Weitere Artikel
  • 11.12.2017, 13:18 Uhr
  • |
  • Münsterland
169. Treffen XING MS

„Wir sprechen mit (den) Menschen“ – André Karsten ist Social Media Communicator

Die Polizei hat nicht immer einen guten Ruf. Das sie jetzt einen bessern hat, dafür sorgen André Karsten und seine Kollegen. Der Frankfurter gewährte rund 50 Mitgliedern der XING Ambassador Community Münster am 16. November im Theatercafe Münster einen spannenden und unterhaltsamen Einblick in den schwierigen zwischen notwendiger Behördenarbeit und größtmöglicher Bürgernähe.

Polizist in Rapper-Outfit

Der 38-jährige Oberkommissar trägt Baseballcap, Hoodie und Jeans. Der ehemalige Streifenpolizist gehört zu den Pionieren der Social-Media-Arbeit der deutschen Polizei. Hat ganz offiziell den neu geschaffenen Posten Polizeisprecher für den Bereich Soziale Medien inne. Bewaffnet mit dem Smartphone geht André Karsten zum Einsatz. „Social Media“ steht in Großbuchstaben auf seiner blauen Polizei-Jacke. Über Facebook und Twitter unterstützt er seine Kollegen auf Streife. Und das ist kein Film, sondern alles echt. Die Zukunft von Behördenkommunikation.

Das Ziel: Menschen zeitgemäß erreichen

Vielerorts steckt der Social-Media-Auftritt der Polizei noch in den Kinderschuhen. Frankfurt, München und Berlin sind dagegen inzwischen die Schwerpunkte der Social-Media-Accounts der Polizei in Deutschland. Obwohl Karsten den XING-Abend mit viel Situationskomik, Herz und Geist rockt wie ein TV-Moderator: er ist erst seit knapp zehn Jahren ist Karsten bei der Frankfurter Polizei. War vorher Werbetexter, Rockmusiker und Germanist. An diesem XING-Münster-Abend veranschaulichte er mit pointierter Eloquenz, wie all seine Talente seinem heutigen Beruf zugute kommen. Wie die Erfahrung aus der Werbung bei der Kreativität der Polizei-Tweets hilft und wie die Liebe zur Rockmusik (weiterhin als Hobby) für einen wichtigen Ausgleich nach der Arbeit sorgt.

Gut zuhören und mit den Leuten reden

Behörden sind auch nur Menschen. Man muss nur mit den Leuten reden. Immer und immer wieder. Und wirklich zuhören. Gut zuhören. Sie ernst nehmen. Sei das jeweiligen Anliegen auf den ersten oder zweiten Blick noch so verrückt oder schräg. Das sind – kurz zusammengefasst – die Hauptthesen, die André Karsten als Bausteine seines Erfolges nennt. Es geht nicht zuletzt um das Storytelling des alltäglich Lebens und um Empathie: Viralität entsteht durch Emotionen!

Start mit nur einem Laptop

Doch wie ging alles los? „Wie in einem Start-up haben wir mit einem Laptop angefangen“. Zu zweit ging es in einem Abstellraum los, zwischen alten Videokassetten, Gerümpel und Staub. Den Anfang machte im Januar 2014 Twitter. 2015 folgte Facebook, 2016 Instagram – und seit diesem Jahr ist das Social-Media-Team auf fünf Leute angewachsen. Rund 234.000 Follower haben sie auf Twitter („@Polizei_Ffm“), etwa 66.000 auf Facebook (www.facebook.com/PolizeiFrankfurt/) und rund 28.000 auf Instagram (www.instagram.com/polizei_ffm). Tendenz steigend.

Die Frankfurter Social-Media-Polizisten setzten ihre ersten Tweets bei den Fußballspielen der Eintracht ab. Da ging es um das Parkplatzangebot und die Verkehrsströme.

24 Stunden an sieben Tage die Woche online

Inzwischen twittert und postet das hessische Social-Media-Team rund um die Uhr, produziert auch immer häufiger kurze Videos etwa von Einsätzen fürs Netz und mit Blicken hinter die Kulissen der Polizeiarbeit. Authentizität und Augenhöhe sind wichtig bei einer digitalen Kommunikation, die richtig verstanden werden soll. „Wir versuchen so zu sprechen, wie Frankfurt ist“, sagt Karsten. „Der Kunstgriff war es, aus der Sprache der Pressemitteilungen auszubrechen und trotzdem noch als Polizei wahrgenommen zu werden“, sagt Karsten. „In Frankfurt duzen wir im Plural.“

Ohne Humor geht es nicht

Humor wird bei vielen Antworten (Rate rund 80 Prozent) groß geschrieben. Karsten nutzt ein Zitat von Horaz, um zu erklären, warum die Polizei online auch mal lustig ist: "Mische ein bisschen Torheit in dein ernsthaftes Tun und Trachten. Albernheiten im rechten Moment sind etwas Köstliches." Auch wenn Karsten gerne lacht, macht er unmissverständlich klar: „Im richtigen Moment sind wir aber sehr sachlich.“ Und bei den Bürgern kommt es an. Etwa neulich als Frankfurt seine größte Räumungsaktion wegen Bombenfunden aus dem Zweiten erlebte: „Da brauchten uns Leute was zu Essen und zu trinken oder bedanken sich mit Posts oder Tweets für unsere Arbeit.“ In solchen Situationen weiß Andre Karsten, was ihm an seiner Arbeit besonders Spaß macht und vergisst all jene Verrückten und Provokateure, die das weltweite Internet immer wieder neu ausspuckt. Üble Beleidigungen und strafrechtliche Aufforderungen seien aber insgesamt die Ausnahme, sagt er.

Offene Fragen direkt beantwortet

André Karsten twittert und postet das, was er erlebt. „Und wie macht man dies am effizientesten?, wollen einige XINGler wissen. „Mit Augenmaß, Bauch- und Fingerspitzengefühl“ ist seine Antwort. Ob es dabei um eine Großdemonstration, ein Fußballspiel, oder um niedliche Tiere geht, die gerettet werden müssen, wie zum Beispiel entlaufene Schafe oder eine putzige Entenfamilie. „Wir sprechen mit Menschen“, bringt Karsten diese besondere Polizei-Arbeit auf den Punkt. Die Polizei Frankfurt ist auf Facebook, Twitter und Instagram unterwegs.

Internet verbindet

Für André Karsten ist das Internet ein wesentlicher Bestandteil polizeilicher Pressearbeit, die nicht mehr wegzudenken ist. Social Media baut hier Brücken auf – zwischen der Polizei als Behörden und den Menschen – und Vorurteile und Klischees ab, die manche zuvor von der Polizei hatten.

Ist Münster zu sicher?

„Sobald sich das eine Behörde leisten kann, würde ich ihr empfehlen, jemanden komplett für Social Media abzustellen", sagt er. Einige XINGler melden sich zu Wort und vermissen die Social-Media-Polizei in Münster. „Vielleicht ist Münster einfach zu sicher“, antwortet Karsten diplomatisch, gibt aber zu, das außerhalb der Pionier-Metropolen noch viel getan werden muss in den Amtsstuben der Polizei und draußen vor Ort. „Meine Tochter hat jetzt gerade bei der Polizei angefangen“; sagt eine XINGlerin aus Telgte, „wenn ich sie jetzt so erlebe hier heute Abend, weiß ich das sie in guten Händen ist – danke für diesen tollen Vortrag!“ Sie ringt das auf den Punkt, was viele denken. Donnernder Applaus und im Anschluss folgen noch zahlreiche persönliche Gespräche bei Getränken und Salzbrezeln.

520 Pressemitteilungen am Tag

Der 38-jährige Oberkommissar beantwortet jede Frage, zum Beispiel über die 1.000 Einsätze (bei 750.000 Einwohnern) der Frankfurter Polizei pro Tag, die 520 Pressemitteilungen pro Tag und die pointiert ausgewählten der bis fünf Tweets und Posts pro Tag oder auch technische Fragen, wie zum Beispiel von XINGler Rüdiger Vierhaus zum Content und zur Sicherheit vor Hackern: „Dienstlich agieren wir nur im Intranet. Von außen kommt man nur bis zum Notebook“, erläutert der Frankfurter Social Media Communicator.

„Easy“-Abend

André Karsten nimmt sich die Zeit, gerne, das sieht man ihm an, und er macht solche Vorträge, wie XING-Moderatorin Constanze Wolff betonte, „ehrenamtlich – in seiner Freizeit“! Nur ein paar Stunden später sagt auch Karsten aus dem fernen Frankfurt danke für einen tollen „easy“-Abend in Münster, natürlich viral – per Facebook: „War sehr gerne bei euch: Interessante Menschen und Gespräche.“ Rüdiger Vierhaus hat das Ganze wie immer in tollen Bildern festgehalten.

(Peter Sauer)


 


 

André Karsten
Rüdiger Vierhaus
Constanze Wolff
Karsten
Frankfurter
Menschen
Leute
Münster
Einsatz
Tweets
Social-Media-Polizei
Polizei-Arbeit
Instagram
Twitter
Pressemitteilungen
Social
Social-Media-Accounts
XINGler

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "André Karsten" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: