Weitere Artikel
  • 07.06.2013, 09:28 Uhr
  • |
  • Münster
Anwohner klagen gegen Lärm

Münsters beliebtem Kneipenviertel droht frühere Sperrstunde

Anwohner in Münsters beliebtem Kuhviertel haben wegen des nächtlichen Kneipen-Lärms gegen die Stadt Münster geklagt. Unterstützung haben sie jetzt durch ein gerichtlich angeordnetes Lärm-Gutachten erhalten. Damit droht dem Kneipenviertel eine frühere Sperrstunde.

Gehen in Münsters beliebtem Kuhviertel bald die Kneipen-Lichter flächendeckend früher aus? Ganz abwegig scheint diese Vorstellung nicht mehr zu sein. Denn ein gerichtlich in Auftrag gegebenes Lärmgutachten weist für die Kneipe „Himmel und Hölle“ in der Kreuzstraße angeblich eine deutliche Überschreitung der Lärmgrenzen aus: Bis zu 64 Dezibel wurden dort nach 22 Uhr gemessen – statt maximal zulässiger 45 dB(A).

Weil das Lärmgutachten in dem schon länger schwelenden Rechtsstreit nun vorliegt, steht die Stadt unter Druck, der Klage von vier Anwohnerinnen nachzukommen: Sie kämpfen dafür, dass die Kneipe „Himmel und Hölle“ um ein Uhr schließen soll. Bislang gehen dort in der Regel um drei Uhr die Lichter aus.

Sollte dieses Beispiel tatsächlich Schule machen, droht weiteren Gaststätten an der Kreuzstraße sowie der engen Jüdefelderstraße womöglich Ungemach in Form verkürzter Öffnungszeiten. Denn auch dort, so vermutet ein Insider, dürfte der Geräuschpegel ähnlich dem jetzigen Gutachten über den erlaubten Werten liegen.

Die Betreiber der „Himmel und Hölle“-Bar sehen den Kampf vor dem Verwaltungsgericht indes noch lange nicht als verloren an: „Ich bezweifele, dass der gesamte gemessene Lärm ausschließlich der Himmel-Hölle-Bar zuzuordnen ist“, sagt Gastronom Tobias Reiter. Schließlich gehe vor der Kneipe viel an- und abwanderndes Publikum für das ganze Viertel her. „Das heißt aber nicht, dass das alles unsere Gäste sind“, so Reiter.

„Die gemessenen Werte liegen deutlich über den zulässigen“

Ähnlich hatte Ordnungsamtschef Martin Schulze-Werner noch im August vergangenen Jahres vor dem Verwaltungsgericht argumentiert. Doch seit ihm das Lärmgutachten in den Händen liegt, sieht er die Sachlage offenbar skeptischer. „Die gemessenen Werte liegen deutlich über den zulässigen“, erklärt Schulze-Werner am Donnerstag auf Nachfrage. „Sollte das Gutachten vor Gericht Bestand haben, gehe ich davon aus, dass wir den Prozess verlieren.“ Im Klartext: Die Stadt müsste dann für die Kneipe eine frühere Sperrstunde verfügen.

Angesichts der vorliegenden Lärm-Messung rechnet der Rechtsanwalt der vier Klägerinnen jedoch damit, dass das Ordnungsamt bereits jetzt die Reißleine zieht: „Ich gehe davon aus, dass wir gar kein Urteil mehr brauchen“, so die Einschätzung von Dr. Hans Vietmeier. „Das Lärmgutachten bestätigt unsere Auffassung.“

Die sich anbahnende Entwicklung bereitet nicht wenigen Gastronomen im Kuhviertel Kopfschmerzen. Bereits in der Vergangenheit hatte sich mehrfach eine Debatte um Kneipenlärm in dem Ausgehviertel entzündet. Ausfluss dessen ist der vergleichsweise frühe Feierabend für die Außengastronomie in der Kreuzstraße. Dort müssen die Gäste spätestens bis 22.30 Uhr ihr Glas unter freiem Himmel geleert haben.

(Redaktion)


 


 

Tobias Reiter
Martin Schulze-Werner
Dr. Hans Vietmeier
Lärmgutachten
Ausgehviertel
Lärm
Münster
Kreuzstraße
Sperrstunde

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Tobias Reiter" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: