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  • 04.07.2018, 13:20 Uhr
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  • Münster / Münsterland
176. Treffen XING MS

Macht Geld wirklich glücklich? Oder ist es nur Mittel zum Zweck?

Beim letzten Treffen der XING Ambassador Community Münster erfuhren die Mitglieder Wissenswertes zum Thema Geld und Glück.

Dass Fußball gucken nicht wirklich glücklich macht, haben jüngst die Spiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Russland gezeigt. Daran erinnerte XING-Moderatorin Constanze Wolff (Brandstifterin – Text, PR & Social Media) zu Beginn des 176. Treffens der XING Ambassador Community Münster im „Freiraum“ im Aposto in Münster. Dort erfuhren rund 44 Mitglieder am 20.Juni Wissenswertes zum Thema Geld und Glück. Die beiden Referenten Astrid Hochbahn (Berufswegberaterin, Gründungs-/Unternehmens-beraterin) und Klaus Lechtenberg (M3 KapitalKonzepte GmbH) begaben sich unterhaltsam und pointiert auf die Suche nach Antworten auf die Frage „Macht Geld glücklich?“, auch unter Einbeziehung bekannter Redensarten und wissenschaftlicher Studien.

Das Geld schlummerte friedlich im Tresor

Beide Referenten, die auch langjährige Mitglieder der XING Ambassador Community Münster sind, haben aus unterschiedlichen Perspektiven mit Geld zu tun und fragen sich selbst, was Geld eigentlich wirklich bedeutet. Wie hängt das eigene Wertgefühl mit Besitz oder Gehalt/Honorar zusammen? Welcher Bedeutung hat das Geld eigentlich inmitten unserer Wohlstandsgesellschaft? Sehr anschaulich erzählte Astrid Hochbahn von ihren Erlebnissen in Breslau. Sie hatte eine Freundin auf einer Polenreise begleitet. „Ich war erstmals in einem Vier-Sterne-Hotel mit All Inklusive und erlebte, wie es ist, wenn man sich um Geld keine Gedanken machen braucht.“ Scheinbar. Ihr Geldbeutel lag im Hotel-Tresor, denn schließlich war ja alles All Inclusive. Mit dem Auto erkundete Astrid Hochbahn das Umland von Breslau. Unterwegs bekam sie Durst und bemerkte dann plötzlich, das ihr Portemonnaie ja weit weg im Hoteltresor lag. Schnell suchte sie im Auto alle Cent-Reserven zusammen, kam aber nur auf magere 1,50 Euro. Das würde auch für die bald nahende Maut-Station nicht reichen. Also nutzte sie kleine polnische Landstraßen. Die waren mautfrei.Fürs Parken hatte sie ebenso kein Geld wie für Souvenirs. Hochbahn erfuhr hautnah: Ohne Geld kommt man nicht weit. Mit Geld kann man nicht nur Hilfe organisieren und Bedürfnisse befriedigen, sondern auch eine gewisse Gestaltungsfreiheit erleben.

Einmal anschreiben an einer Tanke in Bonn

Auch Klaus Lechtenberg verstand sich auf gutes Story-Telling. Er hatte einmal eine Seminarübung zu absolvieren, wie es ist ohne Geld und Ausweis an einer Bonner Tankstelle tanken zu müssen. „Das löste in mir heftiges Gedankenkino aus.“ Zum Glück konnte er beim Tankwart anschreiben. „Das geht auch in Osnabrück“ ergänzte Zuhörerin Ingeborg Bispinck-Weigand (Praxis für Supervision, Coaching, Personal- & Organisationsentwicklung). Geld werde gehortet und gespart, fuhr Astrid Hochbahn ihr Referat fort, „weil man damit Ängste bekämpft“.

Tief im Dispo aber gut in der Kalkulation

Aus ihrer Berufserfahrung weiß sie, wie differenziert der Umgang mit Geld ist: „Es gibt Menschen, die immer im Minus von 2.000 bis 5.000 Euro sind, die aber besser mit dem Geld kalkulieren können, als Menschen, die immer im Plus sind“, sagte Hochbahn.“ Das habe sehr viel mit Druck und Schuld zu tun. „Kauf Dich glücklich sorgt dagegen für ein gutes Selbstwertgefühl.“ Man könne gute Gefühle einkaufen oder schlechte Gefühle bekämpfen, je nach Situation. Aber auch dieses Glück kann von nur begrenzter Dauer sein. „Ich habe mir neulich ein neues Auto gekauft“, berichtet Astrid Hochbahn, „doch schon nach zwei Wochen war das Glücksgefühl weg.“ Spontaner Einwurf von Ingeborg Bispinck-Weigand: „Aber es riecht doch noch neu!“ Darauf erwiderte Astrid Hochbahn: „So neu ist er nicht. Ich habe den Wagen gebraucht gekauft.“ Es ist also keine leichte, keine eindeutige Sache mit Geld und dem Glücklichsein.

