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  • 15.03.2013, 14:14 Uhr
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  • Kreis Borken
21.03. ist „Equal Pay Day"

Rote Karte für Lohnungerechtigkeiten

Unangenehmen Themen muss man auf den Zahn fühlen. Genau das tut das Netzwerk der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Borken nun anlässlich des Equal Pay Day, der am Donnerstag, den 21. März 2013, bundesweit stattfindet.

Die Gleichstellungsbeauftragten stellen dazu Menschen der hiesigen Region die Frage, was geschlechtergerechte Bezahlung für sie bedeutet. Damit werden diese Teil einer bundesweiten Aktion, die beispielsweise auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit ihrer Antwort unterstützt.

Unter dem Motto "Viel Dienst! Wenig Verdienst!" dreht sich beim diesjährigen Equal Pay Day bundesweit alles um die gesellschaftliche und finanzielle Aufwertung von Gesundheitsberufen. Irmgard Paßerschroer, Gleichstellungsbeauftragte beim Kreis Borken, betont: "Motivierte, gut qualifizierte, weibliche Fachkräfte sind im Gesundheitswesen unabdingbar, insbesondere in einer Gesellschaft, die im Schnitt immer älter und pflegebedürftiger wird."

Sogenannte "typische" Frauen-Berufe gehören oftmals in den Niedriglohnsektor. Prägnantes Beispiel hierfür ist der Gesundheitsbereich, in dem 80 Prozent der Beschäftigten weiblich ist. "Krankenschwestern, Hebammen oder Altenpflegerinnen arbeiten hart und viel. Am Ende des Monats ist davon im Portemonnaie leider nicht viel zu sehen," sagt Ria Sönnekes, Gleichstellungsbeauftrage der Stadt Vreden. Mit einer Lohnaufwertung in diesen Berufszweig würde sich bereits ein Fünftel der Lohnlücke von 22 Prozent schließen lassen.

Rote Taschen sind alljährlich das Symbol für den Equal Pay Day. Sie stehen für die Lücke, die zwischen dem Gehalt eines Mannes und dem einer Frau klafft. Dieser Tag findet immer an dem Datum statt, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus länger arbeiten müssen, um auf das durchschnittliche Jahresgehalt eines Mannes zu kommen.

Hintergrund für diesen Aktionstag ist das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen, das sich in diesem Jahr nach neuesten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes geringfügig von 23 auf 22 Prozent verringert hat. Dieser Unterschied führt im Alter zu einer sogenannten Rentenlücke von 59 Prozent, die auch ein erhöhtes Armutsrisiko bedeutet. Für die Lohnunterschiede gibt es - so das Netzwerk der Gleichstellungsbeauftragten - eine Reihe von Gründen. Die Karriereleiter in Berufsfeldern, die Männer dominieren, würde in wenigen Fällen von Frauen erklommen. Auch familienbedingte Auszeiten spielten immer wieder eine Rolle. Ute Schulte, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Rhede, sagt: "Angesichts der Lohnungleichheit bei Frauen und Männern mit gleicher Qualifikation drängt sich die Frage nach der Wertschätzung ihrer jeweiligen Arbeit auf."

Weitere Informationen rund um den Equal Pay Day gibt es im Internet unter www.equalpayday.de.

Zum Thema: Equal Pay Day

In den USA fand der erste Equal Pay Day bereits 1966 statt. In Deutschland wird er seit 2008 begangen, unter anderem unterstützt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Termin für den Europäischen Equal Pay Day ist in diesem Jahr der 21. März. Das bedeutet: Das Lohngefälle ist in Deutschland größer als im europäischen Durchschnitt. Dort beträgt der Gehaltsunterschied nach Berechnungen der europäischen Statistikbehörde Eurostat 17 Prozent, in Deutschland sind es 22 Prozent.

Zum Thema: So arbeiten Frauen im Kreis Borken

Der Anteil der Frauen an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag im Kreis Borken im Jahr 2010 bei 38,8 Prozent. Nur in der Stadt Herne und im Kreis Olpe war dieser Wert noch geringer. Das geht aus dem Sonderbericht zum Arbeitsmarktreport NRW 2011 hervor, den das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes herausgegeben hat. 35,5 Prozent der erwerbstätigen Frauen im Kreis Borken waren 2010 nur geringfügig beschäftigt. In ganz Nordrhein-Westfalen war das der höchste Wert.

(Redaktion)


 


 

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