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  • 31.01.2017, 16:51 Uhr
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  • Münster / Münsterland
158. MBC-Treffen

Stärken stärken schwächt Schwächen

Du bist ja ´ ne Marke oder wie funktioniert erfolgreiche Stil- und Markenstrategie: Dazu referierten Stefanie Diller und Carsten Seiffert beim 158. Treffen der Xing Ambassador Community Münster. Die Vorträge kamen gut an und der Spaß dabei auch nicht zu kurz.

Ob beruflich oder privat: Die ersten Sekunden entscheiden, ob wir jemanden sympathisch und kompetent finden. Es gibt viele Faktoren, welche die Wirkung in der Öffentlichkeit verbessern. Zu den wichtigsten gehören innere Einstellung und eigener Kleidungsstil. In einem Doppelvortrag erläuterten die beiden Referenten Stefanie Diller und Carsten Seiffert am 19. Januar im Theatercafé beim 158. Treffen der XING Ambassador Community Münster rund 60 Mitgliedern, wie sie Ihr inneres und ihr äußeres Selbstverständnis effizient optimieren und erfolgreich in Einklang miteinander bringen können – um ihre eigene Marke zu kreieren beziehungsweise sie zu verbessern.

Eine stärkenbasierte Personen-Marke bilden

Den Anfang macht Stärkentrainer Carsten Seiffert. Er coacht Unternehmer, hilft mit bei der Führungskräfte-Entwicklung, trainiert Teams und Mitarbeiter. In seinem Vortrag geht es darum, wie man eine stärkenbasierte Personen-Marke bilden, stabilisieren und am Markt halten kann. Grundsätzlich geht es darum, die eigene Person zur Marke zu machen. In einem dynamischen Frage-Antwort-Spiel untersucht Seiffert gemeinsam mit den Mitgliedern der XING Ambassador Community Münster (XING MS), was „Adidas“ oder „VW“ auf der einen und „Dieter Bohlen“ oder „Uli Hoeneß“ auf der anderen Seite eigentlich zu Marken gemacht hat (Einzigartigkeit, Wiedererkennung, Authentizität, Vertrauen, Verlässlichkeit) und was dann – im aktuellen Fall von „Hoeneß“ (Steueraffäre) und „VW“ (Dieselaffäre) – den Qualitätsfaktor der eigenen Marke ad absurdum führen und somit zerstört kann (Betrug an Kunden und Fans, Verrat, sehr starker Vertrauensverlust).

Mötorhead ist eine echte Marke

Ein XING MSler bringt Wohl und Wehe einer Marke mit tiefer Stimme auf den Punkt: „Sie weckt Emotionen.“ Heilpraktikerin Valerie Marter ergänzt: „Eine Marke ist ein Unikat. Einfach unverwechselbar und einmalig.“ Umso schlimmer ist es dann, wenn eine mühsam aufgebaute Marke seine Kunden und Fans nicht nur enttäuscht, sondern auch hintergeht – wie im Falle von „VW“ oder „Uli Hoeneß“. Da ist sich das Plenum einig.

Als authentische Marke, die zeitlebens im wahrsten Sinne „Wort gehalten“ hat, bezeichnet Referent Carsten Seiffert den 2015 verstorbenen Motörhead-Sänger und -Gitarristen Lemmy Kilmister (Größter Hit: „Ace of Spaces“): „Lemmy sagte von sich, dass er Sex, Drugs und Rockn` Roll auch lebe, so wie das Motto seiner Musik, und blieb so seiner Marke zeitlebens immer treu.“

Auf einem Papierbogen können die Teilnehmer sich nun selbst einschätzen. Eine von acht Möglichkeiten kann man ankreuzen. Es geht um Personen- oder Zielorientierung, um intro- oder extrovertiert, um Teamgeist, Zahlen, Fokussierung, Herzblut oder Visionen. Bei der Analyse teilt sich das Publikum in verschiedene Gruppen, die für Seiffert wenn auch unterschiedliche, so aber auch allesamt positive Qualitäten besitzen, ob in der Quintessenz dann als „Beziehungsaufbauer“, „Durchführer“ oder „Einflussnehmer“.

Da weiß man, was man hat

Am Beispiel eines Waschmittel-Klassikers zeigt Seiffert die „Mutter aller Claims“. „Da weiß man, was man hat: Persil!“ Durch eine durch intensive Werbung aufgebaute enge Produkt-Kundenbindung habe sich „Persil“ so bis heute als Topmarke gehalten. Auch weil die Bedürfnisse der Kunden befriedigt (durch Werbung und Produkt) und sie offenbar auch von der Qualität (in der eigenen Verwendung des Produkts) letztendlich nicht enttäuscht worden sind.

Selbstbewusste Verletzlichkeit“

Seiffert macht aber auch deutlich: „Auch die Zarten und Leisen können ein Produktmacher sein.“ Denn: „Wichtig ist es, zu wissen, was ich kann und was ich nicht kann.“ Carsten Seiffert nennt dies „selbstbewusste Verletzlichkeit“. In dem Moment, in dem man sich zu seinen Stärken bekenne, könne man auch ganz selbstbewusst seine Schwächen zeigen. „Das ist selbstbewusste Verletzlichkeit. Wir dürfen Mensch sein. Mit allen Stärken und Schwächen.“ Darum fragt Seiffert nun die Teilnehmer nach ihren Stärken beziehungsweise nach den drei Eigenschaften, die sie jeweils individuell auszeichnen. Zuhörerin Ulrike Wünnemann (Leitung Medien und Kultur, DKV-Residenz am Tibusplatz) bringt es auf den Punkt: „Stärken stärken schwächt Schwächen!“. Carsten Seiffert verweist auf den „www.staerkenkompass.de“ und auf www.strengthsfinder.com“, um selbst zu erfahren, was die eigenen Top-Eigenschaften sind. Oder: „Ein gutes Feedback geben auch Freunde und Kollegen.“

Erstes Feedback

Der Vortrag kommt beim Plenum insgesamt gut an. Renate Mackowski (Mathematik/Englisch Kumon Lerncenter): „Ich habe wichtige Anregungen bekommen. Man wächst ja bekanntlich mit den Herausforderungen.“ Diplom-Informatiker Dr. Thorsten Fox (Fox.New Media) und Klaus Lechtenberg (M3 Kapital Konzepte GmbH) loben die „richtige Mischung aus Herz und Wissen“. Joachim Cramer (Betriebsratsvorsitzender RWE Generation SE) bilanziert: „Das war sehr belebend.“ Ulrike Wünnemann (Leitung Medien & Kultur, Tibus Residenz) sagt: „Ich habe gute Impulse bekommen. Der Referent war sehr locker und leicht im Vortrag.“ Personal- und Karriereberater Dirk Weddehage sieht sich in seinem eigenen Marken-Claim bestätigt: „Selber wachsen, statt immer höher zu klettern.“ Das steht auch auf seiner Visitenkarte.

Das Äußere unterstreicht das Innere

Ein wichtiger Garant für eine eigene Marke ist der eigene Stil. Nicht nur in Sprache, Mimik, Gestik und Kompetenz, sondern nicht minder in Sachen Outfit. Stefanie Diller, Geschäftsführerin der in Hamburg ansässigen Stilberatung Diller-yourself, hat in den letzten 15 Jahren mehr als tausend Menschen eingekleidet. Nicht in einem Modegeschäft, sondern als Stil-Beraterin. Im Anschluss an Carsten Seiffert referiert sie vor den Teilnehmern der XING Ambassador Community Münster über Markenaufbau (Bilden eines Marken-Claims) per Kleidung unter einem klaren Motto: „Überzeugen Sie mit Ihrer Persönlichkeit - setzen Sie ein Markenzeichen!“ Aber: ohne sich dabei zu verbiegen oder anbiedernd anzupassen. Diller zeigt: Bei einer professionellen Stilberatung geht es nicht in erster Linie um Mode oder Geschmack. Es geht vor allem um die jeweilige Persönlichkeit. „Was mögen Sie an sich und was möchten Sie vermitteln? Mit welchen optischen Merkmalen können Sie punkten?“ Das fragt Diller zunächst das Plenum, denn „ihr Selbstbewusstsein, ihre Kultur und ihre Werte beeinflussen den Prozess der Imagebildung.“

„Schwarz drückt Distanz aus“

Anhand plastischer Beispiele, wie zum Beispiel der überraschenden Entwicklung von Victoria Beckham (weg vom allzu freizügigen sexy Ex-Posh-Spice Girl hin zur modebewussten, deutlich zugeknöpfteren „Forbes Unternehmerin des Jahres 2014“), erläutert sie, welcher Stil und welche Farben zum jeweiligen Typen passen, um so Persönlichkeit, Marke und Claim zu manifestieren. „Schwarz drückt oft Distanz aus“, meint Diller und setzt eher auf kontrastreiche Kleidung, schwarz, weiß, grau, anthrazit, petrol, ja besser noch auf hellere Farben. „Schwarz strahlt Autorität aus, wirkt aber auch hart und steht vielen Männern nicht sonderlich gut." Grau ist für die Expertin „das Kind von schwarz und weiß“. Die Farbe Blau fördere hingegen die Kommunikation, wirke positiv wie andere Akzentfarben auch und ganz konkret als Blau wie ein Fluss, zeige Offenheit und halte Gespräche am Laufen. Für sympathische Farbakzente, durchaus auch offensivere, würden dagegen ausgewählte Accessoires, wie Krawatte und Einstecktuch, sorgen: „Kräftige Farben und Kontraste signalisieren Entschlossenheit und Kompetenz", sagt Diller. Je farbintensiver, desto dominanter: So greife US-Präsident Donald Trump vorzugsweise zu Schlipsen in aggressivem Zinnober-Rot oder fürstlichem Royal-Blau. Rot signalisiere Power und das man keine Angst habe aufzufallen.

Corporate Identity auch bei der Kleidung

Ein Outfit aus helleren Farben, wie hellblau oder gelb, wirke dagegen leicht und entspannt. Offen und freundlich sei dagegen die Ausstrahlung eines Outfits aus einer mittelstarken neutralen Farbe, wie Blau oder Grün, dann aufbauend kombiniert mit helleren Farben. Avocado-Grün signalisiere „frischen Wind“ beziehungsweise „Neue Impulse“. Gelb-Gold zeige edles Lebensgefühl, gepaart mit innerer Fröhlichkeit. „Bei Männern geht die Farbe Braun immer“: Sie strahle Entspannung aus. Grundsätzlich empfehle sie Männern einen klassischen Business-Style (aber nicht zu sehr Pinguin-Look!) oder leger in Casual. Ein Ton-in-Ton-Outfit (petrol, anthrazit, beige, hellbraun) schaffe immer eine harmonische Wirkung.

Auch bei der Wahl der richtigen Kleidung ist das Fernziel die authentische Ausstrahlung. Das Outfit sollte nicht nur passen, sondern auch einen großen Wiedererkennungswert (Corporate Identity) besitzen. Im positiven Sinne zeige dies Bundeskanzlerin Angela Merkel mit immer dem gleichen Drei-Knopf-Blazer mit T-Shirt drunter – so Stiller. „Und das dann in allen Regenbogenfarben, je nach Anlass und Stimmung.“ Bei Recep Tayyip Erdoğan in der Türkei trug Merkel einen „rosa“-Blazer. Damit habe sie, so Stiller weiter, offenbar wohl signalisieren wollen: „Ich bin ein Mädchen.“