Mehr Glücksempfinden bei unter 64.000 Euro im Jahr

„Wenn Menschen arbeitslos sind, stellen sie sich oft selbst in Frage und zweifeln an sich“, weiß Berufswegberaterin Astrid Hochbahn aus ihrer täglichen Arbeit. Mit ausreichendem Geld durch gut bezahlte Arbeit, die man selbst erbringt, kann demnach also auch unser Selbstbewusstsein wachsen, und nicht nur unser Wohlstand. Referent Klaus Lechtenberg zitierte den Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman. Er hat festgestellt, dass Geld allein nicht zufrieden macht, zumindest nicht mehr ab einer gewissen Schwelle. Diese liegt nach Kahneman bei einem jährlichen Einkommen von 75.000 Dollar (umgerechnet etwa 64.000 Euro). Bis zu dieser Schwelle mache Geld glücklich. Alles, was darüber hinausgeht, habe dagegen keinen signifikanten Einfluss mehr auf die Zufriedenheit eines Menschen, da er sich an eine komfortable finanzielle Lage bereits gewöhnt hat und seinen Lebensstil mit jeder Gehaltserhöhung nur noch minimal anpasse.

Der große Fisch im kleinen Teich ist glücklicher

Die Forschung habe auch ergeben: Wer sehr viel verdient, dem bringen die zusätzlichen Euros weniger als jemandem, der wenig verdient, für den es aber mehr bedeutet. Bei mehr als zehn Millionen Deutschen sei das Glücksempfinden weniger höher als bei denen, die für sie arbeiten. Die Referenten zitierten den britischen Psychologen Michael William Eysenck. Demnach führen alle Anstrengungen mehr zu haben nicht zu mehr Glück, sondern zur sogenannten „hedonistischen Tretmühle“ größerer Anstrengung. Gesünderes Glück komme dagegen, so Astrid Hochbahn, mehr über Verliebtsein, Freunde und Gesundheit. Glück um jeden Preis führe dagegen in die Irre. Bescheidenheit bringe mehr als das man sein Glück dadurch zu definieren versucht, es ständigen Vergleichen mit anderen zu unterziehen – getreu dem Motto „Mein Auto, mein Haus, meine Yacht!“ „Es ist besser“, empfiehlt Klaus Lechtenberg, „lieber der große Fisch im kleinen Teich zu sein, als umgekehrt“.

Kein nachhaltiges Glück durch Frust-Käufe

Gute Gefühle im Einklang sorgen für echtes Glück, bilanzierten Lechtenberg und Hochbahn. Wenn man allerdings Geld zum Fenster raus schmeisse, habe Geld keine Bedeutung. Auch Frust-Käufe würden langfristig nichts bringen. Nach kurzfristigen Glücksmomenten geht es in der Regel schnell wieder gegen null. Wichtiger sei es stattdessen, den Umgang mit dem Geld selber für sich zu reflektieren. Die eigenen Gefühle wahrzunehmen und eigene Verhaltensweisen zu überprüfen. Wo ist die Quelle unangenehmer Gefühle? Eine Kontrolle über das Geld per Kassensturz und Haushaltsbuch über zwei Monate sei keine schlechte Sache, raten Hochbahn und Lechtenberg dem Auditorium. „Einfach sich mal fragen, wo befinde ich mich? Wo fehlt mir Geld, wo möchte ich hinkommen.? Kann ich Geld auch anders verdienen?“ Wichtig sei es aus der alltäglichen Tretmühle herauszukommen und nur Zweck gesteuert dem Erfolg und damit auch dem Glück hinterherzujagen. Astrid Hochbahn brachte es schließlich auf den Punkt: „Beziehungen machen langfristig glücklicher als jedes Geld.“ Dazu zählen auch soziale Bindungen und Netzwerke.

Feedback: Geld ist eben doch nicht alles

Der Vortrag kam gut an. Fotodesignerin Angelika Osthues bilanzierte: „Da waren wichtige Impulse dabei, die zum Nach- und Umdenken anregen.“ Nicht wenige Zuhörer kennen die Frust-Käufe, wollen in Zukunft aber mehr auf Belohnungskäufe setzen. „Die Ambivalenz von Geld und Glück klingt nach“, bilanzierte IT-ler Sebastian Lahrkamp. Er wird künftig auch mehr auf die Nachhaltigkeit des Netzwerkens setzen. Kristina Lunemann (Babybluescoach) hat auf einer Weltreise mit ihrer Familie nicht nur eine wichtige Auszeit erfahren, sondern auch, dass man auch sehr glücklich sein kann mit ganz wenig Geld, zum Beispiel in Thailand. IT-Berater Stefan Kroll findet es wichtig, grundsätzlich bewusster mit Geld umzugehen: „Es müssen nicht immer Markenartikel sein.“ Interessant war auch, wo XING-Mitglied und Verwaltungswirtin Sandra Borowski an diesem Abend eine ungewöhnliche Glücksbotschaft im Raum fand: „Einer der Kellner hatte eine Zwei-Euro-Münze am Hals als persönlicher Glücksbringer.“ Und er servierte auch mit einem Lächeln innerer Zufriedenheit.

(Peter Sauer)


 


 

Constanze Wolff
Astrid Hochbahn
Klaus Lechtenberg
Ingeborg Bispinck-Weigand
Daniel Kahneman
Michael William Eysenck
Angelika Osthues
Sebastian Lahrkamp
Kristina Lunemann
Stefan Kroll
Sandra Borowski
Brandstifterin
Aposto
M3 KapitalKonzepte GmbH
XING Ambas

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