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  • 31.08.2018, 08:17 Uhr
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  • Münster / Münsterland
178. TREFFEN XING MS

Sprache schafft Bewusstsein – Richtige Kommunikation sorgt für Erfolg

Wenn wir mit einem anderen Menschen sprechen, dann geht es nicht nur um den sachlichen Inhalt unserer Mitteilung, sondern auch um eine Aussage über die jeweilige Beziehung, in der wir zum Gegenüber stehen.

Die angewandte Sprache sagt auch viel über uns selbst aus. Ein und derselbe Inhalt kann – unterschiedlich formuliert oder intoniert – verschiedenste Reaktionen hervorrufen. Maßgeblichen Anteil an erfolgreicher Kommunikation haben nicht nur die Wahl der richtigen Inhalte und der passgenauen Sprache. Auch die körperliche Vermittlung und die Wahl des Kommunikationsraumes prägen entscheidend mit, wie meine Wörter und Sätze ankommen. Sprache schafft somit Bewusstsein.

Ziel ist die „ebene“ Kommunikation

Zum bewussteren Umgang mit Sprache rief der Münchener Sozialwissenschaftler, Autor und Speaker Muriel Aichberger am 16. August beim 178. Treffen der XING Ambassador Community Münster im „Freiraum“ im Aposto in Münster auf. Auf den Tag genau ein Jahr nach seinem gefeierten ersten Vortrag bei den XINGlern in Münster behandelte er jetzt vor rund 50 Zuhörern das Thema „Kommunikations.Raum.Gestaltung“. Es veranschaulichte, wie Gespräche in "unebenen" Situationen (bezogen auf Inhalt, Werte, Körperlichkeit und Räumlichkeit) in eine angenehme und zielführende, "ebene" Kommunikation verwandelt werden können.

Inklusiv und bewusst sprechen

„Kommunikation ist alles. Wir können gar nicht nicht-kommunizieren, wenn wir mit anderen Menschen zusammen sind.“ Muriel Aichberger erläuterte eindrucksvoll wie Gesten, Blicke, Körperhaltungen und Zwischentöne Bedeutung haben können, positive wie negative. Ihm geht es darum, Kommunikation möglichst inklusiv und damit objektiv gerecht zu gestalten, denn Sprache gestaltet nicht nur unser Bewusstsein, sondern – Baustein für Baustein – auch unsere Welt um uns herum. Aichberger bringt es auf den Punkt: „Je mehr wir uns darüber bewusst sind, was wir sagen und kommunizieren wollen, desto präziser können wir unsere Entscheidungen umsetzen und desto direkter erreichen wir genau jene Menschen, die wir erreichen möchten.“

Ohne Abstand und künstliche Gräben

Für den 34-Jährigen ist ständige Sensibilisierung beim Thema Sprache das Ziel erfolgreicher Kommunikation, ob beruflicher oder privater Nuancierung. Neben der ganz eigenen Wesensart unserer persönlichen Sprache wird unsere Kommunikation von zahlreichen zusätzlichen Faktoren bestimmt. Manchmal ist es ein einziger Satz am Beginn einer Diskussion, der die Grundlage für die gesamte Stimmung und dadurch die Resultate legt. Die Anordnung von Personen im Raum kann maßgeblich die Kreativität oder den Erfolg einer Teamsitzung beeinflussen. „Neulich stand ich auf einer Bühne und hatte einen breiten Orchestergraben zwischen mir und dem Publikum“, erläuterte Aichberger an einem Beispiel aus eigener Erfahrung, „da ist es schwierig die Leute gut zu erreichen.“ Auch aus diesem Grund verzichtete er beim XING-Besuch in Münster auf ein Mikrofon.

Mit Sprache „Wirklichkeit handelnd verändern“

Muriel Aichberger verstand es, mit weiteren praktischen Beispielen und didaktisch gut verzahnten Argumentationen das Publikum weiter zu sensibilisieren. Dabei zitierte er auch die Linguistin Heidrun Pelz: „Kurz, mittels der Sprache kann ein Mensch handeln, statt sich nur zu verhalten, das heißt, er kann die Wirklichkeit handelnd verändern.“ Der Mensch sei nach Heidrun Pelz den Gegebenheiten des Lebens nicht ausgeliefert, sondern kann sie, falls sie nicht passend sind, verändern. Aichberger verfolgt die Linie von Pelz, dass es bei der Sprache nicht nur um die Mitteilung, sondern auch um die Kommunikationsinteressen geht, also auch um das, was der Sprecher beim Hörer durch sprachliche Mittel letztendlich bewirken will.

Gewaltfrei auf der Metaebene unterwegs

Aichberger sprach auch das Handlungskonzept der „Gewaltfreien Kommunikation“ (kurz: GFK) an, das von Marshall B. Rosenberg entwickelt wurde. Es soll Menschen ermöglichen, über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg so miteinander umzugehen, dass der Kommunikationsfluss zu mehr Vertrauen und Freude am Leben führt. Im Vordergrund steht nicht, andere Menschen zu einem konkreten Handeln zu bewegen, „sondern eine nachhaltig wertschätzende Beziehung zu entwickeln, die mehr Kooperation und gemeinsame Kreativität im Zusammenleben ermöglicht“.

