.

Mitmach-Quote bei 100 Prozent und überzeugte Flipchart-Fans

Dave Preston, Business English Coach und Blogger, machte von Anfang an mit Feuereifer bei den Mitmach-Übungen mit: „Das sind spannende Ideen. Der Stabilo-Marker ist auch echt besser.“ Diplom-Betriebswirt Cyrus Tahbasian (IDEART-Agentur für Webdesign, Grafikdesign und Printmedien-Gestaltung) findet es toll, „dass Wirkung auf einfache Art und Weise erzielt wird - wie es optisch am besten geht. Klasse“. Rechtsanwalt Dr. Andreas Neumann ist besonders inspiriert „durch das Rahmen-Setzen, die Slogans und das schnelle Erzielen von Effekten“. Kilia M. Ultes, Geschäftsführende Gesellschafterin (ChangeGestalten Ltd .): „Flipcharts sind gute Pendants zur Digitalisierung. Die Botschaften kommen besser rüber. Aufmerksamkeit wird erzeugt.“ Petra Hardeweg, Beraterin für digitale Herausforderungen (Handschrift.de potential consulting) findet den Vortrag ebenfalls gut: „Die individuelle Bildersprache spricht mich sehr an.“ Ein Bank-IT-ler schätzt den „guten Mix“ und Renate Mackowski (Mathematik/Englisch-Lehrerin, Kumon Lerncenter) fühlt sich nach dem Vortrag deutlich stärker: „Ich habe mich vor dem Vortrag nicht getraut zu zeichnen. Jetzt schon. Das hat mich völlig motiviert hier, selbst gestalterisch tätig zu werden. Jetzt lege ich los!“ Ulrike Wünnemann (Leitung Medien & Kultur, Tibus Residenz): ergänzt: „Ich bin nun völlig motiviert. Ich überlege, ob ich Flipcharts einsetzen soll für unsere Publikation, die „Tibus-Rundschau“. Wünnemann sieht konkrete Vorteile:“ Man kann farblich alles gut absetzen, so wird es auch viel persönlicher, als bei einer Power-Point-Präsentation.“ Kurzum: der Vortrag kommt kurz vor der Weihnachtspause gerade recht – regt er doch bei den MBClern zu neuen kreativen Mal- und Zeichen-Sessions an und macht Lust, die eigenen Flipcharts zeitnah zu überarbeiten.

(Peter Sauer)


 


 

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