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  • 01.03.2013, 13:37 Uhr
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  • Kreis Warendorf
Arbeitswelt 3.0

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Immer mehr Unternehmen punkten mit Fitness- und Betreuungsprogrammen. Viele Unternehmen sehen das Betriebliche Gesundheitsmanagement als Mittel, neue Fachkräfte zu gewinnen und qualifizierte Mitarbeiter zu binden.

Die Einführung und Umsetzung des betrieblichen Gesundheitsmanagements lohnt sich – ist jedoch auch mit Aufwand und strategischem Geschick verbunden. Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist ein Thema mit einer großen Bandbreite.

Es umfasst in erster Linie eine gesunde Führungskultur, aber auch viele andere Themen wie Familienfreundlichkeit, Hilfe bei der Rauchentwöhnung, altersgerechte Arbeit oder Stressmanagement. BGM stellt die bewusste Ausrichtung aller betrieblichen Prozesse mit dem Ziel dar, Gesundheit und Wohlbefinden der Beschäftigten zu fördern.

Stephan Bartels, Gesundheitsmanager bei der MBH Maschinenbau und Blechtechnik GmbH in Ibbenbüren, verdeutlicht mit seinem Impulsvortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Arbeitswelt 3.0", dass Gesundheitsmanagement nicht nur Thema der Großunternehmen ist.

Immer mehr mittelständische Unternehmen setzen sich sehr erfolgreich mit diesem Thema auseinander. Dabei muss sich BGM immer an den Bedürfnissen des Unternehmens und der Mitarbeiter ausrichten. Sehr wichtig ist darüber hinaus vor allem die positive Einstellung der Inhaber bzw. Geschäftsführer und der Führungskräfte.

Interview zum Thema BGM

Herr Bartels, was versteht man unter betrieblichem Gesundheitsmanagement BGM?

Bartels: Angelehnt an die Definition der Universität Bielefeld formuliere ich es folgendermaßen: Die Koordination, die Lenkung und Steuerung aller Prozesse, die das Thema Führung, die Betriebskultur- und das Betriebsklima, die soziale Kompetenz, die Arbeitsbedingungen und das Gesundheitsverhalten fördern. Das unterscheidet das BGM von Einzelmaßnahmen.

Warum bieten Unternehmen zunehmend BGM an?

Bartels: Es gibt gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen noch echte Werte. Die soziale Verantwortung des Unternehmers insbesondere in Familienbetrieben ist ein echter Beweggrund. Daneben spielen natürlich auch wirtschaftliche Gründe wie Krankenstand oder Fluktuation eine große Rolle. Die Unternehmen stehen im Wettbewerb um gesunde und leistungsfähige Mitarbeiter. Jedes Unternehmen muss sich fragen, warum ein Mitarbeiter ausgerechnet zu Ihnen kommen soll. Und wenn sie dann kommen, sollen sie auch möglichst lange bleiben und sich wohl fühlen. Da kann das Gesundheitsmanagement eine entscheidende Rolle spielen.

Welche Schritte sind bei der Einführung von betrieblichem Gesundheitsmanagement im Unternehmen sinnvoll?

Bartels: Folgende 7 Schritte haben sich aus meiner und aus der Sicht von vielen Experten bewährt:

  1. Betriebsinterne Klärung des Gesundheitsbegriffs, Zielsetzung von BGM definieren, Unterstützung der Geschäftsleitung und finanzielle/zeitliche Ressourcen klären
  2. Aufbau von Strukturen, wer kümmert sich wann um was?

    Diese Punkte werden leider im Vorfeld häufig nicht bedacht und ich würde mir wünschen, dass man das betriebsintern klärt, bevor man mit Maßnahmen beginnt.
  3. Analyse der Betriebssituation mit Ressourcen und Schwächen
  4. Planung von Maßnahmen
  5. Umsetzung
  6. Evaluation/Auswertung
  7. Wieder von vorne beginnen und aus dem Erlebten lernen, besser werden

Wie haben die Beschäftigten in Ihrem Unternehmen auf die Angebote zum BGM reagiert?

Bartels: Die Beschäftigten waren anfangs skeptisch und haben vieles zu recht kritisch gesehen. Es gab zum Beispiel die Vorstellung, dass der Arbeitgeber sich nun auch noch in das Privatleben und das individuelle Verhalten einmischt. Die Führungskräfte befürchteten noch mehr Arbeit und damit zunehmende Störungen des Tagesgeschäfts. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Widerstände der Führungskräfte bei Einführung eines BGM bei etwa 33 % liegen. Aber es gab auch viele positive Erwartungen. Werden diese Erwartungen erfüllt, entsteht Vertrauen.

Wo liegen die Herausforderungen, wenn ein Unternehmen betriebliches Gesundheitsmanagement einführen möchte?

Bartels: Die Ernsthaftigkeit des Themas muss deutlich gemacht werden. Dafür benötigt man viel Geduld, Zeit und Ressourcen, einen aktiven Kümmerer/Arbeitskreis und die Schlüsselfiguren müssen die gesundheitlichen Prinzipien mitleben und „vermarkten“. Das kann Jahre dauern, aber dann lohnt es sich auch. Viele Experten schätzen, dass es nach 3 - 4 Jahren eine Verringerung der Krankheitskosten gibt.

Welche Fehler sollten bei der Einführung unbedingt vermieden werden?

Bartels: „Blinder Aktionismus“, Einmalaktionen, keine realistische Zielsetzung, „übermotivierte Kümmerer“.

Lohnt sich die Einführung auch für kleine und mittlere Unternehmen?

Bartels: Richtig angewendet lohnt es sich für jedes Unternehmen, was an sich arbeiten möchte und kritisch zu sich selbst ist. Weltweit gibt es etwa 1000 Untersuchungen zur Effektivität von BGM. Die meisten kommen zu dem Ergebnis, dass sich die Gesundheit verbessert und dass die Einführung ökonomisch effektiv ist. Der Unternehmensberater Roland Berger beispielsweise nennt „eine Reduktion der Abwesenheitszeiten von 30 - 40%“.

Werden Ihre Gesundheitsangebote finanziell unterstützt, z. B. von den Krankenkassen?

Bartels: Die Angebote der Krankenkassen sind so unterschiedlich wie ihre Größe. Bei den sehr großen Kassen gibt es sehr gute Konzepte, die eine Projektbegleitung, eine Prozessberatung und die konkrete Umsetzung von Maßnahmen finanzieren, wenn das Unternehmen die Ernsthaftigkeit des Betrieblichen Gesundheitsmanagements deutlich machen kann. Das kann man - neben klaren Prozessen und Strukturen - auch am konkreten Budget für Gesundheitsförderung erkennen. Der „Betriebsservice Gesunde Arbeit“ der Deutschen Rentversicherung (DRV) informiert kostenfrei Unternehmen vor Ort, stellt Kontakte zu Krankenkassen sowie zu anderen Partnern her und begleitet die Entwicklung des Gesundheitsmanagements auch in der Folgezeit.

(Redaktion)


 


 

Stephan Bartels
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