Die ersten Augenblicke entscheiden

Und das fängt in den ersten Augenblicken einer Kommunikation an, betonte Aichberger. Das Gespräch zwischen Sender und Empfänger entscheidet sich in den ersten Minuten – auf einem Spektrum zwischen Zu- und Abneigung, Interesse oder Desinteresse. Aichberger liebt die Sprache und was man alles mit ihr bewegen kann, das merkte man seiner Vortragskunst gut an. Deshalb wurde er nicht müde zu appellieren, bei der Sprache „mehr Eigenverantwortung zu übernehmen“. Sätze wie „Der ist Tamile. Der ist nett, gell?“ seien nur auf den ersten Blick positiv, da sie unterschwellige Urteile mittransportieren, die in einer gerechten Welt und in einer sprachbewußten Welt nichts zu tun haben. Denn falsche Sprachmuster und Lebensgewohnheiten und tradierte Meinungen führen irgendwann zu Glaubenssätzen, die letztlich Vorverurteilungen und Beurteilungsfehler befeuern und somit unwiderruflichen Einfluss auf Wirklichkeiten haben, ob beruflich oder privat. Diese Kette sollte erst gar nicht ausgelöst werden, um ganz „inklusiv“, also eben nicht exklusiv, kommunizieren zu können: fair und gerecht – durch eine bewußte Sprache.

Wahrnehmen statt funktionieren

Muriel Aichberger denkt die Philosophie des deutschen Idealisten Georg Wilhelm Friedrich Hegel weiter. Hegel fragte: „Was können wir wahrnehmen?“ Zunächst ganz unmittelbar und rein, frei von überlieferten Erkenntnissen oder Meinungen, wie das Auge etwas das allererste Mal überhaupt erfasst, so solle auch die Sprache in ihrem Ursprung sein. Aichberger nannte zahlreiche Beispiele, wie wir schon vom Erlernen der Sprache an im Laufe der Zeit immer mehr Glaubenssachen erfahren und uns Bilder von Dingen und Sachverhalten machen, die familiär oder gesellschaftlich geprägt worden sind und gar nicht durch unsere eigene Anschauung. Eine funktionale Sprache ist Aichbergers Sache eben nicht und er nennt ein prominentes Beispiel: „Sachzwänge entscheiden“, ist von Angela Merkel, glaube ich.“ Großes Gelächter im Auditorium.

Angst darf nicht der Motor unserer Sprache sein

Der 34-Jährige warnte vor gefährlichen Sprachmustern. Als Paradebeispiel beschrieb er die Situation, wenn jemand mit sozialer Stellung im Kommunikationsraum eigentlich Angst hat, diese Stellung verlieren zu können und dann seine Sprache diesbezüglich funktional selbstverteidigend anwendet: „Sie sind zu jung, um Führung zu übernehmen.“ Stattdessen rät der Münchener Autor und Trainer zur unbedingten Fairness, Offenheit und Resilienz (seelische Elastizität). Er setzt auch auf Gender-Sternchen (Asterisken) für geschlechtergerechte Sprache und empfiehlt bei moderner Kommunikation zum Beispiel auch die Verwendung von Hashtags (Zeichenkette, die mit # beginnt). Diese Wort-Zeichen-Kombination verschlagwortet den Social-Media-Beitrag und macht ihn in schnelllebigen Timelines oder Newsfeeds besser auffindbar.

„Klimakontrolle im Raum“

Aber auch hier gilt es, Sprache aus der inneren Bedeutung heraus zu verwenden und nicht inflationär auf moderne Symbole zu setzen, um auf Teufel komm raus „forever young“ zu sein. Zudem gilt es bei der Sprache nicht nur auf die Räume, sondern auch auf Mimik und Gestik zu achten. Aichberger ermunterte daher auch zum Spielen mit Sprache, wirkte aber nie belehrend. Denn das ist ihm auch wichtig, da die eigene Sprache Auseinandersetzung braucht und nie der Grundstein exklusiver Realität sein darf.

Haltung ist wichtig

„Sprache bedeutet Haltung“, sagt Muriel Aichberger, der des Aufforderns nicht müde wurde, das wir Sprache kreativ – über unsere gewohnten Normen hinaus – nutzen sollten. Nur so könne man gewährleisten – innerhalb und außerhalb unserer Lebensbereiche – die Menschen, mit denen wir kommunizieren, auch wirklich und richtig, also fair und offen, mit Respekt und Wertschätzung, zu erreichen. Das inkludiert stets eine „Klimakontrolle im Raum“ und nicht selten auch um die Ecke zu denken.

Auch zwischen den Zeilen die Sprache erfahren

Auch der zweite XING-Besuch von Muriel Aichberger kam sehr gut an. Schon während des Vortrags gab es eifrige Zwischenfragen und anschließend zahlreiche Netzwerk-Gespräche. So war auch XINGler Klaus Lechtenberg (M3 KapitalKonzepte GmbH) sehr angetan: „Da sind viele Punkte dabei gewesen, die ich während meiner täglichen Arbeit weiterentwickeln kann.“ Volle Zustimmung bei seiner Sitznachbarin: „Und er hat die Kommunikationstipps auch immer so wunderbar lebendig und unterhaltsam rüber gebracht.“ Auch zwei IT-Dienstleister am Tisch gegenüber machten sich eifrig Notizen: „Durch den Vortrag hat man Impulse bekommen, noch bewusster mit seiner Sprache umzugehen, einfach mal noch mehr in sich zu gehen und auch zwischen den Zeilen hinzuhören.“ Viele XINGler fanden es auch klasse, wie bodenständig Muriel Aichberger referierte und auch relativ locker blieb, als am Anfang des Vortrags die Beamer-Technik etwas lahmte, Gitarrenmusik von draußen reinkam und am Ende das Raumlicht zu stark abgedunkelt wurde. Mit rund zwei Stunden überzog Aichberger zwar deutlich sein eigenes Redepensum, was aber im Anschluss den Appetit aufs Netzwerken bei mediterranen Speisen und Sommergetränken umso mehr beflügelte.

(Peter Sauer)


 


 

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