Der Gentleman steckt im Detail

Stil- und Imageberaterin Stefanie Diller macht deutlich, dass das Outfit stets ein Statement ist. Der eigenen Person. Der eigenen Firma. Des eigenen Produktes. Ihr Credo heißt: Biederkeit à la Pinguin-Look muss bei den Männern nicht sein. Es geht vielmehr um Stil, und das ganzheitlich: vom Hemd über Anzug und Gürtel bis hin zum richtigen Schuhwerk. Die modische Todsünde par excellence ist für Diller ein schlecht sitzender Anzug. „Er ist die Basis jedes Businessoutfits. Sitzt er nicht richtig, können es tolle Schuhe oder eine edle Krawatte auch nicht mehr herausreißen." Sie rät Männern mit weniger normgerechten Proportionen (Bauchansatz und mehr) direkt zur Maßkonfektion. Erste Wahl seien einreihige Anzüge mit Zweiknopfsakkos. Am Beispiel des Hollywood-Schauspielers Matt Damon zeigt sie, wie es aussieht, wenn man(n) sich ihre Tipps nicht beherzigt: Ein Foto zeigt den „Jason Bourne“-Darsteller in einem viel zu großen Sakko: förmlich „verschwindend“. Besser kommt ein Zuhörer weg, der mit einem lockeren Pulli über den Schultern bei Stefanie Diller punktet, auch wenn sein Gürtel „nicht ganz durchgezogen ist“. Bei einem anderem Herrn ist Diller das Sakko deutlich zu lang. Dessen Hinweis „Aber ich habe gerade abgenommen“ lässt sie nicht gelten. Bei einem anderen Mann rät sie vom Cord-Sakko ab. „Dieser Stoff Cord passt eher in den Lebensbereich Freizeit hinein als in den Bereich Business!“

Geiz ist nicht geil

Gar nicht gehen für die Stil-Expertin spießige oder billig wirkende Schuhe. Sie sollten eher hochwertig und gepflegt sein, da sie ebenso ins Auge fallen wie Anzug und Hemd. „Ein Paar schwarze und ein Paar braune rahmengenähte Derby- oder Oxford-Schuhe gehören in jeden Schuhschrank", empfiehlt Diller. Sie greift ein paar Herren aus dem Publikum heraus. Der Expertin fällt dabei auf, das oft auch ein falscher Gürtel oder ein viel zu großes Jackett das Gesamterscheinungsbild verschlechtern. Für die richtige Passform empfiehlt sie stattdessen: „Das Revers liegt an der Brust an, die Knöpfe lassen sich schließen, ohne den Bauch einziehen zu müssen. Der Taillenknopf – bei Zweiknopfsakkos der obere – sitzt auf Höhe des Bauchnabels. Die Rückenpartie wirft keine Falten. Das Hosenbein liegt leicht auf dem Schuh auf, bei schmalem Schnitt ist auch ein bündiger Abschluss erlaubt.“

Den Gürtel nicht unterschätzen

Sparen sollte man auch beim Anzuggürtel nicht. Der dürfe nicht breiter als drei bis vier Zentimeter. Und aus glattem Leder. Die zierlich gehaltene Schnalle sollte glänzen. Beim Hemd rät sie: Weg vom gemeinen Schlabber-Look. Ein Businesshemd sollte eher körpernah geschnitten sein. Um Fehlgriffe zu vermeiden, rät die Modeexpertin zu einer klassisch-hochwertigen Basisgarderobe. Bei der möglichst alle Teile harmonisch miteinander kombinierbar sind. An XING MS-Mitglied Alexandra Schulten (Personalreferentin Ausbildung bei der LVM-Versicherung) lobt Stefanie Diller die „perfekte Mischung aus gut abgestimmter Kleidung und schönen Haaren.“

Das MBC-Plenum spendet großen Applaus. Noch lange wird gefachsimpelt und genetzwerkelt. Allgemeiner Grundtenor: In den Kleiderschränken wird es dieses Jahr schon jetzt einen vorgezogenen und intensiveren „Frühjahrsputz“ geben, mit Blick auf „starke Kleidung“; welche die eigene Persönlichkeit, das Unternehmen, das Produkt, kurzum: die eigene Marke unterstützt und vorantreibt.


(Peter Sauer)


 


 

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