Weitere Artikel
  • 06.03.2013, 11:32 Uhr
  • |
  • Münster & Münsterland
Absolutes Rauchverbot

Wirte wehren sich und planen eine Gegen-Initiative

In der münsterischen Kneipenszene herrscht dicke Luft beim Thema Rauchverbot: Die Arbeitgeber und Gastronomen haben Angst vor dem was kommt, wenn am 1. Mai das strikte Nichtrauchergesetz in Kraft tritt.

Für Raucherkneipen kommt dann das Aus, befürchten einige Kneipiers. Der nordrhein-westfälische Landtag hat das strikte Nichtraucherschutzgesetz im vergangenen Jahr verabschiedet, jetzt wollen Kneipiers auf die Barrikaden gehen. Die Existenz stehe auf dem Spiel, sagt Carmen Preston. Gemeinsam mit Thomas Hübner engagiert sich die Wirtin vom Kreuzeck darum für eine Initiative gegen das neue Gesetz. Beide hoffen, dass Gastronomen aus Münster sie dabei unterstützen. „Dafür brauchen wir sehr viele Hände.“

„Warum kann nicht alles so bleiben, wie es jetzt ist“, fragt Thomas Hübner. Der 52-Jährige selbst ist zwar kein Kneipier, geht aber gerne mal in eine Kneipe, wie er sagt. Vom Gesetzgeber fühlt sich der selbstständige Unternehmer bevormundet. Es habe doch auch bisher mit der Trennung zwischen Rauchern und Nichtrauchern gut funktioniert, sagt Hübner. Er habe von keinem Fall in Münster gehört, dass ein Nichtraucher einem Raucher an den Kragen gegangen sei – oder umgekehrt.

Angst vor Kneipensterben

Thomas Hübner und Carmen Preston schätzen, dass von der Einführung der strikten Nichtraucherreglung rund 100 Kneipen in Münster besonders stark betroffen sein könnten. Vor allem die Kneipen, in denen heute noch geraucht werden darf. Landesweit, so Hübner, werden rund 3.000 Kneipen auf dem Spiel stehen. Er befürchtet ein Kneipensterben.

Auch Thomas Hübner raucht und fühlt sich nach eigenen Angaben „inzwischen diskriminiert und an den Pranger gestellt“. Hübner spricht von einem enormen Druck, der aufgebaut werde und „von einer Entmündigung der Raucher“.

Carmen Preston vom Kreuzeck steht seit 21 Jahren hinter der Theke. Die Wirtin befürchtet, dass mit dem Verbot ihre Gäste ausbleiben. Dabei stünden heute sogar die Nichtraucher mit an der Theke im Raucherbereich, um sich dort zu unterhalten. Den Nichtraucherbereich könnte sie durchaus an manchen Tagen schließen, sagt die Wirtin.

Existenzängste und Kultur- Verlust

Die Gastronomin hat Existenzängste. Diese plagen wohl auch andere Kneipiers in dieser Stadt, mit denen sich Preston und Hübner bereits getroffen haben. Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel, sagen sie. Mit dem Rauchverbot gehen ein Stück Feierabendkultur und ein Treffpunkt verloren, so Hübner. Er ist überzeugt, dass die Entscheidung, ob demnächst in einer Kneipe geraucht werden darf, ob eine Trennung zwischen Nichtrauchern und Rauchern erfolgen soll oder die Kneipe als reine Nichtrauchergastronomie geführt wird, den Unternehmern selbst überlassen werden sollte.

Zudem hätten viele Wirte vor wenigen Jahren in ihre Unternehmen investiert. Manchmal Tausende von Euro für Umbaumaßnahmen. Sie erfüllten damit die Auflagen des Gesetzes und trennen seitdem Raucher und Nichtraucher.

Carmen Preston und Thomas Hübner hoffen nun, dass sich die Wirte vernetzen. Hübner spricht von einem Volksentscheid. Dafür, rechnet er vor, müssten alle 3000 Kneipen im Land jeweils etwa 200 Unterschriften sammeln. Gastronomen, die sich an der Initiative beteiligen wollen, bittet Hübner, sich unter [email protected] arcor.de zu melden.

„Für die Wirte wird es schwerer“

Renate Dölling mag nicht an den 1. Mai denken, wenn das Land Nordrhein-Westfalen den blauen Dunst aus der Gastronomie verbannt. Die Geschäftsführerin der Regionalstelle des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Westfalen sieht dieser Regelung nicht gerade entspannt entgegen. Dölling befürchtet, dass mit dem neuen Gesetz weitere Gastronomiebetriebe verschwinden werden.

Erste Betriebe hätten bereits ihre auslaufenden Pachtverträge nicht mehr verlängert. Dabei, sagt die Dehoga-Geschäftsführerin, hätten sich jetzt Gäste und Gastgeber an die aktuelle Lösung für Raucher und Nichtraucher gewöhnt, die erst vor einigen Jahren in Kraft getreten sei. Ohne Not werde diese Regelung wieder neu definiert, kritisiert Renate Dölling das Vorgehen des Landes. Dabei, erinnert die Geschäftsführerin, hätten Gastronomiebetriebe teilweise viel Geld in die Hand genommen, um für die heutige Lösung Raum zu schaffen sowie Raucher- und Nichtraucherbereiche zu trennen. Kredite seien teilweise dafür aufgenommen worden, die noch gar nicht abbezahlt seien. Teilweise müssten Betriebe seit der ersten Regelung mit Umsatzrückgängen von bis zu 30 Prozent leben. Diese Einbußen seien noch nicht aufgeholt worden, so Dölling.

Der Dehoga-Landesverband ist im Gespräch mit dem Ministerium, um vielleicht noch eine Lockerung der neuen Regelung zu erreichen. Fest steht, sagt Renate Dölling: „Für die Wirte wird es schwerer.“

Doch Renate Dölling hat noch ganz andere Sorgen, denn sie befürchtet, dass mit Inkrafttreten des strengen Gesetzes die Gäste demnächst draußen vor den Gastronomiebetrieben stehen und damit die Nachtruhe der Nachbarschaft gefährdeten.

(Redaktion)


 


 

Carmen Preston
Thomas Hübner
Renate Dölling
Kneipe
Nichtraucherbereich
Raucher
Gastronomen
Regelung
Gesetz
Gegen-Initiative
Raucherkneipen
Spiel
Dehoga-Geschäftsführerin
Münster
Wirte

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Carmen Preston" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: