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  • 04.12.2013, 09:40 Uhr
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  • Münster
Altes Stellwerk in Münster

Kreative genießen Schreibtisch mit Schienenblick

Mitten in der Stadt, gerade mal 400 Meter vom Bahnhof entfernt, dazu eine Aussicht wie in Hamburg oder Berlin: Das Alte Stellwerk an der Johanniterstraße in Münster. Gebaut Mitte des letzten Jahrhunderts wird es seit Mitte der 1980er-Jahre nicht mehr gebraucht. Jetzt arbeiten dort Kreative und genießen den Blick auf die Gleise.

Freitagnachmittags, wenn andere Wochenende haben, ist für Architekt Siegbert Feldmeier der Arbeitstag noch lange nicht vorbei. Ab und an wird er dann doch neidisch: „Wenn vor meinem Büro die Züge in Richtung See vorbeirauschen, dann denke ich schon mal: Die haben jetzt ein schönes Wochenende – und du musst arbeiten.“

Feldmeier arbeitet im alten Stellwerk an der Johanniterstraße, ebenso wie Architekt Markus Moser, die Kinderbuchillustratoren Dirk Henning und Sandra Reckers, Agentin Jutta Fricke und die Grafik-Designer Christian Brüning und Karen Krings. „Freitags um 16 Uhr fährt der Partyzug vorbei“, erzählt Reckers, während Fricke über den „unendlich langen Güterzug“ stöhnt, der immer um 17 Uhr vor ihren Bürofenstern auftaucht.

Denkmalgeschützte Immobilie

Vermutlich gibt es keine anderen Kreativen in Münster, die sich so gut mit dem Schienenverkehr auskennen. Kein Wunder – schließlich genießen sie von ihren Arbeitsplätzen freie Sicht auf die Gleise. Nach dem Zweiten Weltkrieg im Stil der 1920er-Jahre erbaut, wurde das Stellwerk seit den 1980er-Jahren nicht mehr gebraucht. Dem Gebäude blieb das Schicksal anderer Stellwerke erspart, es wurde nicht abgerissen und steht heute unter Denkmalschutz.

Von außen weitgehend unverändert, erinnern viele Details im Inneren an die frühere Nutzung. So stehen die Akten von Moser und Feldmeier auf einem von den „Vereinigen Eisenbahn-Signalwerken“ in Braunschweig gebauten, zehn Meter langen Hebelwerk, dessen bunte Schaltknöpfe wie neu aussehen. Ein paar Meter weiter befindet sich ein zehn Meter langer Hebel, mit dem einst Weichen und Signale gestellt wurden. Die Mitarbeiter im Stellwerk Johanniterstraße waren für den gesamten Nordbereich des Bahnhofs auf den Strecken nach Gronau, Warendorf und Hamburg zuständig.

Mitten im Schienen-Leben

„Wir haben schon oft an den Hebeln gedreht“, sagt Moser. „Zum Glück ist nichts passiert.“ Wie die anderen Mieter auch beobachtet er im Laufe eines Tages immer wieder das Geschehen auf den Schienen. Mal werden direkt vor dem Stellwerk Züge gereinigt, mal warten – auf Augenhöhe mit Agentin Fricke – Reisende darauf, dass ein Signal auf Grün gestellt wird. Manchmal, erzählen die Mieter, winkt sogar jemand. Und manchmal sind Beamte der Bahnpolizei zu sehen – wenn mal wieder Unbefugte über die Schienen laufen.

Mitten in der Stadt, gerade mal 400 Meter vom Bahnhof entfernt, dazu eine Aussicht wie in Hamburg oder Berlin: Die Kreativen haben ihr Gebäude im Laufe der Zeit lieb gewonnen – trotz zahlloser Treppen und nicht gerade geringer Heizkosten. Christian Brüning, ganz neu im Stellwerk, hat nun sogar ein eigenes Logo für das außergewöhnliche Gebäude am Rand der Schienen entworfen – ganz wie es sich für einen Designer gehört.

(Martin Kalitschke, WN)


 


 

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